Lesezeit ca. 10 Minuten

Der Stern von »Benny» Lauth ging 2002 auf, als er beim TSV 1860 München quasi aus dem Nichts kam, die Bundesliga aufmischte und zu einem der begehrtesten Stürmer Deutschlands wurde. Hier stellt er seine Traumelf aus seinen früheren Mitspielern in München, Hamburg und Stuttgart vor und erinnert sich dabei an die Macken von Gabor Király, den »Kannibalen« Karim Boulahrouz und Torschusstraining mit Davor Suker. Außerdem spricht er über seinen besten Trainer und lässt seine wechselhafte Karriere Revue passieren.

Die Traumelf von Benny Lauth

Taktische Aufstellung


Benny Lauth über…

Gábor Király // Torwart // TSV 1860 München

In über 150 Pflichtspielen stand ich in meiner Karriere gemeinsam mit Gábor auf dem Platz, so oft wie mit niemandem sonst. Mit seinen weiteren Abwürfen hat er mal eine Torvorlage gegeben. Gábor war noch ein Torwart vom alten Schlag: lautstark und mit katzenartigen Reflexen auf der Linie, aber mit überschaubaren fußballerischen Qualitäten. Ansonsten war er menschlich wie sportlich ein super Typ, auch wenn er die eine oder andere Marotte hatte. Ich denke da vor allem an seine ewige graue Trainingshose oder dass er im Training manchmal die Torwarthandschuhe ausgezogen hat.

Marco Kurz // Innenverteidiger // TSV 1860 München

Als ich beim TSV 1860 München von der Jugend zu den Profis kam, war Marco der Kapitän. Wie er sich um junge Spieler wie mich gekümmert hat, war absolut vorbildlich. Er hat mir viele Tipps gegeben und mir klargemacht, dass in einer Profi-Mannschaft ein harter Konkurrenzkampf herrscht. Einerseits hat jeder Spieler die Pflicht, um seine Position zu kämpfen. Andererseits darf sich niemand über die Mannschaft stellen, denn Erfolg kann man beim Fußball nur gemeinsam haben. Dazu zählt auch, nicht nur auf sich zu schauen, sondern auch auf seine Mitspieler zu achten. Das hat er selbst jeden Tag vorgelegt. Geschont hat er mich auf dem Platz deswegen aber nicht: In den Trainingsduellen ist er hart aber fair zur Sache gegangen. Als er später bei den Löwen Trainer war, hat er mich zurück nach München geholt.

Karim Boulahrouz // Innenverteidiger // Hamburger SV

Der Spitzname von Karim war »Kannibale«. Der Name passte wie die Faust aufs Auge, denn so wie er auf dem Platz zur Sache gegangen ist, konnte so manchem Stürmer angst und bange werden. Zusammen mit Daniel van Buyten hat er in der Innenverteidigung ein unfassbar gutes Gespann gebildet. Die beiden haben alles abgeräumt und hatten einen großen Anteil an den erfolgreichen Jahren des HSV. Sein etwas skurriler Abgang zum FC Chelsea hat eine große Lücke in unserer Abwehr hinterlassen.

Arne Feick // Linker Verteidiger // TSV 1860 München

Im Profi-Fußball lernt man sehr viele Spieler kennen, verliert sich aber meist schnell wieder aus den Augen, sobald man nicht mehr beim gleichen Verein ist. Doch mit Arne verbindet mich seit unserer gemeinsamen Zeit bei den Löwen eine Freundschaft, die bis heute hält.

Leider hatte er oft mit Verletzungen zu kämpfen, sodass er bei uns nicht so richtig zum Zug kam. Aber wenn er spielte, war auf ihn Verlass. Er ist die linke Seite hoch und runter marschiert und hat mir mit seinem starken linken Fuß von Außen regelmäßig schöne Vorlagen serviert.

