Bernard Dietz

Bernard Dietz

Ruhrpottlegende Bernard „Ennatz“ Dietz ist bis heute der torgefährlichste Abwehrspieler der Bundesligageschichte. In 529 Spielen hat er 78 mal getroffen. Zudem führte er die Deutsche Nationalmannschaft bei der EM 1980 als Kapitän zum Titel. Hier stellt er seine Traumelf aus ehemaligen Mitspielern von seinen beiden Vereinen MSV Duisburg und Schalke 04 vor und blickt dabei auf seine Karriere zurück.

Die Traumelf von Bernard Dietz

Taktische Aufstellung

Bernard Dietz - Traumelf-Aufstellung

Gerhard Heinze // Torwart // MSV Duisburg

Gerhard sah mit seinen 1,75 m nicht unbedingt wie ein Torhüter aus. Mit seiner Größe hätte er zu heutiger Zeit keine Chance gehabt. Aber mit seiner ungeheuren Sprungkraft hat er das kompensiert. Zudem war er mit seinen Reflexen auf der Linie einfach bärenstark.

Michael Bella // Rechter Verteidiger // MSV Duisburg

Als ich zum MSV Duisburg kam, war Bella schon Nationalspieler, stand beim EM-Triumpf der Deutschen 1972 im Kader, auch wenn er da nicht zum Einsatz gekommen ist. Damals war es noch kein so großes Turnier wie heute, sondern es gab bei der Endrunde nur vier Teilnehmer. Michael war ein beinharter Verteidiger, ein Manndecker alter Schule. Für die gegnerischen Stürmer war es kein Zuckerschlecken, gegen ihn antreten zu müssen.

Kees Bregman // Libero // MSV Duisburg

Kees war immer unser letzter Mann. Ein super Fußballer, von der spielerischen Qualität her war er für mich ein zweiter Beckenbauer. Früher war die technische Ausbildung noch nicht so gut wie heute, aber er konnte mit dem Ball umgehen. Er war allerdings auch ein Bruder Leichtfuß, der immer für einen Bock gut war. Vor allem mit dem Dribbeln am eigenen Strafraum hat er es manchmal übertrieben und dabei den Ball verdaddelt.

Bernard “Ennatz” Dietz // Linker Verteidiger

In der Defensive hatte ich meine Stärken im Zweikampf. Wenn ich direkt gegen den Mann arbeiten konnte, war ich in meinem Element. Es gab sicher schnellere Spieler als mich, aber mit meinem Spielverständnis konnte ich das kompensieren. Ich hatte ein Auge für die Situation und hatte ein gutes Gefühl dafür, wie ich stehen musste, wann ich attackieren musste und wann ich besser abgewartet habe. Außerdem war ich ziemlich torgefährlich. Wenn wir 20 Minuten vor Spielende im Rückstand waren, hat der Trainer nach vorne beordert. Obwohl ich Abwehrspieler war, stehe ich in der ewigen Torschützenliste des MSV Duisburg mit 70 Toren knapp hinter Ronni Worm immer noch auf Platz 2. In einem Spiel gegen die Bayern musste ich Kalle Rummenigge decken und habe trotzdem vier Buden gemacht, während er torlos blieb. Immer, wenn ich ihn treffe, halte ich vier Finger hoch. (lacht) Meine Traumelf würde ich gerne als Kapitän aufs Feld führen, wie ich das auch jahrelang in Duisburg und bei der Nationalmannschaft gemacht habe.

Manfred Dubski // Rechtes Defensives Mittelfeld // MSV Duisburg

Dubski war ein Dauerläufer, ein Arbeitstier, den konntest du aufziehen und er hat das Spielfeld abgemessen. Den musstest du nicht lange suchen, Manfred war immer da, wo der Ball war. Zudem war er enorm kampfstark.

Herbert „Bobbel“ Büssers // Linkes Defensives Mittelfeld // MSV Duisburg

Bobbel war noch so eine Pferdelunge, der über das Kämpferische kam. Wahnsinn, was der auf dem Platz für Kilometer abgerissen hat. Wenn wir den Ball hatten, dann hat er das Spiel nach vorne getrieben, da ging die Post ab. Und sobald wir den Ball verloren haben, hat er den Rückwärtsgang eingelegt. Fürs spielerische und strategische waren andere zuständig, aber solche Typen wie Dubski und Bobbel brauchst du in der Mannschaft.

Ronald “Ronni” Worm // Linksaußen // MSV Duisburg

Ronni hat auf der linken Seite Alarm gemacht, da ging er mit seiner Schnelligkeit ab und konnte gute Flanken schlagen. Zudem war er wendig, trickreich und mit seiner linke Klebe auch sehr torgefährlich. Mit seinen Qualitäten hat er es auch zum Nationalspieler geschafft, war bei der WM 1978 im Kader. Nach seiner Karriere wurde er Trainer von einer Damenmannschaft.

Rüdiger Abramczik // Rechtsaußen // Schalke 04

Abramczik war ein Flankengott, die Dinger waren ein Geschenk für die Stürmer. Er war ein begnadeter Fußballer, ungeheuer trickreich und mit seinen Übersteigern schwer auszurechnen. Auch als Typ es super, Abi im Team zu haben. Er hatte immer einen lockeren Spruch auf der Lippe und hat Scherze gemacht.

