Dennis Kruppke

Dennis Kruppke

Dennis Kruppke absolvierte in seiner Karriere 390 Ligaspiele für den VfB Lübeck, den SC Freiburg und Eintracht Braunschweig. Hier stellt er seine Traumelf aus ehemaligen Weggefährten vor. Außerdem spricht er über das emotionale Highlight seiner Karriere und erinnert sich an die Besonderheiten seiner Ex-Trainer Dieter Hecking, Volker Finke und Torsten Lieberknecht.

Die Traumelf von Dennis Kruppke

Taktische Aufstellung

Dennis Kruppke - Traumelf-Aufstellung

Alexander Walke // Torwart // SC Freiburg

Bei unserer ersten Begegnung kam Alex in Freiburg mit dem Auto zum Training, wie Fußballprofis es gemeinhin so tun. Ich und einige andere kamen aber mit dem Fahrrad. Da hat er sich gefragt, wo er denn hier gelandet sei. Wir haben uns schon bald blendend verstanden. Er ist ein guter Charakter, direkt und offen, auch den Fans gegenüber. In meiner Traumelf würde ich ihm die Kapitänsbinde geben, auch wenn Dogi dann wahrscheinlich etwas beleidigt wäre (lacht).

Deniz Dogan // Linker Verteidiger // Eintracht Braunschweig

Dogi und ich kennen uns schon ewig, seit wir als Jungs in Lübeck zusammen in der Kreisauswahl gespielt haben. Er war mitverantwortlich dafür, dass ich 2008 von Freiburg nach Braunschweig gegangen bin, indem er mich beim damaligen Eintracht-Trainer Benno Möhlmann angepriesen hat. Obwohl wir ganz unterschiedliche Typen sind, waren wir lange Zeit Zimmerkollegen und sind bis heute gute Freunde.

Für mich und die Trainer war Dogi ein spielerisch starker Innenverteidiger, auch wenn er sich selbst eher als 6er oder defensiver Spielmacher sieht (lacht). Auf dem Platz hatte er eine gute Spieleröffnung, war schnell, zweikampfstark und eine absolute Führungsperson.

Timo Neumann // Innenverteidiger // VfB Lübeck

Timo war der professionellste Spieler, mit dem ich zusammen gespielt habe. Jeder Trainer hat ihn dafür gelobt und gemeint, dass er ihn eigentlich aufstellen müsste. Doch am Wochenende saß er meist trotzdem nur auf der Bank. Für die Stürmer war das wohl auch besser so. Er war auf dem Platz der rustikale Typ und hatte einen brutalen Körper, kaum Fettanteil. In einer Sommerpause in Lübeck haben wir es uns aber gut gehen lassen. Weil wir wussten, dass wir bei Trainer Dieter Hecking zum Trainingsstart alle auf die Waage mussten, sind wir vorher in die Sauna und haben extra wenig gegessen. Unser Plan ist aufgegangen, allerdings nur für einen Tag, was wir zu dem Zeitpunkt aber noch nicht wussten. Nachdem wir abends dann richtig reingehauen haben, mussten wir am nächsten Tag noch einmal auf die Waage, die dann nicht mehr unser Idealgewicht angezeigt hat. Daraufhin hat Hecking uns beide jeden Tag zum Wiegen zu sich ins Büro bestellt.

Tomis Karriere kam leider nicht so richtig in Schwung. In seinem erstem Spiel nach seinem Wechsel in die 3. Liga zu Kickers Emden ist ihm gegen Braunschweig im Zweikampf ausgerechnet gegen seinen alten Kumpel Deniz Dogan das Kreuzband gerissen. Damit war das Thema Profi-Karriere erledigt. Wir haben aber nie den Kontakt verloren. Wir sind nicht nur gute Freunde, sondern er ist auch mein Trauzeuge und der Pate meines Sohnes.

Ermin Bicakcic // Rechter Verteidiger // Eintracht Braunschweig

Sein Spitzname Eisen-Ermin kommt nicht von ungefähr, gegen ihn zu spielen ist für die Stürmer kein Vergnügen. Nachdem er zwei Jahre in Braunschweig war, ist er aufgrund seiner starken Leistungen 2014 nach unserem Abstieg völlig zurecht nach Hoffenheim gewechselt und somit in der ersten Liga geblieben. So hart und unangenehm er auf dem Platz ist, so ein super Typ ist er außerhalb. Offen, einfühlsam, warmherzig und eine Stimmungskanone. In der Kabine hat er bei jeder sich bietenden Gelegenheit Lieder angestimmt.

