Bernd Franke

Bernd Franke

“Adler” Bernd Franke war hinter Sepp Maier und Toni Schumacher rund zehn Jahre die Nr. 2 im Tor der Nationalmannschaft. Trotz lukrativer Angebote von Bayern München, dem 1. FC Kaiserslautern, Eintracht Frankfurt und Ajax Amsterdam ist er Eintracht Braunschweig trotz zweier Abstiege 14 Jahre treu geblieben und in dem Verein zur Torwart-Legende geworden. Das spiegelt sich auch in seiner persönlichen Traumelf wider, die wie ein All-Star-Team des BTSV daherkommt. Dabei erinnert er sich an außergewöhnliche Mitspieler, den knallharten Trainer Branko Zebec und die knapp verpasste Deutsche Meisterschaft.

Die Traumelf von Bernd Franke

Taktische Aufstellung 

Traumelf von Torwart Bernd Franke

Bernd Franke // Torwart

In der Saarland-Auswahl war ich bis zum 17. Lebensjahr Feldspieler. Weil ich beidfüßig und recht athletisch war, konnte ich im Prinzip alle Positionen spielen. Unter dem damaligen Verbandstrainer Jupp Derwall bin ich dann eher zufällig ins Tor gegangen und wurde nur ein paar Jahre später zum ersten Mal als Torhüter zur Nationalmannschaft eingeladen. Zu meinem großen Pluspunkt zählte neben meiner Sprungkraft, dass ich viel Ruhe ausgestrahlt habe und keine Nervosität kannte. Natürlich sind auch mir mal Fehler passiert, aber es musste keiner Angst haben, dass ich nach einem Patzer plötzlich unsicher oder unkonzentriert war. Ich konnte das abhaken und habe einfach weitergespielt. Das ist eine Qualität, die ich heutzutage sehr an Manuel Neuer schätze, der für mich einer der besten Torhüter aller Zeiten ist. Mein Vorbild in der Jugend war Hans Tilkowski, der beim Wembley-Tor im Kasten stand.

Wenn ich in meiner Traumelf nicht selbst zwischen den Pfosten stehen würde, sollte der Platz an Uwe Hain gehen. Von allem Torhüter-Kollegen hatte ich zu Uwe den besten Draht. Ich habe es ihm sehr gegönnt, dass er später nach seiner Rückkehr vom HSV zurück nach Braunschweig endlich die Nr. 1 wurde. Uwe ist übrigens der 17 Jahre ältere Bruder von Matthias Hain, der später bei Arminia Bielefeld im Tor stand. 

Wolfgang Grzyb // Rechter Verteidiger

Wolfgang war ein knallharter Verteidiger und ein großartiger Teamplayer. Auf ihn war Verlass, seine Aussetzer konnte man an einer Hand abzählen. Er war nicht nur im Zweikampf stark, sondern verfügte ebenfalls über einen großen Offensivdrang. Mit seinem platzierten Schüssen aus der zweiten Reihe konnte er richtig torgefährlich werden. Im Training musste ich mich oft strecken, um seine Bälle abzuwehren.  

Franz Merkhoffer // Linker Verteidiger

In der Liste der Rekordspieler von Eintracht Braunschweig steht nur “Pferde-Franz” vor mir. Aufgrund seiner Pferdelunge haben wir ihn so genannt. Im Spiel ist er die linke Seite unablässig rauf und runter gerannt und hat den Außenstürmern der Gegner regelmäßig die Lunge aufgerissen. Karl-Heinz Rummenigge denkt sicher noch heute ungern an die Duelle zurück, weil er in den Spielen gegen Franz immer so viel nach hinten arbeiten musste. 

Friedhelm Haebermann // Libero

So gut wie auf dem Platz bin ich mit Friedhelm ebenso außerhalb des Rasens ausgekommen. Er hatte ein gutes Auge für die Spielsituationen, war kaum aus der Ruhe zu bringen und sehr kopfballstark. In der Defensive war er ein Terrier, der keine Angst vorm Zweikampf hatte. 

Reiner Hollmann // Vorstopper

Reiner war ein Abfangjäger, von der Spielweise vergleichbar mit Javier Martinez bei Bayern München zu seinen besten Zeiten. An “Holli” kamen nicht viele Angreifer vorbei. Und wenn doch, dann waren sie selbst schuld, weil sie es dann noch mit Haebermann aufnehmen mussten. Das war für die Stürmer kein Vergnügen. Friedhelm und Reiner haben sich auf dem Rasen blind verstanden und das Zentrum dicht gemacht. Das hat mir sicher unzählige Paraden und viele Gegentore erspart.

