Sven Demandt

Sven Demandt

Stolze 155 Tore erzielte Sven Demandt in 495 Spielen in der 1. und 2. Bundesliga, die meisten davon für Düsseldorf und Mainz. Hier stellt er seine Traumelf aus ehemaligen Mitspielern vor. Die Mischung aus Kampfgeist, Siegeswillen und Technik passt wunderbar zu Demandt, der auf dem Platz genau diese Tugenden verkörperte. Zudem spricht er über seinen Spitznamen „Kühlschrank“, seinen besten Trainer und ein kurioses Transfergespräch mit Otto Rehhagel.

Die Traumelf von Sven Demandt

Taktische Aufstellung

Sven Demandt Traumelf-Aufstellung

Jörg Schmadtke // Torwart // Fortuna Düsseldorf

Jörg kenne ich schon ewig. Mit 18 Jahren haben wir bei der Fortuna bei den Amateuren zusammen gespielt und sind fast zur gleichen Zeit Profi geworden. Sein erstes Bundesligaspiel hat er gegen Bayern München gemacht – wir haben 4:0 gewonnen! Mit 1,82 Meter war er für einen Torwart nicht allzu groß, aber sein Spiel war komplett. Vor allem war er ein mitspielender Torwart, was für damalige Verhältnisse außergewöhnlich war. Als Typ war Jörg nicht immer ganz einfach, aber klar in seinen Aussagen und in seinem Verhalten, das habe ich an ihm gemocht.

Gerd Zewe // Libero // Fortuna Düsseldorf

Als ich in Düsseldorf zu den Profis kam, war Gerd der Star der Mannschaft und wurde von den anderen im Team “Chef” genannt. Auch in dieser Traumelf wäre er der Kapitän. Er war ein super Fußballer und wurde damals nicht von ungefähr sportlich als Nachfolger von Franz Beckenbauer gehandelt. Ihn konnte man immer anspielen. Und wenn er den Ball hatte, kam dabei auch etwas Gescheites heraus.

Damals, in den 1980ern, gab es in den Teams noch ganz klare Hierarchien. Die Platzhirsche haben es den Jüngeren nicht leicht gemacht. Aber Gerd konnte mich von Anfang an gut leiden und hat es mir damit einfach gemacht, in der Mannschaft Fuß zu fassen.

Daniel Scheinhardt // Innenverteidiger // Hertha BSC

„Scheini“ habe ich während meiner zwei Jahre bei Hertha BSC kennengelernt und bin noch heute mit ihm befreundet. Auf dem Platz war er ein Kämpfer vor dem Herrn und ein Innenverteidiger, wie man ihn sich früher vorgestellt hat: hart im Spiel gegen den Mann, mit viel Gegrätsche und 100 Prozent Einsatz. Später hat Daniel noch auf St. Pauli gespielt, wo er mit seiner Spielweise perfekt hin gepasst hat und dort als Mannschaftskapitän in die 1. Liga aufgestiegen ist.

Uwe Stöver // Innenverteidiger // Mainz 05

Wie Daniel ist auch Uwe noch heute ein guter Freund von mir. Die zwei bilden in der Abwehr meiner Traumelf ein beinhartes Duo. Auf beide konnte ich mich zu 100 Prozent verlassen. Uwes Spielweise war unorthodox. Seine Stärke war weniger das fußballerische Element, sondern sein unbändiger Kampfgeist. Deswegen war es ihm auch vollkommen egal, ob er auf der linken oder rechte Seite spielen musste. Hauptsache er hatte einen Gegenspieler, den er bearbeiten konnte.

Jorginho // Rechter Außenverteidiger // Bayer Leverkusen

Bei Auswärtsspielen in meinem Jahr bei Bayer Leverkusen habe ich mir mit Jorginho das Zimmer geteilt. Es war beeindruckend, wie schnell er deutsch gelernt hat. Er ist ein herausragender Fußballer und ein sensationeller Mensch. Bescheiden, höflich, hilfsbereit und zielstrebig. Ich habe mich sehr für ihn gefreut, als er 1994 als Kapitän mit Brasilien Weltmeister wurde.

Die Position auf der rechten Seite war wie für ihn gemacht. Und das wusste er auch. Jorginho sagte mal zu mir, dass er nirgendwo anders spielen möchte, weil er da immer nur zu einer Seite gucken braucht. Er konnte sich und seine Fähigkeiten genau einschätzen. Das fehlt heute vielen Profis, die sich schon nach ein paar Bundesligaspielen für eine große Nummer halten.

