Rainer Zobel

Rainer Zobel

Rainer Zobel hat die große Zeit der Bayern in den 1970er Jahren als Stammspieler mitgeprägt und dabei dreimal hintereinander den Europapokal der Landesmeister gewonnen. Für „Meine Traumelf“ stellt er seine Top-11 aus seinen ehemaligen Mitspielern in München und bei Hannover 96 vor. Zudem spricht er über sein besonderes Verhältnis zu Trainer Udo Lattek.

Die Traumelf von Rainer Zobel

Taktische Aufstellung

Traumelf Rainer Zobel als Spieler

Sepp Maier // Torwart // Bayern München

Für mich war Sepp seinerzeit der beste Torwart der Welt. Er war einfach perfekt. Weil er sogar mit dem Ball am Fuß umgehen konnte, hat er in Freundschaftsspielen manchmal Mittelstürmer gespielt. Zu seiner größten Stärke zählte die Strafraumbeherrschung. Die Flanken hat er zuverlässig herunter gepflückt, so dass unsere Abwehrspieler teilweise gar nicht mehr zum Kopfball hoch gestiegen sind, sondern sich schon frei gelaufen haben, als der Ball noch in der Luft war.

Seine große Klasse beruhte dabei nicht nur auf Talent. Sepp war auch ungemein ehrgeizig und diszipliniert, wollte unbedingt gewinnen. Außerhalb des Fußballplatzes war er ein großer Spaßvogel, der Karl Valentin im Team.

Franz Beckenbauer // Libero // Bayern München

Franz ist der beste Fußballer, mit dem ich jemals zusammengespielt habe. Er konnte alles, war ohne Schwächen. Ich erinnere mich nur, dass er mal innerhalb von drei Wochen zwei Eigentore gemacht hat. Aber Franz war ein lockerer Typ und stand sportlich sowieso über den Dingen, so dass er sich deswegen von uns noch nicht mal Sprüche anhören musste.

Ganz zu Beginn seiner Karriere hat er Stürmer gespielt, bevor er später den Libero quasi erfunden hat. Bei der WM 1966 in England musste er im zarten Alter von 20 Jahren jedoch erst noch die Drecksarbeit für die etablierten Stars wie Helmut Haller machen, so wie ich sie später in München für ihn gemacht habe (lacht). Natürlich wäre Franz in dieser Traumelf der Kapitän.

Paul Breitner // Linker Verteidiger // Bayern München

Paul, Uli Hoeneß, Johnny Hansen und ich sind gleichzeitig nach München gekommen. Er hat im ersten Jahr nicht sofort gespielt, hat sich bei uns aber schon bald zu einem Weltklassespieler entwickelt. In Zeiten von Berti Vogts, Dieter Höttges und Sepp Piontek hat er den modernen Verteidiger kreiert, der sich nicht nur auf seine Defensivaufgaben beschränkt hat, sondern sich auch ins Spiel nach vorne eingeschaltet hat. Für die Trainer war das am Anfang ungewohnt, aber sie haben schnell gemerkt, dass es Erfolg bringt. Und das war schließlich das Kriterium.

Paul hatte eine starke Meinung und galt als Rebell. Dieses Image hat er gepflegt. Ich erinnere mich, dass er auf seinem Nobelauto – einen Opel Bitter – einen großen Aufkleber von Che Guevara auf die Motorhaube hat machen lassen. Seiner besonderen öffentlichen Wirkung war er sich schon damals bewusst und ist es bis heute.

Georg Schwarzenbeck // Innenverteidiger // Bayern München

“Katsche”, das bayrische Urgestein, hatte einen Job als Abwehrspieler – und den hat er zu 100 Prozent erfüllt. Auf dem Platz ließ er sich durch nichts aus der Ruhe bringen und wusste immer, was er zu tun hatte und was nicht. Mit seiner Schnelligkeit und Härte hat er für unsere Künstler die Drecksarbeit gemacht und war sich dafür nicht zu schade, denn in dieser Rolle hat er der Mannschaft am besten geholfen. Darauf kam es ihm an. Dabei konnte er eigentlich viel mehr, hätte mit seinen Qualitäten locker auch im Mittelfeld spielen können. Wer ihn im Training gesehen hat, wäre überrascht gewesen, was für eine gute Technik er hatte. Nur durfte er das im Spiel nicht zeigen, weil er dann andere Aufgaben hatte.