Ken Reichel // Linkes Mittelfeld // Eintracht Braunschweig

Ken ist der Spieler, bei dem ich über die Jahre die größte Entwicklung gesehen habe. Er ist einfach Jahr für Jahr besser und stabiler geworden, indem er vor allem zu Beginn seiner Karriere an seinen Schwächen gearbeitet hat. Zum Beispiel wurde er mit seinem starken linken Fuß jedes Jahr torgefährlicher.

Auch wenn Ken nicht sonderlich schnell wirkte, war er richtig flink und zweikampfstark. Mit seiner ruhigen Art und seiner geradlinigen Spielweise wusste man als Mitspieler einfach, wo er den Ball hin spielt. Nicht nur mir hat er damit viele Tore vorbereitet. Ohne ein Lautsprecher zu sein, hat er das Team durch seine Bodenständigkeit und seine starken Leistungen geführt.

Zlatan Bajramovic // Defensives Mittelfeld // SC Freiburg

Ein komplett anderer Typ als Ken ist Zlatan, ein echter Spaßvogel vor dem Herrn. Zlatan war ein richtig guter Kicker, von dem ich mir viel abgucken konnte. Obwohl er ein 6er war, hat er sich aus der Tiefe immer wieder ins Spiel nach vorne eingeschaltet, hatte eine große Präsenz auf dem Platz und war auch noch richtig torgefährlich.

Tobias Willi // Rechtes Mittelfeld // SC Freiburg

Auch Tobias war ein offener, positiver und lustiger Typ, der einfach mit jedem gut klar kam und im Team sehr angesehen war. Zu meiner Anfangszeit in Freiburg hat er mich von Beginn an überall mit hingenommen und mir die Integration dadurch sehr erleichtert.

Auf dem Platz war er ein typischer Außenbahnspieler, lauf- und kampfstark, der an seinen Gegenspielern vorbei kam und dann mit seiner erstklassigen Schusstechnik super Flanken schlagen konnte.

Dennis Kruppke // Offensives Mittelfeld

Fußball war für mich lange nur ein Hobby, ich hatte keine Ambitionen, Profi zu werden und habe noch bis 16 in einem kleinen Verein gespielt. Ich habe einfach gekickt, um Spaß zu haben. In der B-Jugend wurde ich aber neugierig, ob da nicht doch mehr geht. Also habe ich bei den beiden größten Vereinen in der Stadt, Phönix Lübeck und VfB Lübeck ein Probetraining gemacht. Ich hatte von beiden ein Angebot und habe mich dann für den VfB entschieden.

Während meines zweiten A-Jugend-Jahres herrschte in der 1. Mannschaft, die damals in der 3. Liga spielte, ein Stürmernotstand, so dass ich mit 17 das erste Mal bei den Profis am Abschlusstraining teilgenommen habe. Am Tag darauf habe ich im Spiel gegen Hannover 96 – damals mit Gerald Asamoah, Fabian Ernst, Stefan Blank und Co. – tatsächlich von Anfang an gespielt. Auch wenn wir mit 1:4 verloren haben und ich in der 64. Minute mit Krämpfen ausgewechselt wurde, war das der Startschuss für meine Profikarriere. Kurz darauf kam Dieter Hecking als Trainer zu uns und wir sind mit ihm in die 2. Bundesliga aufgestiegen, wo wir als Außenseiter im ersten Jahr die Klasse gehalten haben.

Nach der Saison 2002/03 bin ich zum SC Freiburg gewechselt, der gerade in die 1. Bundesliga aufgestiegen war. Eigentlich bin ich ein Offensivspieler, aber Volker Finke hat mich aufgrund meiner Beidfüßigkeit, meines hohen Spielverständnisses und meiner Allrounderqualitäten die ersten beiden Jahre in der Viererkette als Rechts- und Linksverteidiger aufgestellt.

