Marc Arnold

Marc Arnold

Was Marc Arnold in seiner Profi-Laufbahn erlebt hat, reicht eigentlich für zwei Karrieren: neun Vereine, vier Ligen, drei Aufstiege und ein Meistertitel. Zudem wäre er um ein Haar mit Südafrika bei WM 1998 in Frankreich dabei gewesen. Genauso bunt wie seine sportliche Vita ist auch seine Traumelf aus früheren Mitspielern, wo vom Stuttgarter „Local Hero“ bis zu „Europas Fußballer des Jahres“ alles vertreten ist.

Die Traumelf von Marc Arnold

Taktische Aufstellung

Marc Arnold Traumelf

Marc Arnold über…

Oliver Adler // Torwart // Hessen Kassel

Oliver Adler hatte über zehn Jahre für Rot-Weiß Oberhausen gespielt und wollte seine Karriere eigentlich schon beenden. Doch als wir in Kassel dringend Verstärkung für die Torwartposition brauchten, hatte mein Vater die Idee, Oliver zu fragen, ob er nicht noch eine Saison dranhängen möchte. Daraus sind letztlich drei Jahre geworden, in denen wir mit ihm und dank ihm von der Oberliga in die Regionalliga Süd, damals die 3. Liga, aufgestiegen sind.

Als Torwart war Oliver einer von der alten Schule. Mit der modernen Spielweise eines Manuel Neuers hatte er nicht viel am Hut. Aber das Wichtigste als Keeper ist nun einmal, die Kiste sauber zu halten. Und das ist ihm mit seinen herausragenden Reflexen und seiner großen Routine oft gelungen. So unkonventionell wie sein Torwartspiel war Oliver auch als Typ: Im Sommer hat er bei Temperaturen um die 30 Grad in der Halbzeitpause nicht etwa Wasser getrunken, sondern eine Kanne Kaffee. (lacht)

Júlio César // Innenverteidiger // Borussia Dortmund 

Julio Cesar kam 1994 von Juventus Turin zum BVB. Seine Integration verlief problemlos, weil Steffen Reuter und Andy Möller durch ihre Zeit bei Juventus Turin italienisch sprechen konnten und Julio zudem auch deutsch gelernt hat. Für Brasilianer nicht untypisch, kam er hin und wieder zu spät, aber dann hat er einfach sein Geldbeutel gezückt und die Strafe ohne Murren gezahlt.

Für mich ist Julio der beste Spieler, mit dem ich zusammen auf dem Platz gestanden habe. Er war beidfüßig, enorm schnell, physisch stark und strahlte trotz seiner kräftigen Statur eine unheimliche Eleganz aus. Sein souveränes Auftreten auf dem Platz grenzte teilweise an Arroganz, aber mit seiner Qualität konnte er sich das erlauben.

Dirk Schuster // Innenverteidiger // LR Ahlen

LR Ahlen, heute Rot Weiss Ahlen, hatte in der Saison 2000/01 nach dem Aufstieg in die 2. Bundesliga bis zum 7. Spieltag nur 2 Punkte auf dem Konto. Nach dem Fehlstart wurde Peter Neururer als neuer Trainer verpflichtet. Dieser durfte die Mannschaft verstärken und hat ein paar ältere, bundesligaerfahrene Spieler verpflichtet, unter anderem Dirk Schuster und mich.

Auf dem Platz kannte Dirk keine Freunde und ist selbst im Training mit 110 Prozent in die Zweikämpfe gegangen. Im Winter hat er sich Schrauben unter die Stollen geschraubt, mit denen er mir im Trainingsspiel den Schuh aufgeschlitzt hat! (lacht) Wir Mitspieler haben ihm seine Spielweise aber nicht übel genommen, denn dadurch waren die Motivation und Konzentration im Training durchgehend hoch. Wir haben in der Saison eine furiose Aufholjagd gestartet und hatten am letzten Spieltag der Saison 2000/01 sogar noch die theoretische Chance, in die 1. Bundesliga aufzusteigen!

Knut Reinhardt // Linker Verteidiger // Borussia Dortmund

Knut war ein toller Teamkollege und in Dortmund mit seiner bodenständigen Art der absolute Publikumsliebling. Wenn er den Ball hatte, hallte ein langgezogenes »Knuuuut« aus der Kurve. Fußballerisch war er mit seiner Dynamik, Kampfkraft und schnörkellosen Spielweise in der damaligen Dortmunder Mannschaft voller Edeltechniker wichtig für die Balance in unserem Spiel.

