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Andreas Buck ist nur einer von sieben Spielern, denen das Kunststück gelang, mit zwei Vereinen Deutscher Meister zu werden, ohne dass er bei Bayern oder Dortmund gespielt hat. Hier stellt er seine Traumelf aus seinen früheren Mitspielern beim VfB Stuttgart und dem 1. FC Kaiserslautern vor. Dabei erinnert er sich an die Coolness von Eike Immel, das Anti-Feierbeist Matthias Sammer und Mädchenschwarm Michael Ballack. Außerdem verrät er, welche besonderen Fähigkeiten seine Ex-Trainer Christoph Daum, Otto Rehhagel und Jürgen Klopp hatten.

Die Traumelf von Andreas Buck

Taktische Aufstellung


Andreas Buck über…

Eike Immel // Torwart // VfB Stuttgart

Eike konnte nichts aus der Ruhe bringen, selbst wenn er im Auswärtsspiel 60.000 Zuschauer gegen sich hatte oder er in einem entscheidenden Spiel in der 90. Minute gefordert war. Er blieb cool und strahlte damit Sicherheit aus. Fußballerisch war er eine Katastrophe. Mit seinen nicht vorhandenen technischen Fähigkeiten wäre es im modernen Fußball schwer für ihn, aber auf der Linie war er verdammt stark. Außerdem erinnere ich mich, wie er unseren Manager Dieter Hoeneß beim Würfeln durch sein Lachen zur Weißglut treiben konnte.

Miroslav Kadlec // Innenverteidiger // 1. FC Kaiserslautern

Egal ob Miro als Libero im Spiel von zwei Stürmern attackiert wurde oder nach der Partie mit einem Kaltgetränk im Entmüdungsbecken saß, sein Puls ging gefühlt nie höher als 120. Er ruhte einfach in sich. Selbst wenn er den Ball in höchster Bedrängnis bekam, hat er die Situation cool und souverän gelöst. Sensationell waren auch seine Freistöße. Als Typ war Miro recht schweigsam, doch wenn er den Mund aufgemacht hat, kam da meist etwas Lustiges raus.

Michael Schjønberg // Innenverteidiger // 1. FC Kaiserslautern

In unserer Meistersaison war Michael unser „Aggressive Leader“. Mit seinen langen Beinen hat er seinen Gegenspielern Bälle abgeluchst, die niemand anderes hätte erreichen können. Er war ein Mentalitätsmonster mit einer unbändigen Siegermentalität. Nach Niederlagen war Michael ziemlich angepisst, selbst wenn es nur ein Trainingsspiel war. Vor dem Training haben wir uns oft im Basketball duelliert. Wenn ich ihn dabei besiegt habe, was hin und wieder vorkam, müsste ich mich später im Training besonders vor seinen Grätschen in Acht nehmen.

Günter Schäfer // Innenverteidiger // VfB Stuttgart

Mit seinen 1,75 Meter und 72 Kilo sah Günter auf den ersten Blick nicht sonderlich furchteinflößend aus, aber im Spiel war er knallhart. Er wollte jeden Zweikampf auf Teufel komm raus gewinnen und hat dementsprechend weder sich noch seine Gegenspieler geschont. Selbst im Training und in Freundschaftsspielen ist er voll zu Werke gegangen.

Als es nach seiner Karriere bei einem Benefizspiel mal ein Eishockey-Profi gewagt hat, Günter zu tunneln, hat er ihn bei nächster Gelegenheit dermaßen über die Bande geklatscht, dass das schon beim Zuschauen weh tat. Außerhalb des grünen Rasens ist Günter aber ein absolut sympathischer Mensch, der immer auf dem Boden geblieben ist und das Herz am rechten Fleck hat.

Michael Ballack // Defensives Mittelfeld // 1. FC Kaiserslautern

Michael und ich kamen 1997 gleichzeitig zum FCK und als Neulinge haben wir uns bei Auswärtsspielen das Zimmer geteilt. Er war damals 20 Jahre alt und absoluter Mädchenschwarm.

