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Ex-Profi Marco Grimm blickt auf seine Karriere und stellt dabei seine Traumelf aus früheren Mitspielern vor, in der ein Weltmeister in der Abwehr steht und das “Magische Dreieck” in der Offensive wirbelt. Außerdem spricht er über seinen besten Trainer und erinnert sich daran, wie sein erstes Spiel für den FC Bayern in die Geschichte der Bundesliga einging und wie Hape Kerkeling für den kuriosesten Tag seiner Karriere sorgte.

Die Traumelf von Marco Grimm

Taktische Aufstellung


Marco Grimm über…

Franz Wohlfahrt // Torwart // VfB Stuttgart

Franz kam 1996 als österreichischer Nationaltorwart zu uns. Mit seinen Reflexen und seinem furchtlosen Torwartspiel war er für den VfB sofort eine große Verstärkung. Auch als Typ hat er wunderbar in unsere Mannschaft gepasst. Franz war eine Frohnatur und hatte immer einen Witz auf Lager. Er hatte außerdem schauspielerisches Talent: Wenn er nicht als Fußballprofi erkannt werden wollte, hat er behauptet, dass er Pilot sei und ist dann in diese Rolle geschlüpft.

Hansi Pflügler // Innenverteidiger // FC Bayern München

Zum Ende seiner großen Karriere hat Hansi noch ein paar Jahre bei den Bayern-Amateuren gespielt und war auf dem Platz der verlängerte Arm von Trainer Hermann Gerland. Für uns jungen Spieler war Hansi sowohl ein Lehrmeister als auch eine Vaterfigur. Seine Erfahrung aus über zehn Jahren Bundesliga war förmlich greifbar. Sein Zweikampfverhalten war sensationell und sein Timing im Kopfball herausragend. Es war beeindruckend, dass Hansi als Weltmeister bei jedem Lauftraining vorneweg marschiert ist und auch im Alter von 35 Jahren noch jedes Spiel gewinnen wollte – selbst wenn es “nur” die 3. Liga war.

Nebenbei war Hansi Leiter des FCB-Fanshops. Wenn wir vormittags mal kein Training hatten, haben wir Spieler aus der 2. Mannschaft ihm geholfen, Kisten zu packen und zu schleppen. Auch Gerland war dabei und hat uns selbst da Beine gemacht und brüllte: »Jungs, schneller, schlaft nicht ein!«

Sammy Kuffour // Linker Verteidiger // FC Bayern München

Die Abwehrformation in der 2. Mannschaft hieß damals Kuffour-Pflügler-Grimm. Ich habe viel von den beiden lernen können. Sammys Zweikampfverhalten und seine Aggressivität waren außergewöhnlich. Er war nicht nur knallhart am Mann, sondern auch dynamisch und schnell. Es war nur eine Frage der Zeit, dass er es in die 1. Mannschaft schaffen würde.

Sammy konnte auch ein Heißsporn sein, hatte aber eine angenehmer Art. Als er als ganz junger Kerl aus Italien zu uns kam, war er ohne Eltern in Deutschland und konnte die Sprache nicht, doch die gesamte Bayern-Familie hat ihn aufgenommen. Hermann Gerland hat ihn des Öftern zum Abendessen mit nach Hause genommen und auch Lothar Matthäus hat sich viel um ihn gekümmert.

Thomas Schneider // Rechter Verteidiger // VfB Stuttgart

Als ich zum VfB kam, war Thomas eigentlich ein Konkurrent von mir, denn er spielte auf der gleichen Position. Ich stand ihm anfangs skeptisch gegenüber, doch es hat nicht lange gedauert, bis wir uns angefreundet haben. Wir waren damals beide Junggesellen, haben viel unternommen und sind später sogar zusammen in den Urlaub gefahren. Noch heute telefonieren wir regelmäßig.

