Frank Plagge

Frank Plagge

Für die ganz große Karriere hat es bei Frank Plagge nicht gereicht, doch bei Eintracht Braunschweig und dem VfL Wolfsburg hat er einige Jahre in der 1. und 2. Bundesliga Profi-Luft geschnuppert und dabei jede Menge erlebt. Hier stellt er seine Traumelf aus früheren Teamkollegen vor, erzählt vom Angeln mit Horst Hrubesch und schildert, wie ein bierseliger Kneipenabend mit Siggi Reich und Olaf Ansorge im Jahr 1991 den Grundstein für die erfolgreiche Zukunft des VfL gelegt hat.

Die Traumelf von Frank Plagge

Taktische Aufstellung

Frank Plagge - Traumelf - Aufstellung

Burkhard Kick // Torwart // VfL Wolfsburg

„Kicki“ kam 1991 als Ersatztorwart vom VfR Eintracht Nord Wolfsburg zum VfL, wurde aber schnell Stammkeeper, nachdem sich die etatmäßige Nr 1. Jörg Hossbach verletzt hatte. Kicki spielte als Neuling eine super Saison. Vor allem in der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga im Jahr 1992 hat er seine Qualitäten gezeigt.

Kicki konnte man übrigens auch guten Gewissens im Feld spielen lassen. Nach seiner Zeit beim VfL hat er für Eintracht Braunschweig in der Regionalliga Nord sogar ein paar Partien als Feldspieler bestritten. Seine Spezialität: Fallrückzieher. Damit stand er Klaus Fischer in Nichts nach.

Legendär waren die Team-Besprechungen auf dem „Torwartzimmer“ mit Kicki und Ersatz-Keeper Uwe „Bulli“ Bullmann bei Auswärtsspielen. Die beiden hatten nicht nur unsere Kaltgetränke gelagert, sondern bei ihnen im Zimmer haben wir auch mit der ganzen Mannschaft unsere Prämienverhandlungen besprochen und ohne Trainer Uwe Erkenbrecker Taktikbesprechungen gemacht. Fachlich war Erkenbrecher seiner Zeit voraus, aber sein Umgang mit uns Spielern war schwierig. Teilweise haben wir abends beim Bier die Taktik eigenhändig umgekrempelt, wenn wir von seiner Marschroute nicht überzeugt waren.

Dieter Winter // Rechter Verteidiger // MTV Gifhorn

Mit Dieter „Pimpel“ Winter kam ich 1981 als Neuzugang zum MTV Gifhorn in die Amateur Oberliga Nord, damals die dritthöchste Spielklasse. Während er ein erfahrener 2.-Liga-Stürmer vom VfL Wolfsburg war, kam ich als 18-jähriger Jungspund vom Dorfverein SV Calberlah. Sympathisch war er mir auf den ersten Blick nicht, aber mit der Zeit wurden wir beste Freunde und ich habe noch sehr viel von ihm lernen können. Als ich ihn beim 3. Training „getunnelt“ habe, hat er sich dafür zwar revanchiert, aber mir auch eine erfolgreiche Zukunft bescheinigt.

Unsere Wege haben sich immer wieder gekreuzt. Als ich gut zehn Jahre später mit dem VfL in die 2. Bundesliga aufgestiegen bin, war Pimpel unser Co-Trainer. Wiederum einige Jahre später war ich Spielertrainer beim SV Calberlah und er stand mit 39 Jahren als beinharter Libero in meinem Team. Früher ging es auf dem Platz noch deutlich härter zu als heutzutage. Pimpels beidbeinig eingesprungene Grätsche “zum Ball“ war so legendär wie gefürchtet, rote Karten gab es dafür in den 1980ern noch nicht.

Hans-Heinrich „Heiner“ Pahl // Innenverteidiger // Eintracht Braunschweig

Mit dem „Blonden“ habe ich jahrelang zusammen auf dem Platz gestanden, erst zwei Jahre bei der Eintracht und dann fünf Jahre beim VfL. Als Heiner nach Wolfsburg kam, haben wir im Trainingslager das Zimmer geteilt. Heiner musste dann oft bei Licht und lauten Gesprächen einschlafen, denn bei uns war das Kartenzimmer, in dem täglich “gelupft” oder “geramscht” wurde.