Heute ist Knut an einer Schule in einem Dortmunder Problemviertel Lehrer und macht dort mit seiner bodenständigen Art sicher einen ebenso tollen Job wie früher im Westfalenstadion.

Wolfgang Wolf // Rechter Verteidiger // Stuttgarter Kickers

Als ich bei den Stuttgarter Kickers aus der A-Jugend zu den Profis kam, war Wolfgang Wolf Mannschaftskapitän und für mich mit seiner Einstellung und seinem Einsatz ein großes Vorbild. Auch in meiner Traumelf sollte er die Kapitänsbinde tragen. In der Kabine hat er oft das Wort ergriffen und kleine Motivationsreden gehalten. Damit hat er unseren Trainer Rainer Zobel unterstützt, für den es die erste Station als Cheftrainer im Profifußball war. Es lag schon damals auf der Hand, dass Wolfgang nach seiner aktiven Karriere selbst Trainer werden würde.

Andreas Schmidt // Defensives Mittelfeld / Hertha BSC

Andreas Schmidt kam bei der Hertha mit seinem Zwillingsbruder Oliver aus der eigenen Jugend über die 2. Mannschaft in den Profi-Kader. Er war ein absoluter Underdog, den niemand auf der Rechnung hatte. Es schien, als sei ihm die Rolle eines Lückenfüllers zugedacht, damit wir im Training auch mal 11 gegen 11 spielen konnten. Doch letztlich hat er in seiner ersten Profi-Saison 30 Spiele gemacht und ist sogar ins Blickfeld des Bundestrainers geraten!

Andreas war ein Phänomen. An seinem Spiel war nichts außergewöhnlich oder spektakulär. Außer sehr viel zu laufen, konnte er nichts besonders gut. Er war ein grundsolider Spieler mit einer soliden Technik und einem ordentlichen Kopfball, der auf dem Rasen die einfachen Dinge gemacht hat und unfassbar konstant war. Man hat ihn im Spiel kaum wahrgenommen, doch für die Mannschaft war er ungemein wichtig. In Berlin hat er für die 1. und 2. Mannschaft zusammen fast 500 Spiele gemacht, ist aber immer auf dem Boden geblieben und zum Publikumsliebling geworden. Ich mag solche Spieler, die nicht das große Talent haben, sich aber voll reinhängen und das Maximum aus ihren Fähigkeiten herausholen.

Matthias Sammer // Defensives Mittelfeld // Borussia Dortmund

In Dortmund war Matthias Sammer die unumstrittene Führungsfigur und die rechte Hand von Trainer Ottmar Hitzfeld, auch in Taktikfragen ein wichtiger Ansprechpartner. Es war ganz klar abzusehen, dass er selbst mal Trainer werden würde, zumal Matthias die jüngeren Spieler schon so behandelt, als ob er selbst der Trainer wäre. (lacht)

Der BVB war Mitte der 1990er Jahre noch vor den Bayern die beste Mannschaft in Deutschland. In dem Team voller Top-Stars wie Reuter, Cesar, Zorc, Möller, Riedle und Chapuisat ging es für Hitzfeld weniger darum, ihnen das Fußballspielen beizubringen, sondern alle bei Laune zu halten, zu motivieren und als Team zusammenzuhalten. Hier war Matthias mit seinen Ansprachen ein ganz wichtiger Faktor und hat dem Trainer viel Arbeit abgenommen.

Als Spieler wurde Matthias teilweise auf seine Führungsqualitäten, seine Einsatzbereitschaft und seinen Siegeswillen reduziert. Das wird ihm aber nicht gerecht. Herausragend waren auch seine Dynamik, Antizipation und Beidfüßigkeit. Nachdem er in den letzten Jahren seiner Karriere vom defensiven Mittelfeld auf die Liberoposition gewechselt ist, kamen seine Stärken sogar noch mehr zum Tragen. Er war ein fantastischer Fußballer und wurde 1996 nach dem Gewinn des EM-Titels nicht umsonst zu »Europas Fußballer des Jahres« gewählt.

Bryan Roy // Linkes Mittelfeld // Hertha BSC

Bryan Roy kam 1997 nach dem Aufstieg in die 1. Bundesliga als Königstransfer nach Berlin. Als niederländischer Nationalspieler war er für die Hertha eine große Nummer. Leider konnte er die hohen Erwartungen nicht voll erfüllen. Ich denke, dass er in Deutschland nicht so recht zum Zug kam, weil hier ein anderer Fußball gespielt wurde als bei seinen Stationen in Holland und Italien, wo der Fußball weniger physisch, sondern eher taktisch geprägt war. Für mich war er dennoch ein außergewöhnlich guter Spieler mit starken Dribblings und einem erstklassigen linken Fuß. Ich habe selten so einen leichtfüßigen Fußballer gesehen.