Thomas war ein Riesentalent, war damals auf dem Sprung zur Nationalmannschaft und hatte sogar ein Angebot vom FC Bayern, doch sein großes Verletzungspech stand einer größeren Karriere im Weg. Wenn er fit war, hat er teilweise sensationelle Leistungen abgeliefert. Er bestach nicht nur durch seine Sprungkraft, seine Schnelligkeit und sein Stellungsspiel, sondern besaß für einen Abwehrspieler eine herausragende spielerische Klasse.

Zvonimir Soldo // Zentrales Mittelfeld // VfB Stuttgart

Zvonomir war im Mittelfeld eine Maschine, eine Kämpfernatur vor dem Herrn. Sobald der Schiedsrichter das Spiel angepfiffen hat, war er im Kampfmodus. Aufgrund seiner Lauf- und Zweikampfstärke gab es für die Gegner an ihm kein Vorbeikommen.

Auf dem Platz kannte Zvonimir keine Freunde. Allein mit seiner großen und kräftigen Statur und seinem bösen Blick konnte er seine Gegner einschüchtern. Doch vom Naturell war er ein lieber und herzlicher Typ, völlig frei von Starallüren. Einfach ein angenehmer Zeitgenosse.

Holger Seitz // Zentrales Mittelfeld // Karlsruher SC

Holger hat alles mitgebracht, was einen Mittelfeldspieler auszeichnet. Er war ein Stratege, hat Ordnung ins Spiel gebracht und war immer unterwegs. Auch in schwierigen Situationen ist er positiv geblieben und hat sich von Rückständen nicht umwerfen lassen. Für unsere Mannschaft war er als Spieler und als Typ ungemein wertvoll, außerdem war er ein Pfundskerl, der für Stimmung gesorgt hat.

Nach seiner Karriere wurde er Trainer und arbeitet heute in der Jugendabteilung vom FC Bayern. Ich bin mir sicher, dass er mit seiner positiven und direkten Art einen guten Draht zu den Nachwuchsspielern hat.

Andreas Buck // Linkes Mittelfeld // VfB Stuttgart

Andreas war schneller als der Ball! Gegen ihn in ein Laufduell zu gehen war vergebene Mühe. Mit seiner Schnelligkeit war er in der Offensive eine Waffe, wenn er mit dem Ball zur Grundlinie gelaufen und dann gute Flanken geschlagen hat. Manche Spieler sind schnell, verfügen aber nicht über fußballerische Klasse. Andreas hatte beides und war sogar beidfüßig. Es ist also kein Zufall, dass er 1992 mit dem VfB Stuttgart und 1998 mit dem 1. FC Kaiserslautern Deutscher Meister geworden ist.

Daniel Graf // Rechtes Mittelfeld // Eintracht Braunschweig

In Braunschweig war Daniel Teil der Südwest-Connection, zu der neben mir auch noch Torsten Lieberknecht gehörte. Daniel war ein genialer Spielertyp und konnte in der Offensive jede Position bekleiden. Er war präsent, schnell, torgefährlich. Auf dem Platz war er überall zu finden und immer anspielbereit. In der Mannschaft war er sehr beliebt, weil er ein durch und durch positiver Typ war und für jeden ein offenes Ohr hatte. Leider hatte er oft Verletzungspech.

Krassimir Balakow // Offensives Mittelfeld // VfB Stuttgart

Es war ein Genuss, Krassimir Balakov beim Fußballspielen zuzugucken. Er hatte eine unglaubliche Technik und konnte alles am Ball. Vor allem sein linker Fuß war genial. Wenn er vor dem Sechzehner zum Freistoß antrat, war das wie ein Elfmeter, denn er konnte die Bälle mit einer Leichtigkeit über die Mauer in den Winkel setzen.