Guy Demel // Rechter Verteidiger // Hamburger SV

Was Atouba in Hamburg links hinten veranstaltet hat, war ein ganz schmaler Grat zwischen Genie und Wahnsinn. Im Vergleich dazu war Guy vernünftig und grundsolide, ein Koloss auf der rechten Abwehrseite. In unserer Viererkette war er nicht wegzudenken, weil er seine Seite dicht und unser Spiel von hinten unermüdlich angeschoben hat. Taktisch war er dabei auf einem Top-Niveau. Auch menschlich war Guy zu 100 Prozent in Ordnung. Außerdem wusste er, wie man ordentlich feiert!

Raphael Wicky // Defensives Mittelfeld // Hamburger SV

Als ich von München nach Hamburg wechselte, hat Raphael mir sehr bei der Integration in mein neues Umfeld geholfen. Wir haben uns auf Anhieb super verstanden und bei Auswärtsfahrten und Trainingslagern das Zimmer geteilt. Statt Playstation zu zocken, haben wir unzählige Stunden vor dem Laptop verbracht und Fußball-Manager gespielt. Weil wir in der Simulation gute Werte hatten, haben wir uns natürlich auch selbst verpflichtet. (lacht)

Als Spieler hat mir »Rafa« mit seiner Cleverness imponiert. Er wollte immer den Ball haben und hat sich auch nicht verunsichern lassen, wenn man mal drei Fehlpässe gespielt hat. Er war selbstkritisch und hatte den Anspruch, sich jeden Tag zu verbessern. Es passt zu ihm, dass er nach seiner aktiven Karriere die Trainerlaufbahn eingeschlagen hat.

Thomas Hitzlsperger // Zentrales Mittelfeld // VfB Stuttgart

Thomas und ich kennen uns schon seit unserer frühen Jugend, als wir uns in den Spielen der Juniorenmannschaften der Löwen gegen die Bayern regelmäßig duelliert haben und wir in der Münchner Stadtauswahl dann gemeinsam auf dem Platz standen. In Stuttgart haben sich unsere Wege dann wieder gekreuzt und über das »Team Bananenflanke« sind wir heute noch verbunden.

Allein mit seinem Traumtor zum 2:1 gegen Energie Cottbus, mit dem er uns am letzten Spieltag der Saison 2006/07 zur Meisterschaft geschossen hat, hätte er einen Platz in meiner Traumelf verdient. Normalerweise ist Thomas ein besonnener Typ, aber bei der Meisterfeier ist selbst er eskaliert! (lacht)

Video: Traumtor von “The Hammer” Thomas Hitzelsperger

Thomas Häßler // Zentrales Mittelfeld // TSV 1860 München

Als ich bei den Löwen zu den Profis kam, war Thomas der größte Name in unserem Kader. Ich war zunächst etwas unsicher, wie er auf mich reagieren würde, schließlich war er Welt- und Europameister und ich noch völlig unbekannt. Aber »Icke« war von Beginn an herzlich, nahbar und hat mir Tipps gegeben, wie ich mein Spiel verbessern kann. Heute spielen wir noch gelegentlich in der Löwen-Traditionsmannschaft zusammen. In meiner Traumelf sollte er der Kapitän sein.

Damals war er schon etwas über seinem Zenit, doch im Mittelfeld war er immer anspielbar, hatte ein Auge für die Mitspieler und konnte seine Gegenspieler mit seinen Haken abschütteln. Ich kann nur erahnen, wie viel besser er noch zu seinen Top-Zeiten in Köln, Rom oder beim KSC gewesen sein muss. Am meisten beeindruckt hat mich seine perfekte Schusstechnik, die ich in meiner gesamten Karriere bei keinem anderen Spieler mehr gesehen habe. Das war allerdings nicht nur Talent, sondern er hat auch etwas dafür getan und nach jedem Training noch mindestens 20 Torschüsse geübt.

