Simon Rolfes

Simon Rolfes

Nachdem ihm der Durchbruch bei Werder Bremen verwehrt geblieben ist, hat Simon Rolfes über den Umweg SSV Reutlingen und Alemannia Aachen 2005 den Sprung in die 1. Bundesliga und später auch in die Nationalmannschaft geschafft. Er stellt uns seine Traumelf vor, die es gespickt mit Hochkarätern locker mit Bayern München aufnehmen könnte. Zudem verrät er, was Jupp Heynckes als Trainer so außergewöhnlich macht und warum Marcelinho sein unangenehmster Gegenspieler war.

Die Traumelf von Simon Rolfes

Taktische Aufstellung

René Adler // Torwart // Bayer Leverkusen

Zu den Torhütern hatte ich immer einen guten Draht. Sei es mit Jens Lehmann bei der Nationalelf oder mit Hans-Jörg Butt, René Adler und Bernd Leno in Leverkusen. In meiner Traumelf stelle ich René ins Tor. Er kam Anfang 2007 aus dem Nichts. Er war acht Monate verletzt und war grade erst wieder zurück im Kader, als Butt für ein Spiel rot-gesperrt war und René kam daraufhin zu seinem ersten Einsatz. Wir haben das Spiel 1:0 gegen Schalke gewonnen – und das lag einzig und allein an René. Es war unfassbar, was er an diesem Tag alles rausgeholt hat. Unser damaliger Trainer Michael Skibbe hat ihn daraufhin im Tor gelassen. Was René dann in den nächsten zwei Jahren geleistet hat, war einfach gigantisch. Selbst wenn er angeschlagen ins Spiel ging, konnte ihn das nicht davon abhalten, Weltklasse-Leistungen zu zeigen. So etwas habe ich davor und danach mit keinen anderen Torhüter mehr erlebt. Für Hans-Jörg war es zwar bitter, seinen Stammplatz zu verlieren, aber über den Umweg Benfica Lissabon kam er noch für einige Jahre zu Bayern München und hatte dort einen wunderbaren Abschluss seiner Karriere.

Sami Hyypiä // Innenverteidiger // Bayer Leverkusen

Sami war ein fantastischer Verteidiger, der brillante Pässe spielen konnte. Noch bevor er an den Ball kam, hatte er schon eine Lösung nach vorne. Von ihm habe ich mir vieles abschauen können. Später wurde er unser Trainer. Er hatte zwar wenig Erfahrung als Trainer, aber hatte einen super Draht zu uns Spielern und wurde in der Mannschaft respektiert. Es war lange Zeit ein starkes Miteinander, doch als später die guten Ergebnisse ausgeblieben sind, wurde es schwieriger, so dass es schließlich zur Trainerentlassung kam.

Dani Carvajal // Rechter Verteidiger // Bayer Leverkusen

Wenn ich nicht nur Vereinskollegen aufstellen würde, sondern auch Mitspieler aus der Nationalmannschaft, ginge dieser Platz an Philipp Lahm. Wie bei einem Playstation-Spieler gab es bei ihm im Prinzip keine Stockfehler. Nicht nur deswegen war er einer der besten Rechtsverteidiger der Welt. Auf Vereinsebene fällt meine Wahl auf Daniel “Dani” Carvajal. Auch er ist ein Rechtsverteidiger, wie man sich ihn wünscht. Nach hinten aggressiv und stark im Zweikampf und nach vorne mit viel Tempo und einer super Technik. Er kam als Nachwuchsspieler von Real Madrid zu uns. Er war in den ersten Wochen ein ganz ruhiger Typ, der wenig gesprochen hat und nur auf wenige Einsätze kam. Doch dann kam unser Mannschaftsabend. Da hat Dani gemerkt, dass wir Deutschen ja auch locker und lustig sein können. Das hat ihm einen Schub versetzt. Anschließend ging er auch auf dem Platz ab wie eine Rakete. Von da an war er voll bei uns integriert und nicht mehr aus der Stammelf wegzudenken. Kein Wunder, dass Real ihn am Ende der Saison zurückgeholt hat und er dort in der folgenden Saison auf Anhieb als Stammspieler Champions-League-Sieger wurde.

Wendell // Linker Verteidiger // Bayer Leverkusen

Wendell ist ein super Typ, ein lustiger Vogel und ein richtig guter Linksverteidiger. Er ist schnell, hat eine starke Technik und kann vorne in 1-gegen-1-Situationen gehen. Er kann noch viel mehr, als er bislang in der Bundesliga gezeigt hat. Da schlummert noch so viel Potential in ihm, dass die Fans in Leverkusen noch einiges von ihm erwarten können.

Simon Rolfes // Defensives Mittelfeld

In meiner Traumelf möchte ich natürlich auch selbst mitspielen. In dieser Zusammensetzung hätte ich im defensiven Mittelfeld wahrscheinlich einiges zu tun, weil die anderen etwas offensiver und kreativer ausgerichtet sind. Zu meiner Zeit bei Alemannia Aachen war es anders herum. Reiner Plasshenrich hat auf der Sechs ordentlich aufgeräumt und ich habe versucht, die spielerischen Akzente zu setzen.