Für uns Defensivspieler bestand die Aufgabe darin, dem Gegner den Ball abzujagen und ihn dann möglichst schnell zu Balakow zu spielen. Mit seiner genialen Technik und seinem Spielverständnis hatte er immer eine Idee, was er damit machen kann. Seine Qualität kam nicht von ungefähr. Balakow war ein absoluter Vollprofi, der dem Fußball alles andere untergeordnet hat. Er hat oft freiwillige Schichten absolviert und so gut wie keinen Alkohol getrunken.

Giovanne Elber // Sturm // VfB Stuttgart

Giovanni Elber war kaum zu verteidigen. Bei ihm ging alles blitzschnell. Mit seiner Antizipation, seinem Timing und seiner Körperbeherrschung war er zu außergewöhnlichen Dingen fähig. Dabei hatte er von Toren per Pike bis zum Fallrückzieher alles im Repertoire.

So unberechenbar wie auf dem Platz war Giovanne auch sonst. Er hatte einen Schalk im Nacken und war ein großer Spaßvogel, der jederzeit zu Scherzen aufgelegt war. Ich weiß noch, wie er sich den Rasenmähertrecker vom Platzwart geschnappt hat und darauf mit einem breiten Grinsen zum Trainingsplatz gefahren ist.

Fredi Bobic // Sturm // VfB Stuttgart

Gemeinsam mit Franz Wohlfahrt und Gerhard Poschner war Fredi einer der Führungsspieler und hat in unserer Truppe den Ton angegeben. Für unseren Trainer war es wunderbar, solche Typen in der Mannschaft zu haben, die klar ihre Meinung vertreten und trotzdem das Wohl der Mannschaft im Blick haben.

Die Spielweise von Fredi wirkte etwas hölzern, doch er war genauso unberechenbar wie Elber. Im Strafraum war er enorm effektiv. Die Direktabnahmen waren seine Spezialität, egal ob mit links, rechts oder mit dem Kopf. Er hatte einen richtigen Torhunger und eine Top-Einstellung. Mit seinem Biss war Fredi die perfekte Ergänzung zu der Leichtigkeit von Giovanne.

Das magische Dreieck aus Elber, Bobic und Balakow war das beste, was die Bundesliga zu der Zeit in der Offensive zu bieten hatte. Die drei haben sich gesucht und gefunden!

Karriere-Insights von Marco Grimm

Meine besten Trainer

Ohne Hermann Gerland wäre ich in meiner Karriere vermutlich nicht so weit gekommen. Er hatte nicht nur richtig Ahnung vom Fußball, sondern hat mir auch gezeigt, worauf es ankommt, wenn man in dem Business bestehen will. Vor allem hat er mir den nötigen Willen und den Biss vermittelt. Als ich 1993 zum ersten Training der Bayern-Amateure kam, waren seine ersten Worte an mich: »Kannst du auch laufen? Wenn nicht, kannst du gleich wieder nach Hause gehen!« ‘Na das kann ja ein Spaß werden’, dachte ich mir damals. Doch mit seiner schroffen Art hatte er ein Talent dafür, aus seinen Spielern die maximale Leistungsbereitschaft herauszukitzeln. Er hat keine Ausreden gelten lassen. Wenn wir gefoult wurde, sollten wir nicht liegen bleiben und lamentieren, sondern wieder aufstehen und uns wehren. Wir durften Fehler machten, aber er hat verlangt, dass wir daraus lernen. Doch nicht jeder Spieler war bereit, seine Lehren anzunehmen – und die sind auf der Strecke geblieben.

Ein ganz anderer Typ aber genauso beeindruckend war Giovanni Trapattoni. Ich habe zu der Zeit regelmäßig bei der ersten Mannschaft mittrainiert. Der Maestro war damals schon weit über 50 und hat alle Übungen noch selbst mitgemacht. Er war sich zu nichts zu schade und stand nach dem regulären Training oft noch eine Stunde mit uns Nachwuchsspielern auf dem Platz, um uns elementare technische und taktische Dinge wie Laufwege, Positionsverhalten, Ballannahme, Flanken und Einwürfe zu vermitteln. Der Fokus auf Details mag heute gang und gäbe sein, doch damals was es revolutionär. Auch erfahrene Spieler Lothar Matthäus und Thomas Helmer haben noch viel von ihm lernen können. Ich denke, dass er in München erfolgreicher hätte sein können, wenn er die deutsche Sprache noch besser beherrscht hätte.