Wolfgang Dremmler // Rechtes Mittelfeld

Auch Wolfgang war so ein kampf- und konditionsstarker Terrier, der sich in seinen Gegenspieler festbeißen konnte. Er war der ideale Mann, wenn es darum ging, den gegnerischen Spielmacher zu beackern und auszuschalten. Wolfgang war unfassbar beständig, ich kann mich an kaum ein schlechtes Spiel von ihm erinnern. 1979 ist er nach München gewechselt und war für die Bayern in der Folgezeit genauso unverzichtbar wie für uns. 

Hans “Hasse” Borg // Linkes Mittelfeld

“Hasse” kam 1977 als schwedischer Nationalspieler zu uns und ist bis 1983 bei der Eintracht geblieben. Er war ein rundum guter Fußballer, der in der Abwehr und im Mittelfeld spielen konnte. Außergewöhnlich waren sein hervorragendes Kopfballspiel und sein gutes Auge für die Mitspieler.

Karl-Heinz Handschuh // Zentrales Mittelfeld

In unserer Braunschweiger Mannschaft, in der wir oft viele Kämpfernaturen hatten, stach Charlie mit seinen technischen Fähigkeiten heraus. Er war ein begnadeter Spielmacher, beidfüßig und mit einem exzellenten Spielverständnis ausgestattet. Er hat unser Spiel gelenkt und fast alle Angriffe eingeleitet.

Ich bin überzeugt, dass wir in der Saison 1976/77 Deutscher Meister geworden wären, wenn Charlie nicht ein paar Spieltage vor Saisonende wegen einer meiner Meinung nach unberechtigten Roten Karte gesperrt worden wäre. So erreichten wir hinter Gladbach und Schalke mit lediglich einem Punkt Rückstand leider nur den 3. Platz. 

Danilo Popivoda // Rechtsaußen

Trainer Branko Zebec hatte “Popi” aus Slowenien von Olimpija Ljubljana nach Braunschweig geholt und es dauerte nicht lange, bis er der Publikumsliebling war. Popi war eine Wucht! Leider wurde er häufig schwer gefoult und hat einige Verletzungen davon getragen. Dennoch war er keiner, der sich vom harten Einsteigen der Abwehrspieler den Schneid abkaufen ließ. Er wusste sich zu wehren, konnte genauso nickelig sein und hat sein Spiel konsequent durchgezogen.

Popi war quirlig wie kein Zweiter, sehr schnell, technisch stark und oft nur mit einem Foul vom Ball zu trennen. Wenn ich Flanken oder Ecken abgefangen habe, konnte ich die Bälle quasi blind weit nach vorne auf die rechte Seite werfen. Popi ist dann direkt in den Raum gelaufen, hat sich den Ball geschnappt und ist mit hohem Tempo nach vorne gestürmt, um selbst ein Tor zu machen oder den Ball gefährlich aufzulegen.

Bernd Gersdorff // Linksaußen

Bernd war lange Kapitän und eine Institution in Braunschweig. Auch in meiner Traumelf sollte er die Binde tragen. Er war läuferisch stark, hatte einen direkten Zug zum Tor und mit seinem linken Fuß einen verdammt starken Abschluss. Er wusste einfach wo das Tor stand! Bernd war aber nicht nur sportlich ein Gewinn für uns, sondern mit seiner angenehmen, kumpelhaften und selbstbewussten Art ebenso ein wichtiger Faktor für die Stimmung in unserer Mannschaft. 

Ronald Worm // Mittelstürmer

Roland kam als Nationalspieler aus Duisburg zu uns. In seiner ersten Saison bei uns sind wir zwar abgestiegen, aber er ist trotzdem in Braunschweig geblieben und hat uns im nächsten Jahr mit seinen 30 Treffern in der 2. Liga fast alleine zum direkten Wiederaufstieg geschossen.

Ronnie wusste seinen Körper geschickt einzusetzen, war schnell und mit einem unglaublichen Schuss gesegnet. Er hat nicht lange gefackelt und sofort abgezogen, sobald sich ihm eine Schusschance aufgetan hat.