Roy war ein lebensfroher Mensch, mit dem ich mich sehr gut verstanden und viel unternommen habe. Er hat nie den Star raushängen lassen, sondern hat sich wunderbar ins Team integriert. Und durch seine Zeit in Italien hat er außerdem einen gewissen modischen Lifestyle in die Mannschaft gebracht. (lacht)

Ralf Vollmer // Rechtes Mittelfeld // Stuttgarter Kickers

Ralf Vollmer hat seine ganze Profikarriere bei den Kickers verbracht und ist in Stuttgart bis heute eine Legende. Er hatte regelmäßig Anfragen von anderen Vereinen, ist den Kickers aber immer treu geblieben.

Ralf ist ein waschechter Schwabe, der für unser Team als Typ und Spieler enorm wichtig war. Es hat einfach großen Spaß gemacht, mit ihm zusammenzuspielen. Auf der rechten Seite hat er wunderbar mit Wolfgang Wolf harmoniert und die Gegner immer wieder vor Probleme gestellt. Mit seinem tiefen Körperschwerpunkt und schnellen Drehungen, war er unheimlich geschickt darin, sich von seinem Gegenspieler zu lösen. Vor allem in den Heimspielen im Degerloch-Station war er eine Waffe und hat viele Tore gemacht.

Markus Feinbier // Stürmer // LR Ahlen

Markus Feinbier war schnell, kopfballstark, spielintelligent, hatte einen Torriecher und einen super Abschluss. Mit seinen Fähigkeiten hätte er eigentlich Nationalspieler werden müssen, doch ihm hat teilweise die richtige Einstellung zu seinem Beruf gefehlt. Als wir zusammen in Ahlen gespielt haben, neigte sich seine Karriere schon dem Ende entgegen. In unseren zwei gemeinsamen Jahren haben wir aber super harmoniert und uns gegenseitig viele Tore aufgelegt. Auch dank seiner Tore und unseres guten Teamspirits wären wir mit unserer »Rentnertruppe«, wie wir uns selbst spaßeshalber genannt haben, fast noch in die 1. Liga aufgestiegen.

Stephane Chapuisat // Stürmer // Borussia Dortmund

Stephane Chapuisat ist der beste Linksfuß, mit dem ich zusammengespielt habe. Er war zudem ein Schlitzohr und Instinktfußballer, der das Spiel intuitiv verstanden hat. Allerdings hatte er keine nennenswerten physischen Fähigkeiten, sodass er in den Zweikämpfen mit den Abwehrspielern eigentlich klar unterlegen war. Seine vielen Tore sind umso bemerkenswerter, weil die Stürmer in Zeiten von Haudegen wie Jürgen Kohler und Jens Melzig noch so richtig was auf die Socken bekommen haben, wie es heute mit den vielen Kameras und der Superzeitlupe gar nicht mehr möglich ist. Doch Stephane hat es fast wie von Zauberhand geschafft, sich den Attacken zu entziehen und seine Tore zu machen.

Marc Arnold im Spiel Hertha BSC gegen den VfL Wolfsburg in der Saison 1997/98
Marc Arnold im Spiel Hertha BSC gegen den VfL Wolfsburg in der Saison 1997/98. Bild: Imago Sportfoto

Karriere-Insights von Marc Arnold

Mein bester Trainer

Meine individuell beste Zeit hatte ich in Ahlen unter Peter Neururer, der ein überragender Motivator war. Er hat mir so lange eingebläut, dass ich der beste Spielmacher der 2. Liga bin, bis ich es schließlich selbst geglaubt und auch so gespielt habe. (lacht) Ich habe in der Saison 13 Tore geschossen und noch einige Treffer aufgelegt. Wenn er unser Team in der Saison 2000/01 schon ab Saisonbeginn trainiert hätte, wären wir womöglich tatsächlich mit Ahlen in die 1. Liga aufgestiegen!

Neururers Fähigkeiten als Fußballlehrer sind unumstritten. Leider hat er sein Können außer in Bochum bei keinem Verein dauerhaft unter Beweis stellen können. Vielleicht hätte er sich hin und wieder nur auf das Sportliche und sein eigenes Team konzentrieren sollen, als sich auch allzu gerne zu allen möglichen anderen Dingen zu äußern.