Arturo Vidal // Defensives Mittelfeld // Bayer Leverkusen

Arturo ist ein Verrückter, aber er hat auch ein großes und gutes Herz. Als er als junger Spieler zu uns kam, war er auf dem Platz noch ziemlich wild. Immer wenn er am eigenen 16er Gegner ausdribbeln wollte, habe ich innerlich die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Es war ein Glücksfall, dass mit Jupp Heynckes ein Trainer zu uns kam, der Spanisch sprechen und Arturo führen konnte. Jupp hat ihn geformt. Während unserer gemeinsamen Zeit in Leverkusen waren Arturo und ich ein super Duo. Ich hatte eher den strategischen Part inne und er ist in den Infight gegangen. Er ist ein Spieler, der bis zur letzten Minute alles für seine Mannschaft gibt. Im Laufe der Saison hat sich Arturo zu unserem besten Spieler entwickelt und ist anschließend zu Juventus Turin gewechselt.

Toni Kroos // Linkes Mittelfeld // Bayer Leverkusen

Toni hat eine brillante Technik und versteht den Fußball. Mit ihm konnte man ein super Kombinationsfußball aufziehen. Er kam damals als junger Spieler als Leihgabe von Bayern zu uns. Am Anfang hatte er bei uns noch keinen Stammplatz. Das hat sich aber geändert, als Heynckes ihm ein paar Dinge genannt hat, die er verbessern sollte. Das hat Toni angenommen, wurde körperlich fitter und hatte mehr Präsenz auf dem Platz, so dass er sich zu einem absoluten Stammspieler entwickelte. Da war schon zu erahnen, dass er ein einglaubliches Potential hat und er noch ganz viel erreichen kann. Auch dank seiner Einstellung war es für mich daher nur eine Frage des Timings, dass er sich nach seiner Rückkehr nach München auch bei den Bayern durchsetzte. Dass er ein paar Jahre später zu Real Madrid gegangen und dort als unangefochtener Stammspieler zweimal die Champions League gewonnen hat, spricht für sich.

Bernd Schneider // Rechtes Mittelfeld // Bayer Leverkusen

Wenn ich mit Bernd Schneider auf dem Platz stand, dachte ich immer, wie einfach das Fußballspielen doch ist. Man hat ihn angespielt und bekam den Ball perfekt zurückserviert. Mit Schnix Fußball zu spielen hat einfach riesigen Spaß gemacht. Es war eine tolle Zeit mit ihm. Außerhalb des Platzes war Bernd ein ruhiger Typ, aber auf dem Spielfeld wurde er nicht umsonst der “weiße Brasilianer” genannt. Sein einziges Manko war seine geringe Torausbeute. Er hat halt auch in aussichtsreichen Positionen immer noch mal abgespielt, um seine Mitspieler zu bedienen.

Johan Micoud // Zentrales Offensives Mittelfeld // Werder Bremen

Wenn ich an Micoud denke, bekomme ich heute noch Gänsehaut. Ich bin damals in Bremen aus der Jugend zu den Profis gekommen. Im Training musste ich immer gegen ihn spielen. Er war quasi nicht zu verteidigen, denn er hat den Stürmern den Ball mit einem Kontakt in die Gasse gespielt. Mit Fabian Ernst, Frank Baumann und Tim Borowski hatten wir damals sicherlich gute Spieler in unseren Reihen, aber wir waren trotzdem nur eine typische Platz-8-Mannschaft. Bis Micoud zu uns kam. Mit ihm war alles anders. Die ganze Mannschaft war anders. Er hat das Spiel verändert. Von da an waren wir eine Spitzenmannschaft. Er war der Taktgeber und hat die Spieler neben sich gut aussehen lassen. Es war unglaublich, wie ein einzelner Spieler eine Mannschaft so sehr seinen Stempel aufgedrücken und sie so viel besser machen konnte. So etwas habe ich in meiner Karriere kein zweites Mal erlebt. Dass wir 2004 Deutscher Meister geworden sind, lag vor allem an Micoud. Er wollte bei Werder zwar nicht Kapitän sein, aber er war trotzdem “Le Chef”. Selbst in meiner Traumelf mit den vielen starken Persönlichkeiten wäre er der legitime Mannschaftsführer.

Florian Bruns // Sturm // Alemannia Aachen

Florian ist mein Trauzeuge, daher bekommt er in meiner Traumelf den Vorzug vor Dimitar Berbatov. Florian war ein super Linksaußen, der auch zweite Spitze spielen konnte. Seine Qualitäten waren vor allem seine Schnelligkeit und seine herausragenden Fähigkeiten im Kombinationsspiel. Mit ihm auf dem Platz hat es immer viel Spaß gemacht.