Karriere-Insights von Bernd Franke

Video: Eintracht Braunschweig mit Bernd Franke im Tor beim 3:1-Sieg gegen Bayern München im Jahr 1981 

Mein bester Trainer

Branko Zebec, mit dem ich vier Jahre zusammengearbeitet habe, war ein hervorragender Trainer und ein ebenso außergewöhnlicher Typ. Er ist selbst ein Weltklassespieler gewesen, hatte eine große Autorität und war einfach ein schlauer Fuchs. Er wusste genau, wie Spieler ticken, sodass man ihm nichts vormachen konnte. Wenn wir mal ausbüchsen wollten, hat er schon am Treffpunkt auf uns gewartet. (lacht)

Sowohl im Training als auch in der Ansprache war er knallhart. Aber unsere Mannschaft konnte gut damit umgehen, weil wir gemerkt haben, dass er das Optimum aus uns rausholt. Zebec war in der Bundesliga einer der ersten Trainer, der Raumdeckung spielen ließ. Für unsere Mannschaft war das ideal. Mit dem System konnten wir Mannschaften besiegen, die eigentlich besser waren als wir. 

Meine Karriere in der Nationalmannschaft

Ich war zehn Jahre lang festes Mitglied der Fußball-Nationalmannschaft. Leider hat mir eine Verletzung die Teilnahme an der Weltmeisterschaft 1978 in Argentinien verhagelt, aber dafür war ich 1982 bei der WM in Spanien dabei. Insgesamt saß ich über 40 Mal auf der Bank und stand in sieben A-Länderspielen im Tor, von denen ich kein einziges verloren habe. 

Meine Konkurrenten im DFB-Tor waren erst Sepp Maier und später Toni Schumacher. Mit Sepp Maier hatte ich ein super Verhältnis. Ihn habe ich sportlich und als Menschen sehr geschätzt. Es ist mir heute noch jedes Mal eine Freude, wenn wir uns sehen. Mit Toni war es anders. Er war zweifelsohne auch ein guter Torwart, aber sonst hat mich nichts mit ihm verbunden. Nach dem Training ist jeder seines Weges gegangen. Auch unser Trainingseifer war unterschiedlich. Er hatte konditionell nichts auf dem Kasten, sodass ich ihn beim Lauftraining regelmäßig überrundet habe. (lacht) Zum Sport gehört für mich dazu, sich quälen zu können, davor habe ich mich nie gedrückt.

Meine Karriere nach der Karriere

Wie viele Ex-Profis, die ein seriöses Image hatten, habe ich nach meiner aktiven Karriere als Repräsentant für Adidas gearbeitet, insgesamt 25 Jahre. Frühere Mitspieler wie Bernd Gersdorff und Dieter Zembski aus Braunschweig sowie Uwe Seeler und Wolfgang Overath aus dem DFB-Team waren zudem in meinem zweiten Berufsleben meine Kollegen. Ich war in der Gegend Saarland, Mannheim, Karlsruhe und Luxemburg für den Vertrieb von Sportschuhen zuständig. Am Anfang war ich viel im Auto unterwegs, doch später verlagerte sich mein Job mehr und mehr ins Büro. 

Anschließend habe ich noch eine dritte Karriere gestartet, als Trainer von Tennisprofi Kristina Barrios, Sie stammt aus dem gleichen Ort wie ich und war 2006 Deutsche Meisterin. Als sie gemerkt hat, dass sie ohne spezielles Konditionstraining nicht weiterkommt, kam es dazu, dass ich sie gut sieben Jahren bei fast jedem ihrer Turniere auf der Tour begleitet habe. Ihre beste Platzierung in der Weltrangliste war der 55. Platz. Der Fokus meines Trainings mit ihr lag im konditionellen Bereich, doch ich war selbst ein ganz passabler Tennisspieler und habe nach meiner Zeit bei der Eintracht in der Regionalliga Tennis gespielt, was die höchste Amateurklasse war. Da bin ich teilweise gegen Davis-Cup-Spieler wie Jürgen Faßbender angetreten. Dadurch konnte ich Kristina auch über die Kondition hinaus mal den einen oder anderen Tipp geben.

Nachdem Kristina ihre Karriere im Jahr 2014 beendet hat, bin ich Rentner und spiele statt Fußball und Tennis mit Vorliebe Golf. Das ist im fortgeschrittenen Alter weniger anstrengend. (lacht)

Der Werdegang von Bernd Franke

JahreVereinSpiele (Tore)
1969–1971Fortuna Düsseldorf29 (0)
1982-1987Eintracht Braunschweig423 (0)

Bildcredits: imago/Kicker/Liedel

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