Nachdem ich unter Trainer Robin Dutt nicht mehr viel zum Einsatz gekommen bin, habe ich mich 2008 für einen Wechsel nach Braunschweig entschieden, was sich für mich als ein Sechser im Lotto entpuppt hat. Der Verein, die Fans, das Umfeld ist einfach etwas ganz Besonderes. Es ist kein Zufall, dass viele Spieler hier sehr lange geblieben sind und sich stark mit dem Verein identifiziert haben. Sportlich habe ich hier von der dritten bis zur ersten Liga alles mitgemacht und war zum Ende meiner Karriere hier auch Kapitän.

Alexander Iashvilli // Linker Angreifer // SC Freiburg

Iashi kam mit 19 Jahren von Dynamo Tiflis zum VfB Lübeck, bevor er ein halbes Jahr später bereits zum SC Freiburg gegangen ist und dort zu einer Vereinslegende wurde. Er war einer der besten Fußballer, mit dem ich zusammen auf dem Platz gestanden habe. Mit seiner kleinen Statur war er kaum vom Ball zu trennen. Er konnte auf engstem Raum dribbeln, war spielerisch sehr stark und hatte ein gutes Auge für seine Mitspieler.

Obwohl Iashi in Freiburg jahrelang einer der Topspieler war, hat er seinen Status nie raushängen lassen. Es gab auch keine Grüppchenbildung mit den anderen Georgiern, sondern er hat sich immer voll in die Mannschaft eingebracht. Mit seiner Mentalität passte er perfekt zum SC. Er war offen, familiär und sehr herzlich. Ein toller Mensch und wunderbarer Kollege.

Karim Bellarabi // Rechter Angreifer // Eintracht Braunschweig

Karim ist der außergewöhnlichste Spieler, mit dem ich je zusammengespielt habe. Bei uns ist er eingeschlagen wie eine Bombe. Er hatte mit seinem schlaksigen Körper ein eigenes Bewegungsmuster und so viele Stärken, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Mit seinem Tempo, seiner Handlungsschnelligkeit, seinen Dribblings und seiner Schusstechnik war er ein perfekter Konterspieler. Er konnte den Unterschied machen.

Karims Schwäche war lediglich, dass er die ersten Jahre seiner Karriere nicht so konstant war, weil er nach einer guten Phase gerne mal etwas nachgelassen hat und dann nicht mehr die Präsenz und Durchschlagskraft hatte, die eigentlich in ihm steckte. Er hat es aber angenommen, wenn ältere Spieler ihm etwas gesagt haben. Als er schließlich verinnerlicht hat, worauf es im Leben eines Fußballprofis ankommt und dass es harte Arbeit ist und Opfer erfordert, hat er noch mal einen großen Leistungssprung gemacht. Bayer-Trainer Roger Schmidt hat ihn in Leverkusen dann endgültig in die die Spur gebracht, so dass Karim dort völlig zurecht zum Nationalspieler geworden ist.

Domi Kumbela // Mittelstürmer // Eintracht Braunschweig

Mit Domi habe ich mich auf dem Platz blind verstanden. Er war ein kompletter Stürmer: schnell, torgefährlich, abschlussstark und war dank seines perfekten Timings einer der besten Kopfballspieler, die ich erlebt habe. Kein Wunder, dass er sowohl in der 3. Liga und 2. Bundesliga Torschützenkönig geworden ist und auch in der 1. Liga seine Buden gemacht hat.

Er war ein super Kollege, dessen Wort in der Kabine Gewicht hatte. Dazu war er ein Publikumsliebling und eine Stimmungskanone. Ich werde nie vergessen, wie er auf unserer Aufstiegsfeier Louis van Gaal imitiert hat!

Was mit dieser Traumelf möglich wäre

In meiner Traumelf steckt eine Menge Potential. Wenn alle ihre Leistung bringen, könnten wir mit der Mannschaft in der 1. Bundesliga eine gute Rolle spielen. Bei dieser Defensive würde hinten schon mal nicht viel anbrennen und vorne haben wir viel individuelle Qualität. Ein Euro-League-Platz wäre ambitioniert, aber nicht unmöglich.