Niko Kovac // Defensives Mittelfeld // Hertha BSC

Als wir Anfang der 1990er zusammen bei der Hertha in der 2. Liga gespielt haben, war Nico grade mal 20 Jahre alt. Es war schnell klar, dass dies für ihn keine Endstation ist, sondern er noch viel mehr erreichen kann. Auf dem Platz war Niko permanent unterwegs, hat keine Zweikämpfe gescheut und hat das Spiel angetrieben. Er war auch charakterlich ein super Typ, wie ihn jeder gerne in der Mannschaft hat. Ich bin nicht überrascht, dass er seinen Weg als Trainer geht und schon einige Erfolge vorweisen kann.

Lars Schmidt // Defensives Mittelfeld // Mainz 05

Lars war eine Zweikampfmaschine, der keinem Pressschlag aus dem Weg gegangen ist. Gegen ihn zu spielen war kein Vergnügen. Er kam 1995 vom KSC zu uns und ist vom ersten Tag an vorneweg gegangen, so dass es logisch war, dass er unser Kapitän wurde.
In einer Zweitligasaison waren wir nach der Hinrunde tief im Tabellenkeller. Neben unserem neuen Trainer Wolfgang Frank hatte Lars mit seiner vorbildlichen Einstellung einen großen Anteil daran, dass wir in der Rückrunde eine Aufholjagd hingelegt haben und fast nicht mehr zu schlagen waren. Obwohl wir im Prinzip die exakt gleiche Mannschaft wie in der schwachen Hinrunde hatten, haben wir in dem folgenden Kalenderjahr nur drei Spiele verloren.

Petr Rada // Linker Außenverteidiger // Fortuna Düsseldorf

Als ich in Düsseldorf in der zweiten Liga mit 35 Toren Torschützenkönig geworden bin, war Petr mein kongenialer Vorlagengeber. Wir haben uns blind verstanden. Für einen Spieler auf der Außenbahn war er zwar relativ langsam, aber er war ein super Fußballer mit einem sensationellen linken Fuß. Auch als Typ hat Petr der Mannschaft gut getan. Er war ein Schlitzohr und hatte immer einen guten Spruch auf den Lippen. Später wurde er Nationaltrainer von Tschechien.

Mario Basler // Offensives Mittelfeld // Hertha BSC

Marios Karriere war schon fast zu Ende, noch bevor sie richtig begonnen hatte. Bei Rot-Weiß Essen und in Kaiserslautern wurde er bereits aussortiert. Obwohl seine sportlichen Qualitäten nicht zu übersehen waren, war er auch in Berlin in der 2. Liga schon fast durchgefallen. Er hatte einfach viel Blödsinn im Kopf und war nicht mit dem nötigen Ernst bei der Sache. Sein Glück war der Trainerwechsel von Bernd Stange zu Günter Sebert. Das war die Kehrtwende für seine Karriere. Im Gegensatz zu Stange war Sebert knallhart. Er hat ihm klar gemacht, dass es seine letzte Chance war, um den Durchbruch zu schaffen. Das hat bei Mario Wirkung gezeigt.

Mario hatte einen begnadeten rechten Fuß und konnte ein Spiel alleine entscheiden. Mit ihm in Top-Form waren wir kaum zu besiegen. Wenn er seine Leistung gebracht hat, waren die anderen auch bereit, für ihn die defensive Drecksarbeit zu übernehmen. Ein Highlight war das traditionelle Hallenturnier in der Winterpause in Berlin, das damals noch einen hohen Stellenwert hatte. Mario hat dort groß aufgetrumpft und wir haben das Finale als Zweitligist gegen Werder gewonnen. Kurz darauf hat Otto Rehhagel ihn nach Bremen geholt, wo er schließlich zum Bundesliga-Star und Nationalspieler wurde.

Blaise Nkufo // Sturm // Mainz 05

Blaise war ein netter, zurückhaltender, intelligenter Teamkollege, der mehr deutsche als afrikanische Tugenden an den Tag gelegt hat. In Mainz hat er eine Saison gebraucht, bis er angekommen ist, doch dann hat er gezündet und regelmäßig getroffen. Auf dem Platz war er eine Maschine und ständig unterwegs, und so für die Gegenspieler schwer zu fassen. Seine beste Zeit hatte er in der Eredivisie. Bei Twente Enschede ist er bis heute mit über 120 Treffern unangefochtener Rekordtorschütze des Vereins.