Kevin Volland // Sturm // TSV 1860 München

Als ich 2008 aus Hannover zu den Sechzigern zurückkam, spielte Kevin dort noch in der B-Jugend. Weil mein Berater auch ihn betreut hat, habe ich seine Entwicklung schon früh verfolgt. Es war zu sehen, dass er über außergewöhnlich viel Potenzial und über eine enorme Physis verfügte. Obwohl wir Konkurrenten im Sturm waren, habe ich es als meine Aufgabe gesehen, ihn bei den Profis etwas an die Hand zu nehmen. Wenn wir zusammen auf dem Platz standen, haben wir super harmoniert und uns gegenseitig die Bälle aufgelegt. Unser Kontakt hat bis heute gehalten, manchmal lädt er mich nach Leverkusen zu Spielen in die BayArena ein.

Davor Suker // Sturm // TSV 1860 München

Ähnlich wie bei Thomas Häßler habe ich Davor Suker nur noch am Ende seiner Karriere als Mitspieler erlebt. Seine sportlich besten Tage lagen damals schon hinter ihm, doch er hatte immer noch eine große Aura. Zwar hatte er keinen Stammplatz mehr, hat die Rolle des Ergänzungsspielers aber voll angenommen und das Team nach besten Kräften unterstützt. Nach dem regulären Training haben wir öfter zusammen Torschüsse geübt. Es war beeindruckend, wie locker Davor die Bälle im Tor versenkt hat. Davon konnte ich mir eine Menge abschauen. Ich hätte gedacht, dass er eine Laufbahn als Trainer einschlägt, aber stattdessen ist er dem Fußball als Präsident des kroatischen Fußballverbands erhalten geblieben.

Mario Gomez // Sturm // VfB Stuttgart

Mario ist für mich einer der besten Stürmer, die wir je in Deutschland hatten. An seine sensationelle Torquote kommt kaum jemand heran. Er hat alles mitgebracht, was einen klasse Stürmer auszeichnet: Kaltschnäuzigkeit, Dynamik, Kopfballstärke, einen guten Schuss, eine kräftige Statur und den Blick für den Nebenmann. Es war unfassbar, mit welcher Selbstverständlichkeit er Tore gemacht hat.

Leider wurde er nach ein paar unglücklichen Szenen bei der EURO 2008 in der Öffentlichkeit als Chancentod dargestellt. Mit der Realität hatte das aber nichts zu tun, denn er war eine Tormaschine. Mario hatte zudem das Pech, dass sein Spielertyp eine Zeit lang im modernen Fußball nicht gefragt war, Stichwort «Falsche Neun«, sonst hätte er mit Sicherheit noch den einen der anderen Torrekord aufgestellt.

Karriere-Insights von Benny Lauth

Video: “Let’s get Lauth” - Tore von Goalgetter Benny Lauth

Mein bester Trainer

Peter Pacult war ein harter Hund, der konsequent seinen Weg ging. Darunter musste sicherlich der eine oder andere Spieler leiden, aber ich kann nichts Schlechtes über ihn sagen. Im Gegenteil. Wir hatten ein gutes Verhältnis. Ich habe ihm viel zu verdanken, denn er war es, der mich zu den Profis geholt und mir das Vertrauen geschenkt hat. Zwar habe ich bei ihm nichts geschenkt bekommen und musste mich hinten anstellen, bis ich meinen ersten Einsatz bekommen habe, aber er hat mir früh zu verstehen gegeben, dass er mir viel zutraut.

Mein Weg zum Profi

Bei den Löwen habe ich fast alle Jugendmannschaften durchlaufen und kam den Profis damit jedes Jahr einen Schritt näher. Als ich in der B-Jugend meine ersten Junioren-Länderspiele gemacht habe, hatte ich das Gefühl, dass ich es tatsächlich zu den Profis schaffen könnte. Nach der A-Jugend habe ich aber zunächst bei den Amateuren gespielt, bevor Pacult mich in den Profikader hochgezogen hat.