Er war ein Megatalent und hat in jedem Training gezeigt, was für ein großartiger Fußballer er war: beidfüßig, zweikampfstark, kopfballstark und torgefährlich. Sein einziges Manko war die fehlende Schnelligkeit, aber im Zentrum musste er die auch nicht haben. Er hatte nur das Pech, dass er in eine funktionierende Mannschaft kam. Weil wir so erfolgreich waren, gab es für Trainer Otto Rehhagel keinen Grund, seine Stammelf zu wechseln, sodass Michael sich erst hinten anstellen musste. Aber weil er die Qualität und die Mentalität hatte, war es nur eine Frage der Zeit, bis er sich durchgesetzt hat.

Matthias Sammer // Linkes Mittelfeld // VfB Stuttgart

Matthias kam 1990 kurz nach dem Mauerfall zum VfB. Er brachte höchste Qualität und eine außergewöhnliche Mentalität mit nach Stuttgart. Als Spieler war er ein Leitwolf und ein absoluter Winner-Typ. In meiner Traumelf würde er die Kapitänsbinde tragen.

Mit seiner Dynamik und seinem Spielverständnis konnte er in engen Spielen den Unterschied ausmachen. Als wir 1992 die Meisterschaft gewonnen haben, war Matthias der mit Abstand beste Spieler in unserer Mannschaft und vielleicht auch in ganz Deutschland. Allerdings war er alles andere als ein Feierbiest, sondern extrem introvertiert. Unsere Meisterfeier hat er schon um 21:00 Uhr verlassen, weil er den Erfolg lieber mit sich ausmachen wollte.

Ratinho // Rechtes Mittelfeld // 1. FC Kaiserslautern

Ratinho war im Meisterjahr 1998 mein kongenialer Partner auf der rechten Seite. Ein Blickkontakt zwischen und beiden hat genügt, um zu wissen, was der andere gleich macht. Keiner verstand es so gut wie er, mir die Bälle erst im letzten Moment in die Gasse zu legen, wenn die Gegenspieler schon gar nicht mehr mit dem Pass gerechnet haben. Das “Mäuschen”, wie Rehhagel ihn genannt hat, war ein absoluter Spaßvogel, mit dem man sensationell feiern konnte. Er hat so viel Lebensfreude ausgestrahlt, dass es teilweise schwer war, ihn überhaupt ernst zu nehmen.

Krassimir Balakow // Offensives Mittelfeld // VfB Stuttgart

Balakow ist einer der letzten großen Spielmacher in der Bundesliga gewesen. Er hat nicht für die Galerie gespielt und trotzdem war es ein Hochgenuss, ihn spielen zu sehen, denn er war sowohl effektiv als auch elegant. Faszinierend fand ich auch, wie er sich mit einer einzigen unnachahmlichen Drehung von seinen Gegenspielern lösen konnte. Im Spiel war er permanent unterwegs und hat sich unermüdlich als Anspielstation angeboten. Mit seinem genialen linken Fuß hat er unzählige Traumpässe gespielt und Traumtore geschossen. Ich kann mich jedoch nicht erinnern, dass Krassimir jemals mit rechts geschossen hat.

Giovane Elber // Linksaußen // VfB Stuttgart

Giovane ist der beste Spieler, mit dem ich je gespielt habe. Als er zu uns kam, war unserer Mannschaft sofort klar, was für eine Granate der Verein mit ihm verpflichtet hatte. Er hatte keine Schwächen, sondern nur Stärken! Nur im Sprinttraining stach er nicht besonders hervor, doch sobald er den Ball am Fuß hatte, ging er ab wie eine Rakete und war schneller als ohne Ball! Außerdem strahlte er Lebensfreude ohne Ende aus. Ein Gewinn – auch menschlich – für jedes Team dieser Welt.

