Florian Bruns

Florian Bruns

Wir baten Florian Bruns seine ganz persönliche Traumelf mit Spielern zusammenzustellen, mit denen er einst selbst gemeinsam in einem Team auf dem Rasen stand. Am Ende bastelte er „eine verdammt gute Riege, für die ich selbst leider zu schlecht wäre“, wie er sagt. „Ich wäre ihr Co-Trainer“, so Bruns. Wir präsentieren seine Top-Elf aus seinen früheren Mitspielern in Freiburg, bei St. Pauli und Union Berlin sowie Alemannia Aachen. Mit dabei sind einige Kult-Kicker.

Die Traumelf von Florian Bruns

Taktische Aufstellung

Florian Bruns - Traumelf-Aufstellung

Richard Golz // Torwart // SC Freiburg

Richie traf ich gleich am Anfang meiner Karriere beim SC Freiburg. Ich war ein 18-jähriger Novize, er ein gestandener Bundesligaspieler mit unglaublich viel Erfahrung. Für mich war er der Inbegriff eines Top-Profis: Ich orientierte mich an seiner Vor- und Nachbereitung bei den Trainingseinheiten, den richtigen Umgang mit den Fans, den Mitspielern, dem ganzen Drumherum. Richie war immer ansprechbereit. Was ihn nicht daran hinderte, mich richtig einzunorden, wenn ich im Training oder im Spiel einen Gegenspieler hatte laufen lassen. Ich spreche aus Erfahrung: Von Richard Golz möchte man nur einmal im Leben durchgeschüttelt werden.

Levan Kobiashvili // Linker Außenverteidiger // SC Freiburg

An Levan führt bei meiner persönlichen Auswahl kein Weg vorbei. Weil dieser “Mister Zuverlässig” während unserer gemeinsamen Zeit beim SC Freiburg gefühlt keine Trainingseinheit und kein Spiel verpasste, immer topfit war und sich vor allem stetig weiter entwickelte. Er ist einer dieser Fußballer, die von Monat zu Monat immer besser werden. Jedem von uns war damals klar, dass seine letzte Station nicht Freiburg sein konnte, sondern größere Aufgaben auf ihn warteten. Kein Wunder, dass er später auf Schalke und bei Hertha noch groß aufspielte. Dazu ist er ein unglaublich angenehmer Mensch, mit dem man gerne Zeit verbracht hat, auf und neben dem Platz.

Markus Thorandt // Innenverteidiger // FC St. Pauli

Der Typ hatte einfach richtig Bock auf Fußball und vor allem darauf, Zweikämpfe zu gewinnen. Kein klassischer Führungsspieler, aber ein so unangenehmer Gegenspieler, dass ich immer froh war, ihn in meiner Mannschaft zu haben. Selbst im Training habe ich gehofft, nicht gegen ihn antreten zu müssen, weil das wohl oder übel wunde Knöchel bedeutet hättet.

Michael Molata // Innenverteidiger // Union Berlin

Während unserer Zeit bei Union Berlin wurden wir zu Freunden und das passiert im Profi-Fußball nun wirklich nicht so häufig. In Berlin war er damals Kapitän, ein absoluter Führungsspieler, der immer vorneweg marschiert ist. Und zwar egal in welcher Situation. Ob auf dem Rasen, wenn der Rückstand noch umgebogen werden musste oder nach Niederlagen, wenn er sich vor die Presse stellte und die Schuld für die Pleite einfach auf sich nahm oder sehr klare Worte für unsere Leistung fand. Jeder Trainer will so einen Spieler in seiner Mannschaft haben, weil er weiß, dass so ein Mann genügend Rückgrat hat, immer offen und ehrlich seine Meinung zu sagen.

Willi Landgraf // Rechter Außenverteidiger // Alemannia Aachen

Auf dieser Position habe ich lange überlegen müssen, einfach weil ich so viele großartige Rechtsverteidiger kennengelernt habe. Aber letztlich führt an Willi Landgraf kein Weg vorbei. Er war in allem, was er machte, einfach ein verrückter Typ, ganz anders als die anderen und deshalb fand ich ihn so toll.

Fußballerisch nicht der Beste und deshalb auch nie in der ersten Liga, dafür aber so beständig und so sehr mit dem Herzen dabei, dass er heute mit 508 Einsätzen den Rekord in der 2. Bundesliga hält – eine unglaubliche Leistung. Wenn einer den Sport- und Teamgedanken verinnerlicht hat, dann Willi. Und da störte es auch nicht, dass sein Lieblingsessen Currywurst mit Pommes war, Willi hat trotzdem alles für den Erfolg getan. Und vor allem war es nie langweilig mit ihm: Man wusste nie, was er als Nächstes machen würde.