Mein Weg zum Fußballprofi

Ich habe immer gerne Fußball gespielt, hatte aber keine konkreten Ambitionen, Profi zu werden. Beim FC Kuppenheim habe ich in der A-Jugend-Bundesliga als Stürmer um die Torjägerkanone gekämpft, aber im Seniorenbereich konnte ich mich in der Verbandsliga zunächst nicht durchsetzen. Erst als der Trainer mich zum Abwehrspieler umfunktioniert hat, wurde ich zum Stammspieler und wechselte nach der Saison in die Oberliga zum VfB Gaggenau.

Ein halbes Jahr später war mein Trainer in der Winterpause auf Gran Canaria, wo der FC Bayern im Trainingslager war. Als Bayern-Fan hat er dort bei den Trainingseinheiten zugeschaut und kam abends an der Hotelbar mit Klaus Augenthaler ins Gespräch, der damals Co-Trainer von Erich Ribbeck war. Als sie auf talentierte junge Spieler aus der Region zu sprechen kamen, sagte mein Trainer ihm, dass er sich mal einen gewissen Marco Grimm anschauen soll. Nur ein paar Wochen später wurde ich dann tatsächlich von Augenthaler zu einem dreitägigen Probetraining eingeladen.

Um auf keinen Fall zu spät zu kommen, war ich schon zwei Stunden vor Trainingsbeginn an der Säbener Straße. Es war noch niemand dar, bis mir auf einmal der große Gerd Müller die Tür aufgemacht und mich gegrüßt hat. Diesen Augenblick werde ich nie vergessen!

Das Training fand in einer Länderspielpause statt, trotzdem stand ich auf einmal mit Bayern-Legenden wie Lothar Matthäus, Mehmet Scholl, Rolands Grahammer und Raimond Aumann auf dem Platz. Mir ist an den drei Tagen so gut wie alles gelungen, sodass ich schließlich ein Angebot als Vertragsamateur bekommen habe.

Mein Karriererückblick

Als Junge vom Dorf kam ich 1993 dann mit 20 Jahren auf einmal in die Weltstadt München. In der 2. Mannschaft traf ich auf Trainer Hermann Gerland, der mich bis dahin noch nicht kannte. Das Training unter ihm war hart, doch wer seine harte Schule annahm, konnte es im Fußball weit bringen. In meinen zwei Jahren bei den Bayern haben es auch dank Gerland unter anderem Uwe Gospodarek, Didi Hamann, Sammy Kuffour, Max Eberl, Dieter Frey und Alexander Zickler von den Amateuren in die 1. Mannschaft geschafft.

Mein erstes Bundesligaspiel für den FC Bayern ging auch wegen mir in die Geschichte ein. Aufgrund vieler Verletzungen in der Profi-Mannschaft standen bei unserem Heimspiel im April 1995 gegen Eintracht Frankfurt zum Anpfiff bereits die Vertragsamateure Sven Scheuer und Sammy Kuffour in der Startelf. Mitte der 1. Halbzeit kam ich für Thomas Helmer ins Spiel, nachdem er sich eine Verletzung am Oberschenkel zugezogen hatte. Weil ich so plötzlich ins Spiel kam, hatte ich keine Zeit nervös zu werden. Das Spiel lief super, doch beim Stand von 3:2 kam mit Didi Hamann für Marcel Witeczek der vierte Vertragsamateur ins Spiel. Das Problem war: Damals durften in der 1. Mannschaft nur drei Vertragsamateure gleichzeitig auf dem Platz stehen. Weder Trainer Trapattoni noch sein Assistent Klaus Augenthaler oder Manager Uli Hoeneß hatten das auf dem Schirm. Unser Pressesprecher versuchte von der Tribüne aus, den Wechsel noch in letzter Sekunde aufzuhalten, doch seine Warnung kam etwas zu spät. Nach dem Abpfiff wurden wir vom Verein direkt in die Kabine geleitet und durften keine Interviews geben. Sportlich war ich mit dem Spiel voll zufrieden, aber am grünen Tisch wurde unser 5:2-Sieg mit 0:2 gegen uns gewertet. Es blieb zum Glück nicht mein einziger Einsatz für die 1. Mannschaft. Wenige Wochen später wurde ich im Halbfinale des Europapokals der Landesmeister gegen Ajax Amsterdam beim Stand von 0:0 kurz vor Schluss eingewechselt.

