Norbert Brinkmann

Norbert Brinkmann

Norbert Brinkmann verkörperte den Verteidiger alter Schule: knochenhart aber ein fairer Sportsmann. Er spielte seine ganze Karriere bei Bayer 05 Uerdingen und machte von 1974 bis 1987 alle Höhen und Tiefen des Vereins mit. Hier stellt er seine Traumelf aus früheren Mitspielern vor, erinnert sich an seinen besten Trainer und spricht über das Gehalt als Bundesliga-Profi in den 1980er Jahren.

Die Traumelf von Norbert Brinkmann

Taktische Aufstellung

Die Traumelf von Norbert Brinkmann

Norbert Brinkmann über…

Werner Vollack // Torwart // Bayer 05 Uerdingen

Werner war viele Jahre eine wichtige Stütze unserer Mannschaft und einer meiner Lieblingsmitspieler. Als Torwart war er sowohl auf der Linie als auch im Herauslaufen stark, eine damals seltene Kombination. Außerdem hatte er ein erstklassiges Spielverständnis und war so ballsicher, dass er auch im Feld hätte spielen können.

Nicht nur sportlich war Werner ein Gewinn für unsere Mannschaft, sondern auch als Typ. Seine gute Laune war ansteckend und mit seinen Sprüchen trug viel zur positiven Stimmung in unserer Kabine bei. Er konnte jeden verhohnepiepeln, tat das aber immer auf eine liebenswürdige Art.

Matthias Hergett // Libero // Bayer 05 Uerdingen

Mattes hat die Rolle des Liberos sehr offensiv interpretiert, bewegte sich meist vor der Abwehr. Während Leute wie Wolfgang Funkel, Karl-Heinz Wörlin oder ich für die Defensivaufgaben zuständig waren, war er auf dem Platz ein Freigeist. Mit seinem super Auge und sicheren Passspiel hat er unser Spiel von hinten angetrieben und ihm Struktur verliehen. Er ist völlig zu Recht Nationalspieler geworden, zumal er nicht nur ein herausragender Fußballer war, sondern auch eine absolute Führungsperson. Daher sollte er in meiner Traumelf die Kapitänsbinde tragen.

Norbert Brinkmann // Innenverteidiger // Bayer 05 Uerdingen

Ich würde mich nicht als begnadeten Fußballer bezeichnen, aber wer über 350 Spiele in der 1. und 2. Bundesliga absolviert hat, muss auch mit dem Ball umgehen können. Trotzdem war ich in der Abwehr am besten aufgehoben.

Die Trainer haben an mir vor allem meine Laufbereitschaft, meine Zweikampfstärke und meinen Einsatzwillen geschätzt. Ich war in jedem Training im Wettkampfmodus, weil ich einfach immer gewinnen wollte. Manche meiner Trainer haben sich gedacht, dass sie Nachwuchsstürmer einsetzen können, sobald sie im Training an mir vorbeikommen, weil das quasi unter Wettkampfbedingungen war. (lacht)

Ich habe nicht viele Tore gemacht, aber dafür entscheidende Treffer. Mein wohl wichtigstes Tor habe ich bei unserem 1:0-Sieg im Pokalhalbfinale 1985 gegen Saarbrücken geschossen. Das war der Grundstein für den Pokalsieg gegen die Bayern und unsere großen Spiele im Europapokal gegen Dynamo Dresden und Atletico Madrid in der folgenden Saison. Dadurch ist der Verein erst so richtig bekannt geworden und hat viel Renommee gewonnen.

Wolfgang Funkel // Innenverteidiger // Bayer Uerdingen

Wenn Wolfgang mit seinen 1,90 m gelaufen ist, sah das nicht sehr elegant aus. Es hatte was von einem Entengang. (lacht) Aber das hat nicht darüber hinweggetäuscht, was für ein erstklassiger Verteidiger er war. Ob am Boden, in der Luft oder im Laufduell, meist blieb er der Sieger und kam mit seiner Pferdelunge nicht aus der Puste. Mit seinen Kopfbällen hat er in der Defensive aufgeräumt und in der Offensive für Gefahr gesorgt.

So sehr man sich auf dem Platz auf ihn verlassen konnte, so sehr galt das auch außerhalb des Rasens. Wolfgang war einfach durch und durch in Ordnung, stets freundlich und hilfsbereit.

Friedhelm Funkel // Rechtes Mittelfeld // Bayer Uerdingen

Ich möchte Friedhelm ungern als trainingsfaul bezeichnen, daher formuliere ich es mal so: Er hat sich seine Kräfte clever eingeteilt. Wie sein Bruder lief er im Spiel ohne Ende, selbst in der Verlängerung. Er hatte eine feine Technik, ein sauberes Passspiel und war torgefährlich, vor allem mit seinen Kopfbällen. Bis heute ist er einer der Rekordtorschützen von Bayer 05.

Außerdem war er ein ausgebufftes Schlitzohr: Wenn er im Rücken seines Gegenspielers war, hat er ihn einfach beim Vornamen gerufen und ihn zum Abspielen aufgefordert. Viele haben ihm den Ball dann tatsächlich ungesehen zugepasst, weil sie dachten, dass das Kommando von einem Mitspieler gekommen sei. (lacht)

Auch taktisch war Friedhelm exzellent und hat auf dem Platz viele Kommandos gegeben. Das Potenzial für seine Trainerkarriere war also schon damals zu erkennen.

