Joachim Streich

Joachim Streich

Joachim Streich hält Rekorde für die Ewigkeit: Seine 229 Tore in der DDR-Oberliga sowie seine 102 Länderspiele mit 55 Treffern für die DDR-Nationalmannschaft kann dem “Gerd Müller des Ostens” niemand mehr nehmen. Hier stellt der zweifache DDR-Fußballer des Jahres seine Traumelf aus ehemaligen Teamkameraden bei Hansa Rostock und dem 1. FC Magdeburg vor und erinnert sich dabei an viele Größen des DDR-Fußballs sowie an den Sieg seiner Nationalelf gegen die BRD bei der WM 1974.

Die Traumelf von Joachim Streich

Taktische Aufstellung

Traumelf Aufstellung von Stürmer Joachim Streich

Dirk Heyne // Torwart // 1. FC Magdeburg

Dirk Heyne war zu seiner Zeit einer der besten Torhüter der DDR-Oberliga. Nach der Wende hat er sein Können noch drei Jahre bei Borussia Mönchengladbach unter Beweis gestellt. Auf der Linie war er unheimlich stark und trotz seiner Größe von 1,90 m sehr beweglich. Ein echter Führungsspieler, der großen Einfluss auf die Mannschaft genommen hat. Als ich nach dem Ende meiner aktiven Karriere in Magdeburg Chef-Trainer geworden bin, war er mein Stammtorwart, ein wichtiger Ansprechpartner und großer Rückhalt der Mannschaft.

Gerd Kische // Rechter Verteidiger // Hansa Rostock

Kische war ein Baum von einem Kerl und trotz seiner Statur unfassbar schnell. Er war der schnellste Fußballer, den ich jemals kennengelernt habe. Die 100 Meter lief er in 10,7 Sekunden. Selbst Leute wie heute Timo Werner oder Kylian Mbappé wären ihm nicht weggelaufen. Er war viele Jahre Nationalspieler und Teil der DDR-Olympiaauswahl, die 1976 bei den Olympischen Spielen in Montreal die Goldmedaille geholt hat.

Manfred Zapf // Innenverteidiger // Hansa Rostock

In meiner Traumelf würde Manfred Zapf die Kapitänsbinde tragen, denn war ein richtiger Führungsspieler. Er war kein Filigrantechniker, sondern wusste auf dem Platz mit seinem herausragenden Kopfballspiel und seiner ungeheuren Zweikampfstärke zu überzeugen. Dabei war er hart, aber nicht unfair. Wenn Kische und Zapf zusammen auf dem Platz standen, konnte hinten nicht viel anbrennen. In Magdeburg ist er bis heute eine Legende, spielte insgesamt 467 Mal für den Verein.

Dirk Stahmann // Innenverteidiger // Hansa Rostock

Stahmann ist über zehn Jahre jünger als Zapf und wurde in Magdeburg dessen Nachfolger als Abwehrorganisator. Die beiden waren sich recht ähnlich. Auch Dirk war groß und kräftig, zweikampfstark, hart gegen sich selbst und gegen andere. Im Laufe der Zeit hat er sich zu einem Führungsspieler entwickelt und in dieser Rolle einen positiver Einfluss auf die Mannschaft ausgeübt. In der DDR-Nationalmannschaft brachte er es auf 46 Einsätze.

Helmut Hergesell // Linker Verteidiger // Hansa Rostock

Hergesell hat sich nicht einfach auf seine Abwehrarbeit beschränkt, sondern sich bei fast jeden Angriff mit vorne eingeschaltet. Er hat gute Flanken geschlagen und selbst Tore gemacht. Heute wird diese Spielweise von den Außenverteidigern verlangt, Ende der 1960er Jahre war es außergewöhnlich. Ihm ging es bei seinen Vorstößen aber nicht darum, selbst zu glänzen, sondern hatte dabei das Wohl der Mannschaft im Sinn. Überhaupt war er stets der gute Geist der Mannschaft.

Wolfgang Seguin // Defensives Mittelfeld // 1. FC Magdeburg

“Paule” Seguin war ein super Typ, der viel zur positiven Stimmung in der Mannschaft beigetragen hat. Auch sportlich war er für uns enorm wichtig. Auf dem Platz war er ein Arbeitstier, dem kein Weg zu weit war. Er kam über die Zweikämpfe ins Spiel und hat den Offensivspielern den Rücken freihalten. Trotzdem hatte er die Fähigkeiten, in der Offensive Akzente zu setzen. Mit vielen meiner Mitspieler von damals habe ich heute noch Kontakt, auch Paule gehört dazu.

Wolfgang Steinbach // Linkes Mittelfeld // 1. FC Magdeburg

“Maxe” Steinbach kurbelte das Spiel auf der linken Seite 90 Minuten unermüdlich an. Er war stark im Dribbling und hatte einen großen Offensivdrang. Als Typ war er immer gut drauf und für jeden Spaß zu haben. Ein Kumpel zum Pferde stehlen.

Jürgen Pommerenke // Rechtes Mittelfeld // 1. FC Magdeburg

Pommerenke ist wohl der beste Fußballer, mit dem ich jemals zusammengespielt habe. Er war ein großartiger Techniker, beidfüßig, hatte ein hohes Spielverständnis und war enorm flexibel. Vom Libero bis zum Mittelstürmer konnte Jürgen jede Position spielen und die von ihm verlangte Rolle optimal ausfüllen. Seine Lieblingsposition war im Mittelfeld, hier kamen seine vielen Qualitäten am besten zum Tragen. Seine Erfolge sprechen für ihn: mehrfacher Meister und Pokalsieger, Europapokalsieger der Pokalsieger, Bronzemedaillengewinner bei Olympia 1972 und DDR Fußballer des Jahres 1975.