Sven Demandt // Sturm

Diese Mannschaft ist voller Spieler, mit denen ich früher gerne zusammengespielt habe und die ich als Typen sehr mag. Von daher möchte ich selbst Teil dieser Traumelf sein und stelle mich selbst auf. Blaise und ich müssten allerdings auf dem Platz viel nach hinten arbeiten und die Löcher stopfen, die Mario Basler auf der 10er Position hinterlässt. (lacht)

Wegen meiner Präsenz im Strafraum und meiner Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor habe ich in Mainz den Spitznamen „Kühlschrank“ verpasst bekommen. Auch in hektischen Situationen bin ich vor dem Tor cool geblieben. Die meisten Tore habe ich mit meinem linken Fuß gemacht, mit dem ich je nach Situation hart schießen oder gefühlvoll abschließen konnte. Zudem war ich trotz meiner großen Übersetzung recht schnell, hatte ich ein gutes Spielverständnis und konnte ganz ordentlich mit dem Ball umgehen.

Karriere-Insights

Mein Weg zum Profi

Ich hatte nie geplant, Profi zu werden. Bis zur A-Jugend habe ich beim TuS Höhenhaus gespielt. Obwohl wir nur ein kleiner Verein waren, hatten wir einen starken Jahrgang. Gegen die Jugendmannschaften vom 1. FC Köln und Bayer Leverkusen konnten wir gut mithalten und sind regelmäßig auf dem 3. Platz gelandet. Ab und an hat sich der damalige Fortuna-Trainer Spiele von uns angeschaut und mich daraufhin nach Düsseldorf zur 2. Mannschaft geholt.

Mein bester Trainer

Wolfgang Frank war der beste Trainer, mit dem ich zusammengearbeitet habe. Als er im September 1995 zu uns nach Mainz kam, steckten wir in der 2. Bundesliga im Tabellenkeller fest. Aufgrund der überschaubaren sportlichen Qualität in unserem Kader war das eigentlich auch keine große Überraschung. Doch unter seiner Führung haben wir eine furiose Aufholjagd gestartet und wären am Ende der Saison fast noch in die 1. Liga aufgestiegen. Erfolg ist nicht planbar, doch er hat uns Dinge an die Hand geben, die die Wahrscheinlichkeit auf Erfolg erhöht haben. Es ging Wolfgang allerdings weniger darum, einzelne Spieler besser zu machen. Stattdessen war er darauf bedacht, unserer Mannschaft Möglichkeiten aufzuzeigen, wie wir Gegner schlagen können, die eigentlich besser waren als wir. Vor allem im Spiel gegen den Ball wusste jeder, was er zu tun hatte.

Dass aus unserer damaligen Mainzer Mannschaft so viele Spieler wie Jürgen Klopp, Christian Hock, Jürgen Kramny, Uwe Stöver, Thorsten Lieberknecht, Dimo Woche, Sandro Schwarz und mir selbst Trainer wurden, ist sicherlich kein Zufall. Wolfgang hatte einen außergewöhnlichen Blick auf den Fußball und hat uns dadurch viel mitgegeben. Er hatte eine spezielle und fordernde Art, mit der sicherlich nicht jede Mannschaft klar kam. Für seine Philosophie brauchte er eine schlaue Mannschaft, die sich auf ihn und seine hohen Ansprüche eingelassen hat. Das war bei uns der Fall.

