Wolfgang Funkel

Wolfgang Funkel

Obwohl Wolfgang Funkel erst mit 25 Jahren Profi wurde, kam er für Bayer Uerdingen 05 und dem 1. FC Kaiserslautern noch auf 305 Bundesliga-Einsätze. Hier stellt er seine Traumelf aus früheren Mitspielern vor. Außerdem verrät er, welche Rolle sein Bruder Friedhelm bei seinem Wechsel in die 1. Liga spielte und erinnert sich an das denkwürdige 7:3 im Europapokal gegen Dynamo Dresden, als er mit drei Toren zum Matchwinner wurde.

Die Traumelf von Wolfgang Funkel

Taktische Aufstellung

Traumelf von Ex-Profi Wolfgang Funkel

Gerry Ehrmann // Torwart // 1. FC Kaiserslautern

Gerry hatte immer einen guten Spruch auf den Lippen. Er war extrem ehrgeizig und konnte nicht gut verlieren. Wenn jemand aus dem Team nicht mit vollem Einsatz dabei war, konnte er deswegen ziemlich grantig werden.

Ein Torwart braucht Ausstrahlung. Und die hatte Gerry. Mit seiner lautstarken Art und seinem Bodybuilding-gestählten Adonis-Körper wirkte er furchteinflößend. Bei Ecken und Flanken kannte er keine Verwandten und hat alles weggeputzt, was ihm in die Quere gekommen ist. Beeindruckend war neben seiner Reaktionsstärke auf der Linie sein Antritt, damit war er einer der schnellsten in der Mannschaft.

Er stand noch mit 36 im Tor und war selbst im hohen Fußballeralter einer der fittesten in der Mannschaft. Nach seiner aktiven Karriere hat er seine Bestimmung als Torwarttrainer gefunden und in Kaiserslautern unter anderem Tim Wiese, Roman Weidenfeller und Kevin Trapp zu herausragenden Schlussmännern geformt.

Matthias Herget // Innenverteidiger // Bayer Uerdingen

Matthias hatte als Libero eine Spielanlage wie Franz Beckenbauer. Offensiv ausgerichtet, technisch stark und mit einem erstklassigen Passspiel – einfach ein richtig guter Fußballer und eine Persönlichkeit auf dem Platz. In der Defensive bestach er durch sein Stellungsspiel und seine Fähigkeit, die Abwehr zu organisieren. Bei Bayer Uerdingen war er jahrelang Wortführer und Kapitän der Mannschaft.

Wolfgang Funkel // Innenverteidiger

Es hat lange, fast bis zu meinen 26. Lebensjahr gedauert, bis ich im Profifußball angekommen bin, obwohl ich schon mit 18 Jahren in Neuss in der höchsten Amateurklasse gespielt habe. Nach fünf Jahren beim VfR ging ich für eine Saison zu Viktoria Goch und anschließend zu Rot-Weiß Oberhausen in die 2. Bundesliga. Anders als heutige Zweitliga-Profis war ich damals nur Halbprofi und habe nebenbei noch in Vollzeit als Verkäufer in dem Sportartikelgeschäft meines Bruders gearbeitet. Zum Ende der Saison wurde ich vom Kicker in die “Elf des Jahres” der 2. Liga gewählt. Weil Bayer Uerdingen zur neuen Saison noch auf der Suche nach einem Vorstopper war, hat Trainer Karl-Heinz Feldkamp zunächst meinen Bruder befragt, ob er mir die 1. Liga zutraut. Friedhelm hat scheinbar ein gutes Wort für mich eingelegt und schließlich hat der Verein mich für 800.000 DM verpflichtet (lacht). So kam ich mit 25 Jahren zu meinem Bundesligadebüt. Besser spät als nie.

In Uerdingen wurde ich sofort Stammspieler. Wir hatten in den ersten Jahren eine richtig gute Mannschaft, eine super Kameradschaft und mit Feldkamp einen Top-Trainer. In meiner ersten Saison sind wir 1985 durch einen 2:1-Sieg im Finale gegen die Bayern gleich DFB-Pokalsieger geworden.