Herbert Pankau // Zentrales Mittelfeld // Hansa Rostock

Als ich in Rostock zu den Profis kam, hat Pankau das Spiel im Mittelfeld geprägt und mich schwer beeindruckt. Er war von der Anlage her ein Spieler wie Pommerenke, auch wenn er nicht ganz so flexibel war und seine Stärken nicht unbedingt im Kampf um den Ball hatte. Dafür war er im Spiel mit dem Ball herausragend. Das lag vor allem an seinen großen technischen Fähigkeiten, seinem hohen taktischem Verständnis und seinem starken rechten Bein.

Martin Hoffmann // Linksaußen // 1. FC Magdeburg

Hoffmann war ein typischer Linksaußen, der im Spiel unermüdlich Gas gegeben hat. Er hat jahrelang unsere linke Angriffsseite verkörpert. Von dort hat er mit seinem starken linken Fuß viele Tore aufgelegt und selbst geschossen. Trotz seiner Größe von nur 1,72 m war er aufgrund seines guten Timings enorm kopfballstark.

Für die jungen Spieler war Martin ein Vorbild, weil er immer mit hoher Einsatzbereitschaft gespielt hat und der erfolgreichste Fußballer der DDR-Fußballgeschichte ist: zweimal Meister, viermal Pokalsieger, Europapokalsieger 1974, WM-Teilnehmer 1974 und Olympiasieger 1976.

Joachim Streich // Mittelstürmer

Als junger Spieler in Rostock musste ich mir die Position im Sturm erst gegen die Etablierten erarbeiten. Wegen meiner überschaubare Defensivarbeit musste ich des Öfteren Kritik einstecken, doch meine Qualitäten lagen nun mal nicht zwischen den Strafräumen, sondern eindeutig im und am gegnerischen Strafraum. Ob bei Hansa, in Magdeburg oder in der Nationalmannschaft, als Mittelstürmer konnte ich meiner Mannschaft am besten helfen. Und darum geht es beim Fußball: dass nicht jeder das spielt, worauf er Lust hat, sondern die Aufgaben übernimmt, mit denen er am meisten zum Erfolg des Teams beitragen kann. Die Zahlen belegen, dass mir das recht gut gelungen ist (lacht).

Karriere-Insights

Mein unfreiwilliger Wechsel von Rostock zu Magdeburg

Nach dem Abstieg von Rostock nach der Saison 1974/75 wollte ich eigentlich zu Carl Zeiss Jena wechseln. Mit Trainer Hans Meyer war ich mir schon einig, doch die Funktionäre des DDR-Fußballverbands haben den Wechsel ohne Begründung abgelehnt. Stattdessen wurde ich vor die Wahl gestellt: entweder in Rostock bleiben oder zum 1. FC Magdeburg gehen. Weil ich statt in der 2. Liga in einer Spitzenmannschaft spielen wollte, habe ich mich für den Wechsel entschieden und die Situation so angenommen.

Zwar wurde ich in meiner Karriere nie von einem Bundesligaklub kontaktiert, aber wenn ich gewollte hätte, hätte ich mich bei den zahlreichen Fahrten ins Ausland in den Westen absetzen können. Damit wäre ich nicht der Erste gewesen. Spieler wie Norbert Nachtweih oder Jürgen Pahl haben es vorgemacht. Doch für mich kam das nie infrage, auch weil ich schon mit 20 Jahren geheiratet hatte und als Fußballer ein privilegiertes Leben hatte und die ganze Welt bereisen konnte.

Unser Sieg bei der WM 1974 gegen die BRD

Ich selbst stand in unserem siegreichen WM-Spiel gegen die BRD nicht auf dem Platz. Weil ich in der vorherigen Partie gegen Chile nicht meinen besten Tag hatte, hat mich Trainer Georg Buschner auf die Bank gesetzt. Die WM-Teilnahme war für unsere Mannschaft ein großes Erlebnis, das Duell gegen die BRD im Prinzip aber ein ganz normales WM-Spiel. Für uns hatte die Partie zu der Zeit nicht die Bedeutung, die ihr später beigemessen wurde. Wir waren aufgrund unserer Siege gegen Australien und Chile schon vor dem Anpfiff für die nächste Runde qualifiziert, so dass wir frei aufspielen konnten. Sportlich waren die nächsten drei Spiele gegen Holland, Brasilien und Argentinien für uns nicht minder wichtig. Abgesehen davon war es für uns ja nicht das erste Mal, dass wir gegen die BRD gewonnen hatten. Schon bei der Olympiade 1972 haben wir die BRD-Auswahl, die damals unter anderem mit Uli Hoeneß, Ottmar Hitzfeld und Bernd Nickel angetreten ist, mit 3:2 besiegt.

Mein größtes Erlebnis

Ich bin dreimal Pokalsieger und vier mal Torschützenkönig geworden, aber dass ich über 100 Länderspiele machen konnte, ist für mich der größte Erfolg. Das ist nur wenigen Fußballern vergönnt. Mein 100. Länderspiel wird mir daher ewig in Erinnerung bleiben, zumal es gegen England im legendären Wembley-Stadion stattfand. Zwar haben wir gegen die Peter Shilton, Tony Woodcook, John Barnes und Co. mit 0:1 verloren, aber das kann meinen Stolz über meinen 100. Einsatz im Nationaltrikot nicht trüben.

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Der Werdegang von Joachim Streich als Spieler

Jahre Verein Spiele (Tore)
1969–1975 Hansa Rostock 141 (58)
1975-1985 1. FC Magdeburg 237 (171)

Bildcredit: imago / Ferdi Hartung

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