Leider hat er sich direkt in seinem ersten Punktspiel für uns einen Knöchelbruch zugezogen und ist lange ausgefallen. Doch Giovane kam genauso stark zurück und wurde noch besser. Die Mischung aus unfassbar viel Talent und einer Leichtigkeit im Spiel sowie seine deutschen Tugenden wie Pünktlichkeit und Disziplin, nicht selbstverständlich für einen Brasilianer, war unschlagbar.

Youri Djorkaeff // Rechtsaußen // 1. FC Kaiserslautern

Der Spitzname von Youri war “Snake”, die Schlange, weil bei ihm alle Bewegungen fließend waren. Er war ein Schlitzohr, das in Eins-gegen-Eins-Situationen an seinen Gegenspielern vorbeigegangen ist, als wären es Slalomstangen. Er hat in den Momenten immer abgewartet, bis der Gegenspieler sein Gewicht auf eine Seite verlagert hat, um dann blitzschnell auf der anderen Seite vorbeizugehen. Außerdem war er eiskalt vor dem Tor. Er war ein Spieler der Kategorie, der aus dem Nichts entscheidende Dinge vollbringen konnte. Trotz einiger anderslautender Meinungen habe ich ihn als absoluten Profi erlebt. Ich mochte auch seinen französischen Humor!

Olaf Marschall // Mittelstürmer // 1. FC Kaiserslautern

Olaf war der beste reine Strafraumstürmer, der mir in meiner Karriere begegnet ist. Seine Cleverness im Abschluss war der Wahnsinn. Seine Spezialität war der angedeutete Schuss im Strafraum, den der Abwehrspieler mit einem Ausfallschritt blocken wollte. Anschließend hat er ihm den einfach durch die Beine ins kurze Eck geschossen. Ich bin mir sicher, dass er bei einer Mannschaft wie Bayern München, die in jedem Spiel viele Strafraumsituationen hat, pro Saison 20 bis 30 Tore schießen würde. Bei Tempofußball-Mannschaften wie RB Leipzig und Borussia Dortmund würde er aufgrund seiner überschaubaren Schnelligkeit Probleme haben, zumal er außerhalb des Strafraums nicht wirklich zu gebrauchen war. (lacht)

Meine Ersatzbank

Andreas Reinke // Torwart

Andy hat im Tor eine Bierruhe ausgestrahlt und hatte für einen Keeper außergewöhnlich gute fußballerische Fähigkeiten. Beim FCK ist er in einigen Freundschaftsspielen schon mal als Stürmer aufgelaufen und hat seine Sache vorne sehr ordentlich gemacht. Und wie ich ist er einer von nur sieben Spielern, die mit zwei Mannschaften Deutscher Meister wurden, ohne dass dabei Titel mit Bayern oder Dortmund dabei waren.

Frank Verlaat // Abwehr

Frank ist ein toller Mensch und war auf dem Platz eine absolute Leader-Figur. Bevor ich 1997 vom VfB zum FCK gewechselt bin, wollte Frank den Transfer mit aller Macht verhindern und sprach deswegen sogar bei unserem damaligen Präsidenten Gerhard Meyer-Vorfelder vor. Somit hätte Frank fast meine Meisterschaft 1998 mit Lautern verhindert. Glücklicherweise ließ “MV” nicht mit sich reden und erteilte mir trotzdem die Freigabe.

Thomas Strunz // Mittelfeld

Wie Ratinho beim FCK war Thomas zu Stuttgarter Zeiten mein kongenialer Partner auf der rechten Seite. Wir haben uns blind verstanden. Er hatte das perfekte Gespür, wann er welchen Ball spielen musste. Als die Bayern beim VfB wegen uns beiden anklopfte, erhielt nur einer von uns eine Freigabe. Sie entschieden sich für Thomas, vielleicht hieße es sonst: »Was erlaube Buck…!?« (lacht)

Karl Allgöwer // Mittelfeld

Karl war eines der Idole meiner Jugend - und dann war er plötzlich mein Mitspieler, mit dem ich sogar eine Fahrgemeinschaft gebildet habe, weil wir in Nachbarorten wohnten. Weil er ein recht schweigsamer Typ und ich damals noch sehr schüchtern war, haben wir in den ersten Monaten maximal zehn Sätze gewechselt. Später hat er mir aber wertvolle Tipps für meine weitere Karriere gegeben. Sein Spitzname war „Knallgöwer“ – und dies zurecht. Er hatte die beste Schusstechnik, die ich je gesehen habe. Er traf jeden Ball perfekt!