Meine schönste Station 

Ich habe in meiner Karriere für neun Vereine gespielt, denen ich mich noch allen verbunden fühle. Meine schönste Zeit hatte ich aber in Berlin. Als abzusehen war, dass es für mich in Dortmund nicht weiter ging, bin ich Anfang 1996 in der Winterpause zur Hertha gewechselt. Mit mir kamen Altin Rraklli, Falko Götz und Trainer Jürgen Röber neu dazu. Nach der Wiedervereinigung war die Hertha als Hauptstadtklub ein schlafender Riese, der unbedingt in die 1. Liga wollte, doch der Klub stecke sportlich in einer Sackgasse. In der Rückrunde sind wir sogar noch in Abstiegsgefahr geraten, bevor wir in der Folgesaison auch Dank der finanziellen Unterstützung von UFA Sports und weiterer Verstärkungen die Kurve bekommen haben, und in die Bundesliga aufgestiegen sind. In der Aufstiegssaison herrschte in der Stadt eine riesige Euphorie. Ich werde nie die Partie am Montagabend gegen den 1. FC Kaiserslautern vergessen, bei dem 75.000 Zuschauer ins Olympiastadion kamen und unseren Heimsieg bejubelt haben.

Mit Trainer Jürgen Röber hat mich übrigens eine Art Hassliebe verbunden. Erst hat er voll auf mich gesetzt und dann war ich bei ihm komplett abgeschrieben, bis ich mich schließlich doch noch durchgesetzt und mir meinen Stammplatz zurückgekämpft hatte. Neben dem Aufstieg in die Bundesliga hat auch das meine Zeit in Berlin für mich so besonders gemacht.

Meine verhinderte WM-Teilnahme mit Südafrika

Vor der WM 1998 in Frankreich wurde ich vom südafrikanischen Nationaltrainer in den vorläufigen 24-Mann-Kader berufen und war mit im Trainingslager. Ich war damals 27 Jahre alt und bis dahin noch nie bei der Bafana Bafana dabei gewesen. Ich bin zwar in Johannesburg geboren, hatte jedoch keine doppelte Staatsbürgerschaft. Zu dem Zeitpunkt hatte ich bereits den Antrag für den südafrikanischen Pass unterschrieben. Doch letztlich wurde ich vom Trainer noch als einer von zwei Spielern aus dem WM-Kader aussortiert. Hierbei waren allerdings weniger sportliche Gründe ausschlaggebend. Stattdessen war es vielmehr eine politische Entscheidung, weil ich als deutscher Neuling, der bis dahin keine Verbindung zum südafrikanischen Team hatte, sonst einem verdienten Nationalspieler den Platz weggenommen hätte. Ich wäre natürlich gerne mitgefahren, aber als Spieler hat man solche Dinge nicht in der Hand und ist von Entscheidungen der Trainer und Funktionäre abhängig.

Mein Weg zum Manager

Da ich schon als Spieler darauf spekuliert habe, nach meiner aktiven Karriere weiterhin im Profifußball zu arbeiten, habe ich immer ein Auge drauf gehabt, wie es bei den Vereinen hinter den Kulissen abläuft und was neben dem Sportlichen noch alles dazugehört, einen Verein möglichst erfolgreich zu führen, wie zum Beispiel das Scouting, die Vermarktung, die PR-Arbeit und die Medienbetreuung.

Im Alter von 34 Jahre bin ich von Braunschweig zu Hessen Kassel gewechselt, weil der Verein mir für die Zeit nach meiner Karriere eine berufliche Perspektive im Marketing angeboten hat. Als Kassel zwei Jahre später auf der Suche nach einem Manager war und ich dafür als Kandidat auserkoren wurde, habe ich kurzerhand ja gesagt und meine Fußballschuhe eine Saison früher als geplant an den Nagel gehängt. Nur rund ein Jahr später bekam ich von Eintracht Braunschweig das Angebot, dort als Sportlicher Leiter zu arbeiten, wo bis 2018 zehn Jahre lang zu großen Teilen erfolgreich tätig war.

Werdegang von Marc Arnold

Jahre Verein Spiele (Tore)
1990–1992 Stuttgarter Kickers 3 (0)
1992-1993 Freiburger FC 28 (12)
1993-1994 SSV Ulm 1846 34 (24)
1994–1995 Borussia Dortmund 9 (0)
1996–1998 Hertha BSC 65 (5)
1998–2000 Karlsruher SC 37 (3)
2000-2003 LR Ahlen 68 (17)
2003-2004 Eintracht Braunschweig 26 (4)
2005-2007 Hessen Kassel 52 (17)
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