Karriere-Insights

Meine besten Trainer

Drei Trainer haben bei mir nachhaltig Eindruck hinterlassen. Dieter Hecking hatte im Zusammenspiel mit seinem Co-Trainer Dirk Bremser eine super Trainingsgestaltung mit phänomenalen Inhalten. Da hat fast jedes Training Spaß gemacht, zumal er Offensivfußball hat spielen lassen. Auch sein Umgang mit uns Spielern war herausragend. Als Hecking von meinem Wechsel zum SC Freiburg Wind bekommen hatte, hat er mich auf dem Weg zum Waldlauf in sein Auto zitiert. Da wurde mir etwas mulmig zumute. Er war aber nicht beleidigt oder angegriffen, dass ich gehe, sondern hat mir zugesichert, dass es für ihn keine Rolle spielt und ich für ihn bis zu meinem Vertragsende ein 100prozentiges Mitglied der Mannschaft bin. Das hat mir imponiert.

Als junger Spieler unter Volker Finke zu trainieren, war das Beste, was mir passieren konnte. Er hat großen Wert aufs Spielerische gelegt. Es gab zum Beispiel Trainingseinheiten, wo man nicht grätschen durfte. Auch sein Umgang mit der Mannschaft war fantastisch. Er hat uns Spieler auch nach schwächeren Leistungen geschützt, hat nie jemanden in der Öffentlichkeit kritisiert, das passierte alles intern. Auch wenn es sportlich schlecht lief, hat er seine Linie besonnen weiterverfolgt und ist nicht in Aktionismus verfallen, nur um etwas Öffentlichkeitswirksames zu machen. Er hat es aber nicht gerne gesehen, wenn ein Spieler mit einem überdimensionierten Auto zum Training gekommen ist. Er selbst hatte einen alten Peugeot, kam aber meist mit dem Rad. Freiburg war vor allem auch dank ihm so familiär und ein besonderer Verein.

Zu Torsten Lieberknecht hatte ich vor allem zu meiner Zeit als Kapitän ein besonders gutes Verhältnis. Er hatte ein starkes Klubdenken und hat uns Spielern die Identifikation mit dem Verein vorgelebt und ihm ist es immer wieder gelungen, für ein gutes Teamgefüge zu sorgen. Als Trainer war er akribisch, vor allem was die Defensivarbeit anbelangt. Sein Motto lautete: Die Offensive gewinnt Spiele, aber die Defensive gewinnt Meisterschaften. Er war detailverliebt und hat stark auf Kleinigkeiten geachtet. Das hat aber nicht genervt, sondern wir haben gemerkt, dass es uns weitergebracht hat.

Mein schönster Aufstieg

Ich bin in meiner Karriere mehrmals aufgestiegen. Mit Lübeck in 2. Liga und mit Braunschweig zunächst in die 2. und dann in die 1. Bundesliga. Alle diese Aufstiege haben sich relativ früh abgezeichnet, so dass die natürlich schön und auch außergewöhnlich waren, wir uns aber darauf vorbereiten konnten.

Das emotionale Highlight meiner Karriere war die Qualifikation mit der Eintracht für die neue, eingleisige 3. Liga im Jahr 2008. Wir mussten dafür in der Saison am Ende mindestens den 10. Platz erreichen. Vor meinem Wechsel nach Braunschweig hatte ich Dogi gefragt, ob wir das mit der Mannschaft denn auch schaffen. “Ja, natürlich, gar kein Problem”, meinte er. Wir waren aber erst am letzten Spieltag 20 Minuten vor Schluss zum ersten Mal in der gesamten Saison über dem Strich. Knapper ging es nicht! Wenn ich daran denke, bekomme ich heute noch Gänsehaut. Das hat mir gezeigt, was hier bei der Eintracht möglich ist: Emotionen, der Zusammenhalt und die Aufbruchsstimmung sowie die außergewöhnliche Fanszene, die in guten und in schlechten Zeit zum Verein steht.

Der Werdegang von Dennis Kruppke

Jahre Verein Spiele (Tore)
1998–2003 VfB Lübeck 94 (17)
2003-2008 SC Freiburg 85 (4)
2007 VfB Lübeck (Leihe) 15 (7)
2008-2015 Eintracht Braunschweig 196 (61)

Bild: imago / Contrast

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