Video: Zusammenfassung vom DFB-Pokalfinale 1985

In meiner Jugend habe ich viel Leichtathletik gemacht, vor allem Hochsprung. Dank meiner Sprungkraft und meine Größe von 1,93 Meter zählte das Kopfballspiel zu meiner größten Stärke. In der Defensive konnten sich die Torhüter darauf verlassen, dass ich die Bälle bei Ecken und Flanken per Kopf geklärt habe. In der Offensive habe ich mit meinem Schädel nach Standardsituationen das eine oder andere Tor per Kopf erzielen können. Zwar ließ mein Antritt mit meiner großen Übersetzung etwas zu wünschen übrig, aber mit meinem Zweikampfverhalten und meiner Laufstärke konnte ich das recht gut kompensieren.

Uwe Scheer // Rechter Verteidiger // 1. FC Kaiserslautern

Uwe Scheer hat seine rechte Seite hinten dicht gemacht und mit seinem Offensivdrang vorne ordentlich Druck entwickelt. Dabei kamen ihm seine Schnelligkeit und seine Ballsicherheit zugute. Nach seiner Zeit in Kaiserslautern hat er seine Qualitäten noch einige Jahre in Schalke und Köln auf dem Platz unter Beweis gestellt. Als Typ war Uwe wie fast alle Spieler ein geselliger Typ. Wenn 20 junge Männer auf einem Haufen sind, werden nun mal ständig Sprüche und Scherze gemacht (lacht).

Andreas Brehme // Linker Verteidiger // 1. FC Kaiserslautern

Von Brehme hatte mir mein vier Jahre älterer Bruder Friedhelm schon viel Positives erzählt, als die beiden Anfang der 1980er zusammen in Lautern gespielt haben. Ich selbst hatte gut zehn Jahre später das Vergnügen, Andy als Teamkamerad zu haben. In meiner Traumelf würde ich ihn zum Kapitän machen, denn er war keiner von denen, die nur auf sich selbst geschaut haben, sondern er hatte immer auch die ganze Mannschaft im Blick. Innerhalb des Teams war er hoch angesehen, zumal er trotz seiner großen Erfolge auf dem Boden geblieben ist und für jeden Spaß zu haben war.

Sportlich war Andy ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Am beeindruckendsten war seine Beidfüßigkeit. Ich kenne keinen anderen Spieler, der mit links genauso gut passen und schießen konnte wie mit rechts. Selbst Elfmeter hat er mal mit dem einen und mal mit dem anderen Fuß verwandelt. Darüber hinaus hatte er ein super Spielverständnis, eine sehr gute Übersicht und hat überragende Diagonalpässe geschlagen. Einzig die Schnelligkeit ging ihm etwas ab, aber das Manko hat er mit seinen anderen Qualitäten mehr als wettgemacht.

Chiriaco Sforza // Rechtes Mittelfeld // 1. FC Kaiserslautern

Kalle Rummenigge hat Chiriaco mal als “Stinkstiefel” bezeichnet. Das kann ich nicht bestätigen, auch wenn er schon etwas speziell war. Ihn als Eigenbrötler zu bezeichnen wäre etwas übertrieben, aber er hatte nicht unbedingt viele Freunde in der Mannschaft und hat außerhalb von Training und Spiel lieber sein Ding gemacht. Auch mit Kritik konnte er nicht sonderlich gut umgehen. All das trat aber in den Hintergrund, wenn er uns in den Spielen auf dem Platz mit seinen sportlichen Qualitäten weitergeholfen hat. Und wie er das getan hat! Chiriaco war ein außergewöhnlich guter Mittelfeldspieler mit einer großartigen Spielübersicht. Außerdem hat er gefährliche Standards getreten hat und selbst regelmäßig Tore gemacht.

Martin Wagner // Linkes Mittelfeld // 1. FC Kaiserslautern

Martin war ein Heißsporn, der im Prinzip immer gelbgefährdet war. Das eine oder andere Mal ist er auch vom Platz geflogen. Wenn er vom Gegner attackiert wurde, konnte er richtig sauer werden und hat sich in der nächstbesten Situation revanchiert. Einen Spieler mit diesem Zweikampfverhalten und der Dynamik hat man lieber in der eigenen Mannschaft, als das man gegen ihn spielen muss. Außergewöhnlich war auch Martins unfassbar harter Schuss. Seine linke Klebe wollte man nicht freiwillig abbekommen. Ich kenne keinen, der so einen harten Wumms hatte.