Johnny Hansen // Rechter Verteidiger // Bayern München

Johnny hat genau wie ich von 1970 bis 1976 in München gespielt. Wie in der dänischen Nationalmannschaft war in bei den Bayern absoluter Stammspieler. Seine Bierruhe auf dem Platz war beeindruckend. Außerdem war er schnell, diszipliniert und im Spiel gegen den Gegner durch und durch konsequent. Stürmer wie Ente Lippens, George Volkert und wie sie alle hießen, haben nur ungern gegen ihn gespielt.

Ansonsten war Johnny ein angenehmer Zeitgenosse, ein eher ruhiger Vertreter. Das hat sich nur geändert, wenn er eine Flasche Aquavit vor sich hatte. In den Sommerpausen hat er mich ein paar Mal zu sich in die Heimat zur Mittsommernacht eingeladen, wo wir dann viel getrunken, gefeiert und gelacht haben.

Hans Siemensmeyer // Defensives Mittelfeld // Hannover 96

Hans mangelte es zwar etwas an Schnelligkeit, aber ansonsten hatte er alle Fähigkeiten, die ein Fußballer braucht: Zweikampfstärke, Kampfkraft, Technik und Spielverständnis. Dazu war er noch torgefährlich. In der ewigen Torschützenliste von Hannover 96 steht er mit 76 Treffern in fast 300 Spielen auf Platz 2 und hat auch in der Nationalmannschaft mal doppelt getroffen. Dem Verein und der Stadt ist er nach seiner aktiven Karriere verbunden geblieben. Unter anderem war er 2006 WM-Botschafter in Hannover.

Josip Skoblar // Linkes Mittelfeld // Hannover 96

Nach Franz Beckenbauer ist Josip der zweitbeste Spieler, mit dem ich gemeinsam auf dem Rasen stand. Er konnte mit dem Ball Dinge, bei denen ich mir die Beine verknotet hätte. Und er war eine Tormaschine. Nachdem er von Hannover zurück nach Frankreich zu Olympique Marseille gewechselt ist, wurde er dort dreimal hintereinander Torschützenkönig und hat in seinen ersten 100 Spielen genau 100 Tore erzielt!

Als ich mit 19 Jahren nach Hannover kam, wohnte Josip in meiner Nachbarschaft. Er war schon ein paar Jährchen älter als ich und hat mich regelmäßig in seinem DS 21 Pallas Citroén zum Training mitgenommen. Er mochte mich und hat mir immer wieder wertvolle Tipps gegeben, manchmal sogar alleine mit mir trainiert. Dadurch habe ich unglaublich viel von ihm gelernt. Unter anderem hat er mir gezeigt, wie er die Flanken serviert haben möchte, wie ich das Zusammenspiel mit meinem Hintermann Jupp Hellingrath verfeinern kann und wie man sich gegen die Treter wehrt – und zwar indem man rechtzeitig hochspringt und bei der Landung mit den Stollen auf der Hand des Gegenspielers landet (lacht).

Karl-Heinz Rummenigge // Rechtes Mittelfeld // Bayern München

Kalle kam 1974 mit 18 Jahren aus dem kleinen Lippstadt nach München und wusste erst nicht so recht, mit der Großstadt umzugehen. Er war am Anfang sehr schüchtern und hat eine Weile gebraucht, um sich in der Stadt und in der Mannschaft zurechtzufinden. Er war schnell, dribbelstark und torgefährlich und hat sich im Laufe der Jahre zu einem Führungsspieler entwickelt.