Zur Saison 1995/96 hatte ich Angebote vom Karlsruher SC und dem VfB Stuttgart. Bei beiden Vereinen hatte ich Aussicht auf einen Stammplatz. Die Gespräche mit KSC-Trainer Winnie Schäfer waren gut, aber letztlich haben VfB-Trainer Jürgen Röber und Manager Dieter Hoeneß mich vom Wechsel nach Stuttgart überzeugt. Leider waren die beiden nicht mehr in Lohn und Brot, als die neue Saison begann, sodass ich mich beim neuen Trainer Rolf Fringer zunächst hinten anstellen musste, bis ich richtig zum Zug kam. Nach Fringer kam Jogi Löw als Trainer und mit ihm sind wir DFB-Pokalsieger geworden. Wegen eines Bandscheibenvorfalls fiel ich in der Rückrunde allerdings monatelange aus und habe daher auch im Finale nur zuschauen können.

Um wieder den sportlichen Anschluss zu schaffen und mich für Bundesligavereine zu empfehlen, bin ich 1998 zum Grazer AK gewechselt, wo Klaus Augenthaler mittlerweile Cheftrainer war. Es war eine erfolgreiche Zeit, wir haben im UEFA-Cup gespielt und haben in der Liga oben mitgespielt.

In Österreich habe ich auch den kuriosesten Tag meiner Karriere erlebt. Nur einen Tag vor dem großen Derby im ÖFB-Pokal gegen Sturm Graz verkündete Augenthaler auf einer Pressekonferenz seinen plötzlichen Abgang nach Frankreich. Dabei wurde auch der neue Trainer vorgestellt: ein gewisser Albertas Klimavyszysch. Was niemand wusste: Es handelte sich um Hape Kerkeling und die ganze Aktion war eine Nummer für die TV-Show “Darüber lacht die Welt”. Der Verein erhoffte sich so Publicity für seinen Sponsor Liebherr. Wir Spieler waren von dem angeblichen Trainerwechsel zunächst völlig überrummepelt und später völlig entsetzt. Bei der ersten Trainingseinheit im Anschluss an die PK gab der Trainer dermaßen blödsinnige Anweisungen, dass wir nach 10 Minuten gestreikt haben und stinksauer in die Kabine gestampft sind. Dort hatte schon der Präsident auf uns gewartet und den Scherz mit einem breiten Grinsen im Gesicht aufgeklärt. Wir lagen alle am Boden vor Lachen! Das wichtige Pokalspiel gegen Sturm Graz am nächsten Tag haben wir übrigens gewonnen.