Im Training haben wir uns nicht selten gegenseitig weggegrätscht und im Spiel die Meinung gegeigt. Aber wir haben uns immer wieder vertragen und dann Seite an Seite für den Sieg gekämpft. Auch schön: Wenn ein Gegenspieler mich allzu hart attackiert hatte, hat Heiner sich den Übeltäter gemerkt und mich im Laufe des Spiels gerächt (lacht).

Peter Kleeschätzky // Innenverteidiger // VfL Wolfsburg

Peter Kleeschätzky ist einer der Großen der VfL-Geschichte. Er ist der einzige Spieler, der in Wolfsburg in der 3., 2. und 1. Liga gespielt hat. Im Jahr 1991 kam Peter als ungeschliffener Diamant zum VfL. Er kämpfte sich in der Hinrunde ins Team und war dann nicht mehr aus der Mannschaft wegzudenken.

Seinen Spitznamen “Gucci” bekam er früh von uns verpasst, weil er bei einer der ersten Mannschaftssitzungen ein rosa Gucci-T-Shirt trug. Der Spitzname begleitet ihn bis heute.

Thorsten Kohn // Linker Verteidiger // VfL Wolfsburg

„Icke“ kam 1991 als junger Spieler von den HSV Amateuren zum VfL. Wir hatten schon einige Male gegeneinander gespielt, wodurch er unsere Mannschaft vor seinem Wechsel in schlechter Erinnerung hatte. Das lag unter anderem daran, weil ich auf dem Platz immer eine große Klappe hatte und auch gerne mal hingelangt habe. Somit kam er mit einigen Vorurteilen zu uns. Diese konnten wir aber schnell ausräumen, als er gemerkt hat, was für einen guten Zusammenhalt wir in der Mannschaft haben. Wir nahmen ihn unter unsere Fittiche und er führte sich mit guten Leistungen schnell ins Team ein.

Wir spielten zwar nur ein Jahr zusammen, haben später aber zusammen eine Junioren-Mannschaft des VfL trainiert – ich als Chef- und er als mein Co-Trainer.

Uwe Beese // Defensives Mittelfeld // VfL Wolfsburg

Mit Uwe „Papa“ Beese stand ich erst drei Jahre beim MTV Gifhorn und dann noch ein paar Jahre beim VfL zusammen auf dem Rasen. Ein Bombentyp, bei allen hoch anerkennt. Auf dem Platz war er stets zur Stelle, auf ihn konnten wir uns immer verlassen. Vor allem war er eine Laufziege und nicht totzukriegen. Das galt auch für unsere Abschlussfahrten nach Malle, ein Feierbiest. (lacht)

Michael Geiger // Rechtes Mittelfeld // Eintracht Braunschweig

Eigentlich war Micha rechter Verteidiger, aber in meiner Traumelf muss er etwas weiter vorne ran. Mit ihm zusammen haben ich viele Schlachten geschlagen und unzählige Male bei Auswärtsfahrten im Bus Karten gespielt. Nach zwei gemeinsamen Jahren in Braunschweig wechselten wir 1986 zeitgleich zum VfL Wolfsburg, wo wir weitere sechs Jahre Teamkollegen waren. Bis heute in Erinnerung geblieben sind seine kläglichen Schussversuche mit links, wenn er von rechts in die Mitte gezogen ist und er dann niemand anspielen konnte oder wollte. Das muss er sich heute noch von mir anhören. (lacht)

Noch eine kleine Anekdote: 1992 im ersten Aufstiegsspiel beim BFC Dynamo Berlin durften wir am Vorabend beim Essen genau ein Bier trinken. Also hatte jeder von uns den ganzen Abend auch nur genau eine Flasche auf dem Tisch. Die Rechnung für die circa 30 Flaschen unter dem Tisch hat Micha am nächsten Tag übernommen (lacht). Nach unserem Aufstieg in die 2. Bundesliga habe ich der Aller-Zeitung ein Interview gegeben, das die Schlagzeile “Warsteiner machte uns stark“ hatte.

Roy Präger // Linkes Mittelfeld // VfL Wolfsburg Traditionsmannschaft

Als Roy 1995 nach Wolfsburg wechselte, hatte ich meine Karriere beim VfL soeben beendet und war erst fünf Jahre später wieder als Amateur- und Juniorentrainer im Verein aktiv. Von da an liefen wir uns regelmäßig über den Weg und haben später zusammen in der Traditionsmannschaft des VfL Wolfsburg gespielt. Er ist einer der Gesichter des Vereins und verkörpert den VfL wie kein Zweiter.