Friedhelm Funkel // Offensives Mittelfeld // Bayer Uerdingen

Mein Bruder war nicht sonderlich schnell, aber hatte eine Pferdelunge. Wenn es sein musste, lief der auch 120 Minuten. Als 10er war er weder Dribbler oder Trickser, sondern ein Instinktfußballer, der ein gutes Auge für die Mitspieler hatte und diese in Szene setzen konnte. Außerdem war er ein Schlitzohr, der auf Abpraller vom Torwart oder bei Ecken auf den zweiten Ball gelauert hat. Das hat ihm viele seiner 85 Bundesligatore beschert.

Als Trainer hat Friedhelm in der Bundesliga bisher nur Vereine trainiert, die von der Qualität eher im Mittelfeld oder unteren Drittel anzusiedeln sind. Ich bin mir aber sicher, dass er einen offensiven Fußball spielen lassen würde, wie er ihn früher auf dem Platz verkörpert hat, wenn er die passenden Spieler dafür hätte.

Rudi Bommer // Rechtsaußen // Bayer Uerdingen

Rudi war Mr. Zuverlässig, ein Musterprofi, der den Fußball gelebt hat. Er war fleißig im Training, hat nicht geraucht und nur selten Alkohol getrunken. Sonst hätte er wohl nicht noch mit 39 Jahren bei Eintracht Frankfurt in der Bundesliga spielen können.

In der Offensive wusste er, wie er an seinen Gegenspielern vorbei kam und hat gefährliche Flanken geschlagen. Wenn der Gegner den Ball hatte, musste ihm niemand sagen, dass er mit nach hinten arbeiten soll. Ob im Spiel oder im Training, mit seiner Laufstärke er ist permanent marschiert. So einen Typen wie Rudi in der Mannschaft zu haben, war Gold wert.

Stefan Kuntz // Mittelstürmer // Bayer Uerdingen

Mit Stefan habe ich die längste Zeit meiner Karriere zusammen gespielt, erst in Uerdingen und dann beim FCK. So habe ich aus nächster Nähe beobachten können, wie er sich im Laufe der Zeit zu einem Anführer entwickelt hat. Vor allem während seiner Zeit in Kaiserslautern war er ein Leader und Wortführer in der Mannschaft. Seine Rolle als Kapitän hat er mit seinem Einsatz und seinen Leistungen untermauert. Er hat sich in jeden Zweikampf geworfen und die gegnerische Abwehr unermüdlich beschäftigt. Und Tore schießen könnte er auch: über 200 in seiner ganzen Karriere!

Pavel Kuka // Linksaußen // 1. FC Kaiserslautern

Pavel war in Kaiserslautern mein Nachbar, dadurch haben wir uns schnell angefreundet. Er kam aus Slavia Prag zu uns und konnte schon bald alltagstaugliches Deutsch sprechen. Wenn es aber um komplizierte Angelegenheiten wie zum Beispiel Behördengänge oder seinen Mietvertrag ging, habe ich ihm gerne geholfen.

Pavel war dribbelstark, hatte einen super Antritt und einen guten Torriecher. Eigentlich war er Mittelstürmer, ist aber häufig auf die linke Seite ausgewichen und hat so Räume für seine Mitspieler geschaffen. Daher stelle ich ihn in meiner Traumelf auf Linksaußen auf.

Karriere-Insights

Mein bester Trainer

Mit Karl-Heinz Feldkamp habe ich erst in Uerdingen und später in Kaiserslautern erfolgreich zusammengearbeitet. Kalli kam weniger über die Taktik, sondern war ein Motivationskünstler. Er wusste genau, wie er uns auf die Spiele heiß machen konnte. Während der 90 Minuten war er an der Seitenlinie mindestens so engagiert wie wir Spieler auf dem Platz. Permanent hat er versucht, Einfluss auf uns und auf den Schiedsrichter zu nehmen, indem er zum Beispiel schnell gelbe Karten für den Gegner gefordert hat. Wenn es nicht so lief, wie er es sich vorgestellt hat, ist er mit seinem Temperament wie ein kleines Rumpelstilzchen abgegangen. Unser Respekt war ihm aber sicher.