Nach einem Jahr in Österreich bin ich zurück nach Deutschland gewechselt. Hier spielte erneut der Zufall eine Rolle: Als ich während der Saison während eines Besuchs in München beim Joggen zufällig auf Gerd Müller und KSC-Trainer Rainer Ulrich traf, kamen wir ins Gespräch. Daraus hat sich letztlich der Wechsel nach Karlsruhe entwickelt. Ich hatte fest mit der Rückkehr in die 1. Bundesliga geplant, doch der KSC stieg am Ende der Saison ab, sodass ich mein Comeback in Deutschland in der 2. Liga gegeben habe. Sportlich lief es für unsere Mannschaft alles andere als gut, sodass wir dort in meinem zweiten Jahr sogar in die 3. Liga runter mussten. Wir hatten in der Abstiegssaison mit Rainer Ulrich, Guido Buchwald, Jogi Löw und Marco Pezzaiuoli vier renommierte Leute an der Seitenlinie, aber keinem Trainer ist es gelungen, das Ruder herumzureißen. Ich habe daraufhin mit dem Abschied geliebäugelt, aber der neue Trainer Stefan Kuntz hat mich zum Bleiben überredet. Er hat mich zum Kapitän ernannt und wir sind unter ihm souverän wieder in die 2. Liga aufgestiegen.

Als mein Vertrag 2003 nicht verlängert wurde, bekam ich ein Angebot von Eintracht Braunschweig. Durch die Duelle gegen die Löwen kannte ich das Stadion und die tollen Fans, sodass ich nicht lange überlegen musste. Anfangs hatten wir eine richtig gute Truppe mit Leuten wie Jürgen Rische, Daniel Graf, Martin Amedick und Trainer Michael Krüger, von dem ich sehr viel halte! Unter ihm sind wir in die 2. Liga aufgestiegen. Es gab in Braunschweig auch schwierige Phasen, doch unterm Strich waren es vier schöne Jahre. Ich fühlte mich in der Stadt so wohl, sodass ich nach meiner Karriere hier geblieben bin und heute regelmäßig als Fan ins Eintracht-Stadion gehe.

Zum Ende meiner Karriere bin ich noch zum 1. FC Kaiserslautern in die U23 gewechselt, wo ich für zwei Saisons als Leader und Ansprechpartner für die jungen Spieler vorgesehen war. Trainer Alois Schwartz hat mich jedoch bereits nach einem Jahr als Assistent in seinen Trainerstab aufgenommen, sodass ich meine Fußballschuhe 2008 endgültig an den Nagel gehängt habe.

Insgesamt blicke ich auf eine schöne und ereignisreiche Zeit als Fußballprofi zurück. Ich habe viele tolle Menschen kennengelernt, mit großen Spielern und Trainer zusammengearbeitet, bei Traditionsvereinen gespielt und große Erfolge gefeiert, vor allem den Pokalsieg mit Stuttgart und die Aufstiege mit Karlsruhe und Braunschweig. All das hätte ich mir nicht erträumen können, als ich mit 18 Jahren noch in der Verbandsliga gespielt habe.

Meine zweite Karriere

Beim 1. FC Kaiserslautern habe ich Konrad Funfstück, den damaligen Leiter des Nachwuchsleistungszentrums kennengelernt. Als er 2017 als Trainer zum Zweitligist FC Wil in die Schweiz gegangen ist, hat er mich als Co-Trainer mitgenommen. Dort haben wir innerhalb von zwei Jahren mit bescheidenen Mitteln eine Mannschaft aufgebaut und sie vom Tabellenkeller auf den 3. Platz geführt.

Seit 2019 bin ich wieder für den KSC tätig und arbeite als Scout. Ich betreibe Gegneranalyse und Spielerbeobachtung. Vor allem im norddeutschen Raum schaue ich mir Spiele von der zweiten bis zur vierten Liga an und beobachten zudem viele Partien von den Jugendmannschaften der Profi-Vereine an.

Der Werdegang von Marco Grimm

JahreVereinSpiele (Tore)
1992–1993VfB Gaggenau33 (2)
1993-1995FC Bayern München Amateure23 (0)
1995FC Bayern München1 (0)
1995–1998VfB Stuttgart32 (0)
1998-1999Grazer AK26 (2)
1999–2003Karlsruher SC76 (2)
2003-2007Eintracht Braunschweig117 (2)
2007-20081. FC Kaiserslautern II26 (0)

Die Traumelf weiterer Fußball-Legenden