In meiner Traumelf wäre Berbatov aber der erste Einwechselspieler, wenn vorne noch etwas passieren muss. Dimitar hatte eine unglaubliche Technik. Ihn konnte man auch total falsch anspielen, das war ihm im Prinzip egal. Seine Ballannahme war fantastisch, als ob der Ball von seinen Füßen magisch angezogen wurde. So konnte er selbst die unmöglichsten Bälle kontrollieren.

Stefan Kießling // Sturm // Bayer Leverkusen

Stefan und und ich haben über Jahre zusammengespielt und gemeinsam viele Zeiten erlebt. Er opfert sich für die Mannschaft auf, ist ein starker Kopfballspieler und kann den Ball sehr gut absichern. Den 2. Platz in der ewigen Torschützenliste von Leverkusen hinter Ulf Kirsten wird ihm so schnell niemand nehmen. Nicht nur wegen seiner vielen Tore ist er eine echte Identifikationsfigur für Bayer.

Was mit dieser Mannschaft möglich wäre

Es haben nicht alle zur gleichen Zeit gespielt, daher gibt es in dem Team große Altersunterschiede. Aber wenn in meiner fiktiven Traumelf jeder Spieler auf seinem Zenit wäre, würden wir mit dem Team ganz klar die Bayern herausfordern und um den Deutschen Meistertitel mitspielen.

Karriere-Insights

Mein bester Trainer

Das ist einfach: Jupp Heynckes. Er ist einfach brillant, eine echte Führungspersönlichkeit. Andere Trainer mögen vielleicht innovativer sein, aber Jupp lässt einen klaren, guten und erfolgreichen Fußball spielen. Wirklich außergewöhnlich ist sein Gespür für die Mannschaft und sein Umgang mit den Spielern. Er beschäftigt sich mit den einzelnen Charakteren, kümmert sich um alle Spieler und versucht wirklichen jeden nach vorne zu bringen. Er hat einen sehr guten Blick dafür, was jeder Einzelne besser machen muss und kann das auch vermitteln. Und wenn es sein muss, kann er auch mal ein Auge zudrücken.

Mein unangenehmster Gegenspieler

Marcelinho. Er war ein Ausdauerwunder und zudem richtig schnell, auch mit dem Ball. Zu allem Überfluss hatte er alle Freiheiten und lief ständig über den ganzen Platz. Man musste ihn also stören, bevor er den Ball bekam. Doch bei seiner Spielweise war es fast unmöglich, eng an ihm dran zu bleiben. Obwohl ich selbst konditionsstark war, wusste ich in den Spielen gegen Hertha oft nach zehn Minuten nicht, wie ich das bis zum Spielende durchhalten soll. Ich war immer verdammt froh, wenn wir in Ballbesitz waren, Marcelinho ausgewechselt wurde oder das Spiel frühzeitig zu unseren Gunsten entschieden war. Dann hat er etwas die Lust verloren und ist nicht mehr so viel gelaufen.

Meine Zweitligasaison bei Alemannia Aachen

Das Jahr in Aachen in der 2. Liga werde ich immer in guter Erinnerung behalten. Es fühlte sich im besten Sinne an wie eine richtige Dorftruppe. Es ging ziemlich locker zu, aber wenn Training oder Spiel war, haben sich alle voll reingehängt. Diese Kombination aus Spaß und Engagement war wirklich besonders und hat uns in der Saison so erfolgreich gemacht. Vor allem Erik Meijer und Willi Landgraf haben den Laden zusammengehalten und für den Spirit gesorgt, der uns durch die Spielzeit trug. Die beiden hatten immer einen Spruch auf Lager und waren mit ihrer Einstellung ein Vorbild für alle anderen.

Mein kuriosestes Angebot

Direkt nach meinem Karriereende hatte ich einen Anruf von einem sportlichen Leiter eines örtlichen Bezirksligisten. Er würde mich gerne verpflichten und hätte auch schon mit seinem Trainer abgestimmt, dass ich auf der 6er Position spielen könnte. Was ich während des Telefonats lange als großen Spaß empfand – und auf die Versteckte Kamera wartete – meinte er aber völlig ernst. Am Ende des Telefonats musste ich ihm dann also leider absagen.

Die Karriere nach der Karriere

Parallel zu meiner Profi-Karriere habe ich ein Sportmanagement-Studium abgeschlossen und 2012 die “Rolfes & Elsässer – The Career Company”, eine Karriereberatung für Sportler, gegründet, wo ich auch Geschäftsführer bin.

Der Werdegang von Simon Rolfes als Spieler

Jahre Verein Spiele (Tore)
2000–2004 Werder Bremen 0 (0)
2003 SSV Reutlingen (Leihe) 13 (0)
2004-2005 Alemannia Aachen 28 (3)
2005–2015 Bayer Leverkusen 288 (41)

Bildcredits: Simon Rolfes

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