Roy war immer für eine Überraschung gut. Ich erinnere mich noch an ein Hallenturnier in Gera, als wir auf dem Heimweg zum Hotel noch Fans trafen und Roy ihnen aus dem Trikotkoffer die Nummern 2 bis 11 schenkte, so dass wir am nächsten Tag beim Turnier in Senftleben mit den Nummer 12 bis 21 auflaufen mussten. Mit ihm unterwegs zu sein und gemeinsam auf den Platz zu stehen, macht einfach ungeheuren Spaß. Das gilt auch für die „3. Halbzeit“ oder wenn wir zusammen golfen gehen. Mit dabei in unserem Golf-Club ehemaliger VfL-Profis sind unter anderem “Gucci” Kleeschätzky, Matthias Stammann, Heiner Pahl, Jürgen Rische, Michael Spies und Ingo Eismann.

Olaf “Ole” Ansorge // Offensives Mittelfeld // VfL Wolfsburg

Olaf war ein einzigartiger Spieler und vorbildlicher Kapitän. Ein Typ bester Freund, mit dem ich nicht nur beim Fußball durch dick und dünn gegangen bin. Spätestens als “Ole” in Wolfsburg Kapitän geworden ist, war er der Macher im Team. Weil wir einen engen Draht zueinander hatten, haben wir uns gemeinsam stark für die Mannschaft und den Verein engagiert, sowohl auf dem Platz als auch darüber hinaus. Eine unserer größten Taten vollbrachten wir dabei in der Kneipe “Alibi” in Fallersleben: Als unser Neuzugang und Top-Stürmer Siggi Reich 1991 ordentlich Stress mit unserem damaligen Trainer Uwe Erkenbrecher hatte, wollte er die Brocken hinschmeißen und den Verein wechseln. Also trafen wir uns drei in der Kneipe in einem Hinterzimmer und haben solange diskutiert und Bier getrunken, bis Siggi sich zum Weitermachen entschieden hatte. Wer weiss, wo der VfL heute spielen würde, wenn uns das nicht gelungen wäre, denn mit seinen vielen Toren hatte Siggi maßgeblichen Anteil an der weiteren positiven Entwicklung des Vereins.

Nach unserem Karriereende haben Ole und ich zusammen die VfL Wolfsburg Traditionsmannschaft gegründet. Leider verstarb er viel zu früh nach einer schweren Krankheit, aber für mich wird er auf ewig unvergessen bleiben.

Siegfried “Siggi” Reich // Stürmer // VfL Wolfsburg

Zu Siggi braucht man eigentlich nicht viel sagen. Die Bilanz von 189 Toren in 388 Ligaspielen spricht für sich. Als er 1991 von Bayer Uerdingen zum VfL kam hieß es überall, dass wir beide nicht zusammen spielen könnten. Aufgrund meiner vielen Verletzungen stimmte das zunächst sogar, doch in der Aufstiegsrunde 1992 hatten wir unsere großen Zeit: Während Siggi in jedem Spiel traf, lief ich um mein Leben und habe Löcher in der Abwehrreihen gerissen. Wir harmonierten so gut, dass wir nicht aufzuhalten waren und am Ende der sechs Spiele der verdiente Aufstieg stand. Auch heute verstehen wir uns noch gut und denken gerne an früher zurück.

Frank Plagge // Mittelstürmer

Ich war mit meinen 1,71 Metern zwar immer der Kleinste, aber Größe wird ja bekanntlich nicht in cm gemessen. Ich musste mir halt immer etwas einfallen lassen, um mich durchzusetzen. Letztlich habe ich überall meine Tore geschossen, unter anderem alle vier Tore in einer Halbzeit bei unserem 4:0 Sieg in einem Zweitligaspiel für Eintracht Braunschweig gegen Aschaffenburg. Mit meinem Einsatz und meinen Toren habe ich es geschafft, mir meinen großen Traum vom Profi-Fußball zu erfüllen, auch wenn ich erkannt habe, dass es nicht zu der ganz großen Karriere reichen würde. Dazu kamen mir auch zu viele Verletzungen und die eine oder andere überflüssige rote Karte in die Quere. Voll-Profi war ich nur zwei Jahre in der 1. Liga und 2. Liga bei Braunschweig, ansonsten habe ich immer hauptberuflich bei VW gearbeitet, wo ich auch heute noch im Bereich IT-Service tätig bin. Fußball und Arbeit unter einen Hut zu bringen war nicht immer ganz einfach, aber letztlich würde ich (fast) alles wieder genauso machen, denn ich kann auf eine schöne, ereignisreiche und erfolgreiche Fußballkarriere zurückblicken.