Mein Wechsel zum 1. FC Kaiserslautern

Nach dem Abstieg von Uerdingen nach der Saison 1990/91 in die 2. Liga wurde mein Bruder dort Trainer. Er wollte mich dann nicht in seiner Mannschaft haben (lacht). Außerdem hatte ich von vier der Top-5 Mannschaften der 1. Liga ein Angebot vorliegen. Statt für Werder Bremen oder Frankfurt habe ich mich ganz bewusst für den 1. FC Kaiserslautern entschieden. Erstens mochte ich die familiäre Atmosphäre im Verein. Zweitens war ich schwer von der Atmosphäre am Betzenberg beeindruckt. Als FCK-Fan war das Stadion weltklasse, als Gegner die Hölle. Mit Uerdingen bin ich immer nur ungern dort hingefahren. Drittens war Feldkamp mittlerweile in Lautern Trainer und wollte mich nach unserer gemeinsamen Zeit in Uerdingen unbedingt wieder in seinem Team haben. Als er nur ein Jahr später zu Galatasaray Istanbul gewechselt ist, wollte er mich wieder mitnehmen, aber der Verein hat dem einen Riegel vorgeschoben. Daraufhin war das Thema für mich erledigt.

Der Gewinn der Bronzemedaille bei der Olympiade 1988

Die Teilnahme an den Olympischen Spielen 1988 in Südkorea mit dem Gewinn der Bronzemedaille zählt zu den größten Erlebnissen meiner Karriere. Unsere Mannschaft mit Kamps, Klinsmann, Hörster, Häßler und all den anderen war eine starke Gemeinschaft und hatte mit Hennes Löhr einen Bombentrainer, der genau richtig mit uns umzugehen wusste.

Beeindruckend es auch, all die anderen Sportler aus nächster Nähe zu erleben. Wir haben uns zum Beispiel ein Tennisspiel von Steffi Graf angeschaut und waren im Leichtathletikstadion, als Ben Johnson den 100 Meter-Weltrekord gelaufen ist, der später wegen Dopings annulliert wurde.

Das größte Spiel meiner Karriere

Durch den Pokalsieg über die Bayern hatten wir uns mit Uerdingen für den Europapokal der Pokalsieger qualifiziert. Dort trafen wir im Viertelfinale auf Dynamo Dresden. Als deutsch-deutsches Duell hatte es eine besondere Brisanz. Das Hinspiel in Dresden hatten wir 0:2 verloren und im Rückspiel lagen wir zur Halbzeit schon mit 1:3 zurück. Wir waren also praktisch ausgeschieden. Doch dann geschah das “Wunder von der Grotenburg” und wir haben noch 7:3 gewonnen. Das Magazin 11FREUNDE hat es später zum “Spiel des Jahrhunderts” gekürt. Ich habe in der Partie drei Tore gemacht, eins per Kopf und zwei per Elfmeter. Beim zweiten Elfer kurz vor Schluss beim Stand von 5:3 war ich so nervös wie noch nie zuvor in meiner Karriere. Nicht anzutreten stand für mich aber nicht zur Debatte. Das hätte auch niemand verstanden, denn im Prinzip waren wir ja alle gut drauf und ich war unser etatmäßiger Schütze. Ich habe den Ball haarscharf reingemacht, zwischen den Pfosten und der Hand des Torwarts passte kein Bierdeckel mehr. In dem Moment fielen mir einige Steine vom Herzen.


Video: Zusammenfassung vom 7:3 von Bayer Uerdingen gegen Dynamo Dresden 1986

Der Werdegang von Wolfgang Funkel als Spieler

Jahre Verein Spiele (Tore)
1983–1984 Rot-Weiß Oberhausen 37 (7)
1984-196 Bayer Uerdingen 05 210 (31)
1984-196 1. FC Kaiserslautern 95 (10)

Bildcredits: imago/Kicker/Liedel

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