Kalles spätere Karriere als Funktionär hätte ich ihm damals nicht zugetraut. Umso bewundernswerter finde ich, wie er sich und den Verein entwickelt hat. Meine Hochachtung davor.

Uli Hoeneß // Offensives Mittelfeld // Bayern München

Uli war ein ganz anderer Typ als Kalle. Zwar hatte er als 18-Jähriger in der Mannschaft mit so großen Persönlichkeiten wie Franz Beckenbauer, Bulle Roth oder Sepp Maier noch nicht allzuviel zu melden, aber er war von Beginn an sehr selbstbewusst und direkt. Auch sein Geschäftssinn war damals schon sehr ausgeprägt. Obwohl er bei der WM 1974 ein Jungspund und sportlich noch nicht in der Nationalmannschaft etabliert war, hat er Paul Breiter und Udo Lattek dazu überredet, ein WM-Buch herauszubringen. So etwas war damals noch völlig unüblich, hat sich finanziell aber für ihn gelohnt.

Im Training war Uli nicht der fleißigste, aber auf dem Platz einer der schnellsten. Man konnte ihn mit langen Bällen auf die Reise schicken und dann hat er die Dinger vorne reingemacht.

Jupp Heynckes // Offensives Mittelfeld // Hannover 96

Jupp kam 1967 aus Gladbach nach Hannover und hatte sofort eine Führungsrolle inne. Er war im Team von allen akzeptiert und hoch anerkannt.

Auf dem Platz war er schnell, präsent, mannschaftsdienlich und konnte einen guten Ball spielen. Außerdem hatte er ein hohes Spielverständnis und einen großen Fußballsachverstand. Das ist ein wesentlicher Grund dafür, dass er später so ein erfolgreicher Trainer wurde.

Geld Müller // Mittelstürmer // Bayern München

Jeder Gegner hatte Angst vor Gerd. Zu Recht. Ob im Training oder im Spiel – er hat getroffen wie am Fließband. Selbst wenn er mit dem Rücken zum Tor stand, wusste er immer genau, wo das Tor steht. Er hat seine Tore mit links, mit rechts, mit dem Kopf und sogar mit dem Hintern gemacht. Seine Treffsicherheit beruhte dabei nicht allein auf seinem Talent, sondern er hat im Training viel dafür getan!

Für mich wurde Gerd in der Öffentlichkeit völlig zu unrecht als nicht sonderlich intelligent dargestellt. Er mag nicht die höchste Schulbildung genossen haben, aber er war vielseitig interessiert und wissensdurstig. Außerdem war er die Liebenswürdigkeit in Person. Ein toller Mensch!


Video: Rainer Zobel erinnert sich an das Europacap-Endspiel 1975 gegen Leeds United

Karriere-Insights

Mein bester Trainer

Ob in Gladbach, bei Bayern oder beim FC Barcelona, Udo Lattek hat überall Erfolg gehabt und war auch für mich der beste Trainer. Allerdings kann ich in dem Punkt nicht objektiv sein, weil ich ein besonderes Verhältnis zu ihm hatte. Er hat mich als jungen Burschen in die Jugendnationalmannschaft berufen, anschließend in der Olympiaauswahl trainiert und schließlich von Hannover nach München geholt, wo ich sechs Jahre lang fast durchgängig Stammspieler war.

Udo hatte ein gutes Gespür für die Mannschaft und die einzelnen Typen. Während er von vielen Spielern gefordert hat, viel zu laufen, zu kämpfen und Gras zu fressen, hat er bei Spielern wie Uli Hoeneß oder Franz Beckenbauer andere Dinge eingefordert, die besser zu ihnen passten. Da hat er differenziert.

Das Konditionstraining hat er übrigens geschickt auf seinen Co-Trainer abgewälzt. Udo kam dann später dazu und sagte: “Was macht der denn da für Sachen mit euch? Das würde ich ja nie machen!” Aber natürlich geschah das auf seine Anweisung hin. So war er der Gute (lacht).