Miroslav Klose // Sturm

Dass Miro in meiner Traumelf nur auf der Bank sitzt, spricht für die Klasse der anderen. Zu unserer gemeinsamen Zeit in Lautern stand er noch ganz am Anfang seiner Karriere und war noch nicht der Weltklassestürmer, zu dem er sich spätestens in Bremen entwickelt hat. Miro war ein feiner, ruhiger Kerl, der nicht viel geredet hat. Dafür hat er im Spiel umso mehr Gas gegeben. Sensationell war sein Kopfballspiel. Mit seiner Sprungkraft und seinem perfektem Timing war er in der Luft kaum zu verteidigen.

Karriere-Insights von Andreas Buck

Video: Highlights von Andreas Buck

Mein bester Trainer

Ich habe unter anderem mit Otto Rehhagel und Christoph Daum zusammengearbeitet, aber der beste Trainer war für mich Jürgen Klopp, unter dem ich zum Ende meiner Karriere noch ein Jahr beim FSV Mainz gespielt habe. Sowohl vom Fachlichen, als auch von seinen Ansprachen her, war Kloppo eine glatte Eins. Was er uns vor den Spielen taktisch mit auf den Weg gegeben hat, war fantastisch. Dass er solch eine steile Trainerkarriere hinlegen würde, habe ich damals noch nicht geahnt, aber rückblickend überraschen mich seine großen Erfolge mit Mainz, Dortmund und Liverpool kein Stück!

Christoph Daum war ein echter Motivationskünstler. Er hat uns vor den Spielen eingeimpft, dass heute nur eine Mannschaft als Sieger vom Platz gehen kann – und zwar wir! Wenn wir auf den Platz gegangen sind, haben wir gebrannt! Nur zum Schluss seiner drei Jahre beim VfB hatte sich seine Art etwas abgenutzt, denn wenn man immer über 100 Prozent gibt, ist man irgendwann leer. Das betraf damals sowohl uns Spieler als auch Daum selbst.

Die große Stärke von Otto Rehhagel war sein fast untrügliches Gespür für Neuverpflichtungen. Er schien genau zu wissen, welche neuen Spieler in seiner Mannschaft funktionieren werden. Außerdem war seine familiäre Art beeindruckend. Sein Leitsatz gegenüber uns Spielern war immer: »Als Mensch sind Sie mir heilig!«

Mein Weg zum Profi

Weil ich beim Abitur die 100 Meter in 10,8 Sekunden gelaufen bin und ich beim Weitsprung ohne Training über sieben Meter weit kam, wollte mein Sportlehrer mich zum Leichtathleten machen. Aber das wäre mir zu langweilig geworden, denn ich war eher der Mannschaftsport-Typ. Und im Fußball war ich schließlich auch nicht so schlecht. Trotzdem hatte ich nicht auf dem Zettel nur kurze Zeit später Profi zu sein. Mit 20 Jahren habe ich beim VfL Kirchheim in der 3. Liga gekickt und die Profis waren für mich Götter!

Die Tür zum Profifußball hat sich für mich 1988 durch ein Länderpokal-Turnier aufgetan, bei dem ich mit der Baden-Württemberg-Auswahl gegen die Auswahl der anderen Bundesländer angetreten bin. Wir haben vor den Augen unzähliger Bundesliga-Scouts das Turnier gewonnen. Anschließend hat Trainer Jörg Berger mich zum SC Freiburg in die 2. Liga geholt. Nach meinem ersten Pflichtspiel war ich total happy. Das konnte mir keiner mehr nehmen! Ich hätte damals nie gedacht, dass noch so viele weitere Spiele und sogar Titel dazukommen würden.