Sebastian Kehl // Linkes Defensives Mittelfeld // SC Freiburg

Wir waren blutjung und im gleichen Alter, als wir gemeinsam unsere Profikarrieren beim SC Freiburg starteten. Aber während ich eher zurückhaltend war und mich vorsichtig in diese neue Welt herantasten wollte, wusste Sebastian von Anfang an ganz genau, wohin es für ihn gehen sollte. Nämlich ganz nach oben. Schon mit 20 Führungsspieler und zentraler Mann auf dem Platz, im Zweikampf so furchtbar stark, dass man jeden Tag dankbar dafür war, ihn als Mit- und nicht als Gegenspieler zu haben.

Später hat er mit einigen schweren Verletzungen zu kämpfen gehabt, aber einen Kämpfer wie ihn hat das nur noch angestachelt. Und jedes Mal kam er noch besser zurück, als er es eh schon gewesen war. Heute sind wir gute Freunde und waren auch schon das ein oder andere Mal gemeinsam im Urlaub.

Simon Rolfes // Rechtes Defensives Mittelfeld // Alemannia Aachen

Als Simon und ich 2004 gemeinsam nach Aachen kamen, hatte ihn zunächst keiner so wirklich auf dem Zettel. Doch nach einer Woche hieß es nur: Wer steht neben Rolfes auf dem Platz? Seine Qualitäten waren einfach unübersehbar: ein großer Stratege, ein großartiger Ballverteiler und der Verbindungsmann zwischen Mittelfeld und Angriff. Ihn wollte man anspielen und von ihm wollte man die Bälle zurück.

Nach nur einem Jahr wechselte er zu Bayer Leverkusen und setzte sich auch dort in kürzester Zeit durch – was mich nicht überrascht hat. Simon ist einer dieser Spieler, die andere besser machen, die eine Mannschaft prägen. Davon gibt es nicht viele. Als ehemaliger Mitspieler und guter Freund bin ich von seiner Karriere einfach schwer beeindruckt.

Max Kruse // Zentrales Mittelfeld // FC St. Pauli

Es gibt Fußballer, die sind einfach besser als der Rest auf dem Platz. Die spielen die entscheidenden Pässe, schießen die entscheidenden Tore und können Spiele allein mit ihrer Qualität zugunsten der eigenen Mannschaft entscheiden – genau so ein Spieler ist Max Kruse.

Beim FC St. Pauli war er damals noch ein ganz junger Bursche, der vorher bei Werder Bremen II gespielt hatte. Und trotzdem tauchte er mit einem großen Selbstbewusstsein bei uns auf. So einer eckt auch mal an, aber wer Spiele entscheidet, der darf das auch. Uns hat er damals in die erste Liga geführt, war einer der besten Kicker in Liga zwei. Und in der Bundesliga hat er genauso weitergemacht. Egal wo er danach spielte – Freiburg, Mönchengladbach, Wolfsburg, Werder – er gehörte immer zu den besten Spielern im Kader.

Außerdem mag ich Typen, die anders sind als der Rest. Mit elf Max Kruses auf dem Platz gewinnst du keine Spiele, aber einen davon im Team zu haben ist Gold wert. Die Diskussionen um seine Poker-Leidenschaft fand ich lächerlich – andere haben doch auch ihre Hobbys und man lässt sie in Ruhe. Ich habe ihn jedenfalls als absoluten Voll-Profi kennengelernt, der letztendlich alles für den Erfolg tut.

Fin Bartels // Rechter Angreifer // FC St. Pauli

Auch wenn wir nicht befreundet sind, schätze ich Fin sehr – als Fußballer und als Mensch. Auf St. Pauli spielten wir gemeinsam, bei Werder war ich dann plötzlich sein Co-Trainer, Fin verkörpert mit jeder Faser seines Körpers das, was man gemeinhin einen unberechenbaren Fußballer nennt. Er ist schnell, er kann dribbeln, er spielt Pässe, die man nicht auf dem Schirm hatte. Dazu kommt eine ungeheure Laufbereitschaft. Diese Kombination macht ihn zu einem sehr gefährlichen Spieler.

Außerdem kann Fin unglaublich schlecht verlieren, im Training und auch in den Spielen sind ihm schon manchmal die Sicherungen durchgebrannt. Ich erinnere mich an eine Szene, als wir am Millerntor gegen Schalke keine Chance hatten und Fin seinen Gegenspieler so umhaute, dass er vom Feld geschmissen wurde. So etwas darf natürlich nicht zu oft passieren, aber ich fand es immer geil, so einen Mann in den eigenen Reihen zu haben.

Frank Ordenewitz // Linker Angreifer // VfB Oldenburg

1998 absolvierte ich beim VfB Oldenburg in der Regionalliga mein erstes Jahr als Herren-Spieler. Ich war blutjung, eigentlich noch A-Jugendlicher. Und mit mir auf dem Platz stand dieser 33-jährige Routinier, der schon für Werder, Köln und den HSV seine Tore geschossen hatte. Man hätte meinen können, „Otze“ würde in Oldenburg seine Karriere ausklingen lassen, aber stattdessen hat der in jedem Training und jedem Spiel immer noch Vollgas gegeben.