Mein Weg zum Profi

Ich hatte das Glück, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein und dann auch noch gut gespielt zu haben. An anderen Tagen wäre ich wohl durchs Raster gefallen, denn im Fußball kann man nicht immer gleich gut spielen.

Trotz meiner Berufung in die U-19 Nationalmannschaft und konkreter Anfragen von Werder Bremen und dem HSV hatte ich in jungen Jahren eine Phase, in der ich etwas die Lust am Fußball verloren hatte. Damit hatte ich mich Udo Lattek anvertraut. Er sagte mir daraufhin, dass ich zu Hannover 96 gehen soll. Er würde dort anrufen und das klar machen. Ich war irritiert, weil der Verein sich nie bei mir gemeldet hatte. Auf meine Frage an Udo, warum ich dorthin gehen sollte, meinte er nur: “Weil du dort spielst”. Ich weiß bis heute nicht, mit wem er dort gesprochen hat, aber kurz darauf erhielt mein Vater einen Anruf von Hannover 96 und ein Vertragsangebot für mich. Weil man damals mit 19 Jahren noch nicht volljährig war, musste das über ihn laufen.

Anschließend habe ich zwei Jahre in Hannover gespielt. Zunächst war ich Rechtsaußen und habe super mit Skoblar harmoniert. Dennoch hat der Verein nach meiner ersten Saison für meine Position noch den jugoslawischen Nationalspieler Zvezdan Cebinac verpflichtet. Weil unser Trainer “Tschik” Cajkovski ebenfalls aus Jugoslawien kam, war mir klar, dass ich mir in der Mannschaft einen neuen Platz suchen muss, wenn ich weiterhin in der Startelf stehen will.

Also habe ich mich zum defensiven Mittelfeldspieler umfunktionieren lassen, auch wenn ich eigentlich eher ein Techniker und offensiv veranlagt war. Dass ich dazu meine Spielweise ändern muss, habe ich gerne in Kauf genommen. Die Lieblingsposition muss immer die sein, auf der man der Mannschaft am meisten hilft.

1970 wurde Lattek Bayern-Trainer. Ihm hat es imponiert, wie ich mich auf der mir eigentlich fremden Position im defensiven Mittelfeld durchgesetzt habe, so dass er mich genau für diese Position verpflichtet hat. In München habe ich dann in sechs Jahren 180 Spiele gemacht, bin dreimal Meister geworden und habe dreimal den Europapokal der Landesmeister gewonnen. Etwas Besseres als der Wechsel zu den Bayern konnte mir nicht passieren.

Die Arbeit als Fußballtrainer

Für meine eigene Trainertätigkeit habe ich sicher einiges von Lattek, Cramer und Cajkovski mitgenommen, aber jemanden zu kopieren oder sich zu verstellen macht keinen Sinn. Als Trainer muss man authentisch sein und seinen eigenen Weg finden, auch auf die Gefahr hin, dass man damit bei der Mannschaft nicht ankommt.

Grundsätzlich ist es so: Der Trainer hat einen Charakter, und die Mannschaft hat einen Charakter. Wenn das nicht zusammenpasst, ist die Gefahr groß, Schiffbruch zu erleiden. Dann kann es selbst dem besten Trainer passieren, dass die Mannschaft ihm nicht folgt. Wenn in der Vereinsführung Leute mit Ahnung sitzen, von denen einige früher bestenfalls ebenfalls Profis waren, achten sie bei der Wahl des Trainers darauf. Manchmal vergreift man sich trotzdem. Bekannte Beispiele sind Jupp Heynckes in Frankfurt oder Carlo Ancelotti in München, die woanders bis in alle Ewigkeit verehrt werden.

Der Werdegang von Rainer Zobel als Spieler

Jahre Verein Spiele (Tore)
1968–1970 Hannover 96 66 (4)
1970-1976 FC Bayern München 180 (19)

Bildcredits: imago/Werner Otto

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