Ein wichtiger Grund für unseren gemeinsamen Erfolg war, dass wir deutlich mehr trainiert haben als andere. Einmal hat Wolfgang ein 14-tägiges Trainingslager in der Winterpause kurzerhand um zehn Tage verlängert! Kurzfristig ging das jedoch nach hinten los: Nach 24 Tagen im Trainingslager waren wir körperlich und mental total platt, so dass wir zum Start der Rückrunde die ersten beiden Spiele verloren haben. Und was macht Wolfgang daraufhin? Er tritt einfach zurück! So hat dann sein Nachfolger Reinhard Saftig die Früchte seiner Arbeit geerntet. Wir haben Saftig überzeugen können, dass er im Prinzip nichts ändert, sondern uns so spielen lässt, wie wir es bereits unter Wolfgang getan haben. Und damit waren wir dann auch erfolgreich. Den Sprung in die 1. Liga haben wir in der Saison erst am letzten Spieltag durch eine bittere 4:5-Niederlage im „Aufstiegsduell“ beim VfL Wolfsburg verpasst. Das Spiel war übrigens die Geburtsstunde von Roy Präger. Bis zu dem Tag war er ein Chancentod, aber in der Partie hat er zwei Tore gemacht und zwei Elfmeter rausgeholt. Roy und ich scherzen heute noch darüber, dass er seine Karriere seinem damaligen Gegenspieler Steffen Herzberger zu verdanken hat, der in dem Spiel einen rabenschwarzen Tag hatte.

Mein unangenehmster Gegenspieler

Früher konnten sich die Abwehrspieler viel mehr erlauben als heute, weil das Spielfeld nicht bis in den letzten Winkel kameraüberwacht war, schon gar nicht in der 2. Liga. Am härtesten war es gegen Neale Marmon vom VfL Osnabrück. Der Typ war ein Tier, gut zwei Meter groß. Auf dem Platz klebte er an seinem Gegenspieler und rief ständig “I kill you, I kill you” – und so wie er gegrätscht hat, schien er das ziemlich ernst zu meinen. Er hat es wie kein Zweiter verstanden, die Stürmer einzuschüchtern. Bei Flutlichtspielen wirkte er durch seine dann schweißnasse, leuchtende Glatze sogar noch bedrohlicher. Kein Wunder, dass er nach Heimspielen im VfL-Stadion an der Bremer Brücke unter Flutlicht im Kicker regelmäßig in der ”Elf des Tages” stand.

Meine kuriosesten Transfergespräche

Nachdem ich in der 2. Liga in der Saison 1988/89 für Düsseldorf in 38 Spielen 35 Tore gemacht habe, hatte ich von 18 Erstligisten 14 Angebote! Ich bin dann zu Bayer Leverkusen gegangen, weil ich dadurch weiterhin zu Hause wohnen konnte und weil es damals wie heue ein toller und gut geführter Verein war. Wenn ich ehrlich bin, wäre ich aber am liebsten zu Werder Bremen oder zum 1. FC Köln gewechselt. Allerdings hatte ich bei den Gesprächen mit den Trainern nicht den Eindruck, dass die mich unbedingt haben wollen. Rehhagel hat mir zwei Stunden lang Geschichten erzählt und über Fußball philosophiert, aber mit keiner Silbe erwähnt, wie er mich sieht oder welche Rolle ich in der Mannschaft einnehmen soll.

Bei Christoph Daum war es so, dass er mir gleich zu Beginn des Gesprächs sagte, dass er auch noch Frank Ordenewitz verpflichten wird und es dadurch sein kann, dass ich auf der Bank sitze. Das kam für mich aber nicht infrage. Umso schöner, dass ich heute für die Traditionsmannschaft des 1. FC Köln spiele, obwohl es in meiner aktiven Karriere nie mit einem Wechsel zum Effzeh geklappt hat.

Meine Vereinstreue

Wenn ich mich irgendwo wohl gefühlt habe, musste ich nicht bei der nächstbesten Gelegenheit wechseln. Früher gab es insgesamt mehr Vereinstreue und eine stärkere Identifikation mit den Vereinen. Abgesehen von dem kurzen Abstecher nach Leverkusen war es bei mir in Düsseldorf und in Mainz auch der Fall, so dass dort ich jeweils acht Jahre gespielt habe. Ehrlicherweise muss man aber auch sagen, dass ein Wechsel damals deutlich schwieriger war, weil Spieler vor dem Bosmann-Urteil selbst dann noch eine Ablösesumme gekostet haben, wenn der Vertrag bereits ausgelaufen war.

Der Werdegang von Sven Demandt

Jahre Verein Spiele (Tore)
1984–1989 Fortuna Düsseldorf 182 (70)
1989-1990 Bayer Leverkusen 31 (6)
1990-1992 Fortuna Düsseldorf 39 (7)
1992–1994 Hertha BSC Berlin 64 (17)
1994–2001 FSV Mainz 05 179 (55)

Bildcredits: imago/Sämmer

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