Karriere-Insights


Video: Die VfL-Legenden Frank Plagge, Holger Ballwalz und Siggi Reich erinnern sich an den Einzug mit Wolfsburg ins DFB-Pokalfinale 1995 gegen Borussia Mönchengladbach

Meine besten Trainer

Wolf-Rüdiger “Wölfi” Krause hat mich erst vom SV Calberlah zum MTV Gifhorn und später von Eintracht Braunschweig zum VfL Wolfsburg geholt. Er hat mir sehr viel beigebracht, wozu auch seine vielen Sondertrainings für mich beigetragen haben – übrigens immer alles mit dem Ball. Noch heute treffen wir uns beim Golfen und erinnern uns gerne an die guten alten Zeiten.

Horst Hrubesch kam 1988 als Nachfolger von Krause zum VfL. Er war noch ein junger Trainer, dem von Vereinsseite viele Versprechungen gemacht worden waren, die dann allerdings nicht eingehalten wurden. Er wollte aus mir zu Beginn ein Kopfballungeheuer machen, aber nach zwei Einheiten im Trainingslager in Barsinghausen hat auch er eingesehen, dass das nichts wird. Horst war ein super Typ, aber fachlich kam von ihm damals nicht viel. Er war noch zu sehr Profi und wollte am liebsten mitspielen. Zudem waren die Bedingungen für ihn nicht optimal. Wir waren nur Amateure, die über Tag gearbeitet haben und nur abends trainieren konnten. Wie Horst sich später noch als Trainer entwickelt und welche Erfolge er erreicht hat, nötigt mir höchsten Respekt ab.

Noch eine schöne Anekdote: Mit Horst waren wir zweimal pro Saison angeln. Als er dabei einmal nicht hingeschaut hat, haben wir an den Angelhaken eine Flasche Flensburger befestigt. Ich habe noch ein Video davon, wie er dran gezogen und einen großen Fisch erwartet hat. Ein Bild für die Götter! (lacht) Diese und weiteren Anekdoten aus seiner Zeit beim VfL stehen auch in seiner Biographie.

Mein bester Gegenspieler

Nachdem ich Anfang 1985 in Braunschweig gegen den VfB Stuttgart mit Karl-Heinz Förster mein zweites Bundesligator geschossen hatte, mussten wir im Sommer im DFB-Pokal wieder gegen Stuttgart ran. Mein Gegenspieler Karl-Heinz Förster nahm mich dieses Mal völlig aus dem Spiel. Ich hatte nullkommanull Chancen. Wo ich auf dem Platz hinwollte, er war schon da oder klärte souverän per Tackling. So eine Lehrstunde habe ich nie wieder bekommen.

Mein schönstes Fußballerlebnis

Der Höhepunkt meiner Karriere war für mich die vierwöchige erfolgreiche Aufstiegsrunde 1992 mit dem VfL Wolfsburg, als wir uns in Hin- und Rückspielen gegen Zwickau, Union Berlin und den BFC Dynamo Berlin durchgesetzt haben. Wir waren als Amateure nur Außenseiter, doch der Teamgeist war der Schlüssel zu unserem Erfolg. Wir haben nur mit Bier gedopt, aber was für Farben die Pillen der Gegner gehabt haben, will ich gar nicht wissen. Ganz sauber waren die nicht. Und trotzdem haben wir uns durchgesetzt. Die vier Wochen waren nicht nur sportlich ein Highlight, sondern auch weil wir einen unglaublich guten Teamspirit hatten.

Der Werdegang von Frank Plagge

Jahre Verein Spiele (Tore)
1981–1984 MTV Gifhorn 88 (48)
1984–1986 Eintracht Braunschweig 61 (15)
1986–1992 VfL Wolfsburg 155 (103)
1992–1993 SV Grün-Weiß Calberlah – (-)
1993–1995 VfL Wolfsburg 7 (0)

Bildcredits: imago sportfoto

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