Olaf Thon // Offensives Mittelfeld // Schalke 04

Olaf kam mit 17 Jahren aus der Jugend zu uns ins Team, da war sofort klar, dass er ein außergewöhnlicher Spieler ist. Er konnte das Spiel lesen, wollte immer den Ball haben und hatte das Auge, um seine Mitspieler in Szene setzen. Ein Tag nach seinem 18. Geburtstag fand das legendäre “Jahrhundertspiel” im DFB-Pokal gegen Bayern München statt. Beim 6:6 – wir waren damals noch Zweitligist – hat er drei Tore gemacht, das war seine Sternstunde, die ihn von heute auf morgen in ganz Deutschland bekannt gemacht hat.


Video: Das Jahrhundertspiel Schalke vs. Bayern mit dem Originalkommentar von Eberhard Figgemeier

Kurt Jara // Zentrales Mittelfeld // MSV Duisburg

Kurt war ein Techniker, ein richtig guter Fußballer, dem man gerne zugeschaut hat. Mit seinem linken Fuß konnte er alles machen. Er war zwar kein großer Torjäger, aber mit seiner Schusskraft konnte er aus der zweiten Reihe gefährlich werden oder den Stürmern den Ball gefühlvoll servieren. Kurt war übrigens damals Teil der österreichischen Nationalmannschaft, die uns der WM 1978 aus dem Turnier gekegelt hat. Bei der Schmach von Cordoba haben wir uns auf dem Platz gegenübergestanden.

Rainer Budde // Mittelstürmer // MSV Duisburg
Rainer war mit seinen knapp 1,75 m ein quirliger Spieler und hat sich im Strafraum durchgewuselt. Ein Gerd-Müller-Typ. Er strahlte Gefahr aus und wusste mit seinem Torriecher, wo er zu stehen hatte. Er war sich auch für die Kümmeltore aus zwei Metern nicht zu schade.

Karriere-Insights

Mein Weg zum Profi

Ich war in der Jugend nie in einer Auswahlmannschaft, habe aber schon mit 17 beim SV Bockum-Hövel in der Landesliga gespielt und eine Menge Tore geschossen. Als ich mit 22 in der Saison 1969/70 in den ersten zehn Spielen 19 Buden gemacht habe, sind höherklassige Vereine auf mich aufmerksam geworden. Vom MSV wurde ich zu einem Probetraining eingeladen und habe dort einen Profi-Vertrag bekommen. Die ersten eineinhalb Jahre habe ich Linksaußen gespielt, aber das war nicht meine Position, dafür fehlte mir die Schnelligkeit. Als wir dann in England bei einem Turnier angetreten sind, sollte ich aus Personalnot hinten aushelfen. Beim Kick-und-Rush der Engländer habe ich alles weggehauen, was da angeflogen kam. Von da an war klar, dass ich in der Abwehr deutlich besser aufgehoben bin.

Das Training in den 1970ern

Das war schon kriminell, was damals im Training mit uns veranstaltet wurde. Das lief unter dem Motto: Entweder du marschierst oder du krepierst. Wer schlapp gemacht hat, wurde schnell aussortiert. Was wir früher gelaufen sind, darf man heute eigentlich keinem mehr erzählen. Oft auch 400 Meter mit Medizinbällen, Treppen rauf und wieder runter. Es hat seine Wirkung aber nicht verfehlt. Wir konnten zwei Spiele hintereinander machen, so viel Kraft hatten wir. Ich habe mich immer gefreut, wenn wir englische Wochen hatte, dann mussten wir weniger trainieren. Aber dennoch will ich für kein Geld der Welt auch nur eine Sekunde von meiner Karriere abgeben. Das Zusammengehörigkeitsgefühl, die Kameradschaft, das war einmalig.

Meine besten Trainer

In meiner Karriere haben mich drei Trainer besonders geprägt. Rudi Faßnacht hat mich in Duisburg zum Profi gemacht. Bei ihm mussten wir im Training zwar rennen wie die Idioten, aber er hat erkannt und es honoriert, wenn ein Spieler alles gegeben hat und es wirklich wollte. Leider ist er später bei dem Flugunglück mit der Concorde in Paris ums Leben gekommen. Unter Willibert Kremer bin ich Nationalspieler geworden. Und Otto Knefler hat mir den letzten Schliff gegeben. Bei ihm mussten wir nicht groß Kondition bolzen, sondern haben richtig Fußball trainiert. Ich war sein Kapitän und Ansprechpartner auf dem Platz, habe mich viel mit ihm ausgetauscht.

Meine Vereinstreue

1975 stand ich kurz vor einem Wechsel zu Eintracht Frankfurt, was sich auch schon herumgesprochen hatte. Als ich seinerzeit nach dem Training zu meinem Auto gegangen bin, kam ein Familienvater mit seiner Frau und seinen zwei kleinen Kindern auf mich zu, er weinte und flehte mich an: “Ennatz, Sie dürfen uns nicht verlassen!”. Während der Autofahrt nach Hause habe ich die ganze Zeit darüber nachgedacht, noch eine Nacht drüber geschlafen und der Eintracht am nächsten Tag schließlich abgesagt. Fünf Jahre später hatte ich ich noch ein Angebot von Cosmos New York, wo ich mit Franz Beckenbauer und Pelé hätte zusammenspielen können. Aber letztlich war ich zu heimatverbunden, als dass ich vom Ruhrpott nach New York gegangen wäre.

Bernard Dietz‘ Stationen als Spieler

Jahre Verein Spiele (Tore)
1970–1982 MSV Duisburg 394 (70)
1982-1987 FC Schalke 04 135 (8)

Bildcredits: imago/Sportfoto Baumann

Tipico Sportwetten

Kommentiere diese Traumelf

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.