Nachdem ich einige Monate mittrainiert hatte, hat er mich am letzten Spieltag der Saison 2001/02 im Spiel gegen Borussia Mönchengladbach zum ersten Mal eingewechselt. Das war sein Fingerzeig, dass er für die kommende Saison auf mich setzt, zumal er mir in der Sommerpause das Trikot mit der prestigeträchtigen Nummer 11 zugewiesen hat. In der nächsten Saison war ich Stammspieler und hatte meinen Durchbruch in der Bundesliga.

Meine Vereinswechsel

Gerne wäre ich länger bei 1860 geblieben, doch nach dem Abstieg 2004 musste ich mich relativ plötzlich neu orientieren. Nach der Saison hatte ich konkrete Angebote vom VfB Stuttgart, dem BVB und dem HSV, wobei die guten Gespräche mit Trainer Klaus Toppmöller letztlich den Ausschlag für meinen Wechsel nach Hamburg gegeben haben.

Mein Start in Hamburg verlief unglücklich, weil ich einen Mittelfußbruch mitgebracht hatte und Toppmöller relativ bald von Thomas Doll abgelöst wurde, unter dessen Führung wir uns am Ende der Saison für die Champions League qualifiziert haben. Es war eine tolle Zeit, auch wenn ich mir persönlich sportlich mehr erhofft hatte.

Anfang 2007 wurde ich zur Rückrunde nach Stuttgart verliehen, wo ich mit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft den größten Erfolg meiner Karriere gefeiert habe. Ich wäre gerne länger beim VfB geblieben, doch der Verein wollte nach dem Einzug in die Champions League neue Stars holen. Nicht nur für mich war das unverständlich, denn wir hatten bereits eine eingespielte Truppe mit richtig guten Fußballern und einer gewachsenen Hierarchie. Ich bin mir sicher, dass es die Verantwortlichen heute anders machen würden.

Zur neuen Saison bin ich zu Hannover 96 gewechselt, wo Dieter Hecking Trainer und Christian Hochstätter Manager waren. Leider hat es dort nicht so gepasst, wie der Verein und ich mir das vorgestellt haben. Als das Angebot von den Sechzigern zur Rückkehr nach München kam, hat Hannover mir keine Steine in den Weg gelegt. Bei meinem Herzensverein hatte ich persönlich sechs größtenteils erfolgreiche Jahre, auch wenn wir unser Ziel von der Rückkehr in die 1. Liga nicht erreicht haben. Das lag zu großen Teilen daran, dass es im Verein oft drunter und drüber ging, mit vielen Wechseln auf der Trainerposition, in der Führung und in der Mannschaft. Wegen der finanziellen Probleme mussten große Talente wie die Bender-Zwillinge, Kevin Volland, Moritz Leitner, Daniel Baier oder Chrstian Träsch leider verkauft werden, sodass es nicht möglich war, mit all den guten Jungs oben anzugreifen.

2014 bin noch für ein Jahr zu Ferencváros Budapest gewechselt, wo Thomas Doll Trainer war, den ich noch aus Hamburg kannte. Mit dem ungarischen Pokalsieg hatte ich in einer tollen Stadt und bei einem Traditionsverein einen wunderbaren Abschluss meiner Karriere.

Video: Portrait von Benjamin Lauth

Meine Karriere nach der Karriere

Nachdem ich meine Fußballschuhe an den Nagel gehängt habe, habe ich das Sportmanagement-Studium abgeschlossen und die Trainerscheine bis zur A-Lizenz gemacht. Zudem arbeite ich für DAZN bei Fußballübertragungen als Experte. Ich kann mir vorstellen, später im Management eines Vereins zu arbeiten.

Werdegang von Benjamin Lauth

JahreVereinSpiele (Tore)
2002–2004TSV 1860 München61 (22)
2004-2007Hamburger SV47 (10)
2007VfB Stuttgart11 (1)
2007-2008Hannover 9621 (0)
2008-2014TSV 1860 München188 (63)
204-2015Ferencváros Budapest23 (6)

Die Traumelf weiterer Fußball-Legenden