Für mich wurde er zu einem Ansprechpartner in allen Lebenslagen und auch ein Vorbild. Otze brauchte nicht groß Reden schwingen, aber wenn er etwas sagte, dann hörten alle zu. Eine Autoritätsperson. Das Jahr in Oldenburg war für mich sehr prägend auf dem Weg in den Profibereich und er hat mir dabei unglaublich geholfen. Als ich das Angebot aus Freiburg bekam, war er es, dessen Rat ich suchte und bekam.

Marius Ebbers // Mittelstürmer // FC St. Pauli

Auch auf dieser Position konnte ich mich nicht für nur einen Spieler entscheiden. Mit Marius Ebbers habe ich fünf Jahre lang das Zimmer geteilt, während wir zusammen auf St. Pauli spielten, das schweißt natürlich zusammen. Wir hatten eine tolle und erfolgreiche Zeit, sind eng befreundet. Außerdem ist er ein Mittelstürmer, den man unbedingt in seiner Mannschaft haben möchte: Im Strafraum unheimlich stark, ein Kopfballmonster und einer, den man immer anspielen konnte, der die Bälle festmachen konnte. Und wenn er frei vor dem Tor stand, aber rechts oder links von ihm ein Spieler noch besser postiert war, dann hat er den Ball auch abgespielt – das machen nicht viele Stürmer. Und er hatte diese Mischung aus Lockerheit und absolutem Siegeswillen. Mich hat das immer sehr beeindruckt.

Der 12. Mann: Erik Meijer

Als erster offensiver Einwechselspieler stünde in meiner Traumelf Erik Meijer parat. Sein Charakter habe ich letztlich schon bei Michael Molata und Sebastian Kehl beschrieben. Ein Fußballer, der sich immer voll reingeschmissen hat und sich, wenn nötig, vor seine Mannschaftskollegen stellte. Wahnsinn, was er alles in seiner Karriere erreicht hat und für welche großartigen Klubs er spielte.

Von Erik konnte man auch lernen, wie sich ein Fußballer gegenüber seinen Fans zu verhalten hat. Er hat sich einfach immer Zeit genommen für Autogramme, Gespräche, Fotos. Egal wie lange es gedauert hat, egal bei welchem Wetter. Das hat mir imponiert.

Karriere-Insights


Video: Best of von Florian Bruns beim FC St. Pauli

Meine Vereine

Langweilig wurde es in meiner aktiven Zeit als Fußballer nie. Ich hatte das Glück immer für Vereine zu arbeiten, die eine große Tradition pflegen, in reinen Fußballstadien spielen und ein besonderes Verhältnis zwischen Mannschaft und Fans haben. Das war unheimlich spannend, aber auch nervenaufreibend und belastend. Mit Union Berlin bin ich aus der zweiten Liga ab-, mit Alemannia Aachen in die erste Liga aufgestiegen. Mit dem FC St. Pauli gelang uns sogar der Sprung von der Regionalliga in die 1. Bundesliga.

Als ich mich dafür entschieden hatte, als Trainer zu arbeiten, blieb es nervenaufreibend. Als Coach der zweiten Mannschaft von Werder Bremen erlebte ich aus nächster Nähe mit, wie es die Profis 2016 erst am letzten Spieltag der Saison schafften, den Gang in Liga Zwei zu verhindern. Ähnlich war es für mich als Co-Trainer von Christian Streich beim SC Freiburg 2018, als wir am Saisonende mit einem Kraftakt die Klasse gehalten halten.

Der Druck im Profi-Fußball

Die Aussagen von Per Mertesacker über den beständigen Leistungsdruck im Profi-Fußball kann ich zu 100 Prozent nachvollziehen. Selbstverständlich habe auch ich diesen Beruf selbst gewählt, aber wie in jedem Job, in dem es um viel Geld, Arbeitsplätze und Emotionen geht, muss man dafür häufig an die Grenze gehen.

Dass viele Beobachter Mertesacker Aussagen gelobt haben, weil der Weltmeister von 2014 so offen über eine vermeintliche Schwäche gesprochen hat, finde ich falsch. Denn dass solche Aussagen als ,mutig‘ bezeichnet werden, zeigt, dass das Thema im Profi-Fußball noch ein großes Tabu ist. Sie sollten nicht als Schwäche angesehen werden und keinen überraschen. Es ist einfach so, dass der ständige Druck und Stress im Job sehr vielen Menschen aufs Gemüt oder den Magen schlägt, auch im Profisport.

Der Werdegang von Florian Bruns

Jahre Verein Spiele (Tore)
1998–1999 VfB Oldenburg 26 (9)
1999–2002 SC Freiburg 45 (2)
2003–2004 Union Berlin 43 (4)
2004–2006 Alemannia Aachen 27 (4)
2006–2013 FC St. Pauli 171 (24)
2013–2015 Werder Bremen II 53 (14)

Bild: imago / Claus Bergmann

Dieser Beitrag erschien zuerst im Sokrates-Magazin.

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