Mit 20 hatte ich noch nicht die Ellenbogen für das Profigeschäft, daher war Freiburg das perfekte Pflaster für mich. Hier konnte ich mich ohne Druck in Ruhe entwickeln. Wäre ich direkt zum VfB Stuttgart gewechselt, wäre ich dort zwischen den ganzen Platzhirschen untergegangen.

Erst zwei Jahre später bin ich mit 70 Zweitligaspielen im Gepäck zum VfB gegangen, wo Willi Entenmann Trainer war. Im Training wurde ich als Neuling von den Etablierten permanent umgetreten. Dadurch hatte ich zwei Bänderrisse, bevor ich überhaupt mein erstes Bundesligaspiel für Stuttgart gemacht habe! Als ich wieder genesen war, saß ich mit Karl Allgöwer auf dem Weg zum Training im Auto und habe ihn gefragt, was ich machen muss, um endlich eine Chance zu bekommen. Sein Rat war eindeutig: »Fang an, dich zu wehren, sonst gehst du hier unter.« Zurück im Mannschaftstraining habe ich Maurizio Gaudino voll rasiert. Nach dem Tipp von Karl war Mauri einfach zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort. Entenmann hat mich zur Strafe unter die Dusche geschickt, doch als die Mannschaft nach Trainingsende in die Kabine kam, haben die Etablierten mich angeschaut und anerkennend zugenickt. Damals waren die Sitten anders als heute, es ging es nur übers Wehren und Aushalten.

Als dann Daum Ende 1990 Trainer wurde, hat er mich von Beginn an spielen lassen und da ging meine Karriere dann so richtig los.

Meine Titelgewinne mit dem VfB

Am letzten Spieltag der Saison 1992 lagen wir punktgleich mit Spitzenreiter Eintracht Frankfurt auf Platz 2 und gingen ohne große Hoffnung ins Spiel, weil die Frankfurter in der Saison den besten Fußball gespielt haben, das deutlich bessere Torverhältnis und den einfacheren Gegner hatten. In unserem Spiel gegen Bayer Leverkusen stand es bis zur 80. Minute nur 1:1, als auch noch Matthias Sammer mit Rot vom Platz flog. Doch dann köpfte Guide Buchwald das 2:1 und Frankfurt verlor überraschend gegen Hansa Rostock. Weil es bis dahin in meiner Karriere immer nur bergauf ging, bin ich in meinem jugendlichen Leichtsinn davon ausgegangen, dass noch ein paar Meisterschaften dazukommen würden.

Mein nächster Titel ließ aber fünf Jahre auf sich warten. Wir standen 1997 mit dem VfB im DFB-Pokalfinale gegen Energie Cottbus. Es sollte mein letztes Spiel für Stuttgart werden, da mein Wechsel zum FCK bereits feststand. Ich fand es sehr schade von Trainer Jogi Löw, dass er mich 90 Minuten auf der Bank hat schmoren lassen und kurz vor Schluss lieber noch zwei Amateure eingewechselt hat, als mir die Chance zu geben, mich nach weit über 150 Spielen vom Verein und den Fans zu verabschieden.

Meine sensationelle Meisterschaft mit dem 1. FC Kaiserslautern

Nach sieben Jahren Stuttgart stand für mich fest, etwas Neues machen zu wollen. Mit Werder Bremen war ich mir im Prinzip schon einig, doch dann hat Manager Willi Lemke mir ein kompliziertes und dudendickes Vertragswerk mit allerhand Klauseln und wenn-dann-Abmachungen vorgelegt, dass ich keinen Überblick hatte, was ich überhaupt verdienen würde! Dann hat Otto Rehhagel angerufen und mir den Wechsel nach Kaiserslautern schmackhaft gemacht. Mit Sätzen wie »Du bist genau der Spieler, den wir noch brauchen, wir werden die Liga aufreißen«, hat er mich schnell überzeugt. Ich war Feuer und Flamme, zumal ich schon als Gast immer gerne auf dem Betzenberg gespielt habe.

Mir war klar, dass der FCK kein normaler Aufsteiger war und mit dem Abstieg nichts zu tun haben würde. Ich hatte mir einer Platzierung im oberen Mittelfeld erhofft, doch ab dem 3. Spieltag standen wir auf Platz 1 und haben ihn nicht mehr hergegeben. Erst im Laufe der Rückrunde wurde uns so richtig bewusst, was für eine einmalige Chance sich uns bietet, als Aufsteiger Meister zu werden. Dafür waren wir bereit, alles zu geben! In jedem Training war Feuer drin. Wir hatten eine Top-Mentalität, wenn wir in Führung lagen, waren wir kaum zu schlagen! Als wir den Titelgewinn am 33. Spieltag zu Hause klargemacht haben, haben wir mit den Fans gefeiert und die Stadt eingerissen. Die Feier hat alles in den Schatten gestellt, was ich beim VfB nach der Meisterschaft erlebt habe.

Video: Die Meisterschaft vom FCK 1998

Meine Karriere nach der Karriere

Schon vor meinem Wechsel nach Mainz war klar, dass ich nach meinem Karriereende die große Versicherungsagentur meines Onkels übernehmen würde. Daher habe ich noch während meiner aktiven Laufbahn die nötige Ausbildung zum Versicherungskaufmann absolviert. 2019 kam ich dann auch die wahnsinnige Idee, als Funktionär zum FCK zurückzukehren. Dieser großartige Verein liegt seit Jahren am Boden und ich wollte ihm mit meinen Ideen und auf meine Art und Weise ehrenamtlich wieder auf die Beine helfen. Aber in Vereinen ist es oft wie in der Politik: Man kämpft gegen Windmühlen.

Neben der Versicherungsagentur leite ich heute unter anderem gemeinsam mit Urs Meier die Agentur SportCare und berate aktive und ehemalige Sportler in Versicherungsfragen und bei der Abwicklung der Ansprüche gegen die Berufsgenossenschaft.

Meine Biographie

Mich stört schon seit Langem, wie Fußballprofis in der Öffentlichkeit ziemlich einseitig dargestellt werden. Jeder sieht nur deren Erfolg, die Popularität und das viele Geld. Die andere Seite der Medaille ist aber weit weniger glänzend: Die Spieler stehen unter permanenter Beobachtung, werden beschimpft, beleidigt und haben einen riesigen Erfolgsdruck. Niemand weiß, wie es eigentlich in den Köpfen aussieht. So sehr ein Außenstehender den Fußball auch liebt, kann er leider niemals zu 100 Prozent nachempfinden, wie es ist, ein Profi-Fußballer zu sein. Das Buch wechselt immer zwischen autobiographischen Momenten, die so erzählt werden, als ob man direkt dabei wäre, und kritischer Betrachtung des aktuellen Fußball-Business.

Mit meiner Biographie »Turbo: Mein Wettlauf mit dem Fußballgeschäft« möchte ich anhand meiner Geschichte das Dasein als Profi aus Sicht eines Spielers schildern. Das Buch nimmt die Leser mit in die Gedankenwelt eines Spielers. Zumindest Urs Meier hat es gefallen. Er fand es »sensationell« und meinte nur: »Ein faszinierender Blick in die Seele eines Profisportlers. Wer den Fußball von heute verstehen will, sollte unbedingt dieses Buch lesen.«

Werdegang von Andreas Buck

JahreVereinSpiele (Tore)
1988-1990SC Freiburg65 (0)
1990-1997VfB Stuttgart165 (10)
1997-20021. FC Kaiserslautern103 (5)
2002-2003FSV Mainz 0511 (2)
Andreas Buck
Turbo
Mein Wettlauf mit dem Fußballgeschäft
Johannes Ehrmann

Die Traumelf weiterer Fußball-Legenden