Franz Raschid // Linkes Mittelfeld // Bayer Uerdingen

Franz war ein ruhiger Typ, hatte aber gute Sprüche auf Lager. Mit ihm und Werner Vollack hatte ich eine Fahrgemeinschaft. Da war immer was los im Auto. So kamen wir schon gut gelaunt zum Training. (lacht)

Auf der linken Außenbahn hat Franz mit seiner Ausdauer, seiner Schnelligkeit und seinen präzisen Flanken ordentlich Alarm gemacht. Mit den modernen Bällen von heute hätte er mit seinem starken linken Fuß sicherlich für noch mehr Gefahr sorgen können.

Horst Feilzer // Zentrales Mittelfeld // Bayer Uerdingen

Horst war sehr flink, technisch beschlagen und hatte ein ausgeprägtes Spielverständnis. Er konnte unsere Stürmer gut in Szene setzen und selbst Tore machen. Im Pokalfinale gegen die Bayern hat er für den wichtigen 1:1-Ausgleich gesorgt.

Er war der Lebemann in unserer Mannschaft. Porsche-Fahrer, extravagant, unverheiratet und viel unterwegs. Ihm konnte man aber nichts übel nehmen, Horst musste man einfach gernhaben.

Lárus Gudmundsson // Stürmer // Bayer Uerdingen

Larus kam aus Island und war ein typischer Skandinavier: ruhig, nett und mit einem feinen Humor ausgestattet. 1984 wurde er in Belgien mit Gent Pokalsieger und kam anschließend nach Uerdingen. Herausragend war sein Körpergefühl. Mit seinen Körpertäuschungen hat er seine Gegenspieler reihenweise stehen lassen. Außerdem wusste er, wo das Tor stand, hat die Bälle mit den Füßen oder dem Kopf reingemacht.

Als ich meine Karriere 1987 beendet habe, ist er zum 1. FC Kaiserslautern gewechselt. Trotzdem haben wir uns nicht aus den Augen verloren und stehen noch heute in Kontakt.

Wolfgang Schäfer // Stürmer // Bayer Uerdingen

Wir haben Wolfgang den “Dusselprinz“ genannt, weil er die unmöglichsten Tore gemacht hat, mal aus dem Getümmel heraus, mal durch abgefälschte Bälle, mal durch einen Doppelpass mit dem Gegner und mal mit der Pike. Er hatte einfach die Gabe zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Aber wie sagt man so schön: Immer Glück ist Können!

Der Höhepunkt seiner Laufbahn war der Gewinn des DFB-Pokal 1985, als Wolfgang im Endspiel gegen Bayern München den 2:1-Siegtreffer schoss. Auch das Tor war so eine knappe Kiste. Bei der Siegesfeier war er noch mehr Stimmungskanone, als er es ohnehin schon war. In der Nacht nach unserem Pokalsieg hat er den Pott mit ins Bett genommen. (lacht)

Peter Loontiens // Stürmer // Bayer Uerdingen

Peter kam 1982 aus Gladbach zu uns. Mit ihm habe ich unglaublich gern auf dem Platz gestanden, weil er nicht nur viele Tore gemacht hat, sondern auch eine Frohnatur war. Mit seinem Gummikörper hatte er unkonventionelle Bewegungen auf Lager.

Weil er so wendig und schnell war, wurde er getreten ohne Ende. Zum Glück ist er meist unbeschadet aus der Situation gekommen. Weil er meist merkwürdig gefallen ist, haben die Schiedsrichter die Attacken der Gegner zu unserem Leidwesen viel zu oft nicht gepfiffen, sondern fälschlicherweise als Schwalbe interpretiert. Aber anstatt sich groß zu beschweren, ist Peter einfach aufgestanden und hat weitergespielt.

Manfred Burgsmüller // Stürmer // Bayer Uerdingen

Manni ist der beste Mitspieler, den ich je hatte. Ich habe von keinem anderen so viel gelernt wie von ihm. Die ersten Monate im Training hat er mich regelmäßig nass gemacht. Das hat aber in mir den Ehrgeiz geweckt, besser zu werden und ihn zu stoppen. Immer gelang es mir natürlich nicht, aber die harten Duelle mit ihm haben mich geschult, mich auch im Spiel gegen solche Kaliber durchzusetzen.

Manni war ein Schlitzohr sondergleichen und technisch brillant. Bei der Ballannahme klebte ihm der Ball am Fuß und seine Pässe kamen auf den Millimeter genau an. Außerdem hatte er einen sehr guten Riecher. Darum war er auch noch im hohen Alter in der Bundesliga erfolgreich. Er wurde in der 1. Bundesliga zwar nie Torschützenkönig, liegt in der ewigen Torjägerliste aber auf Platz 4. Das sagt eigentlich schon alles.

Meine Ersatzbank

Manfred Kroke // Torwart
Ludger Vandeloh // Abwehr
Karl-Heinz Wöhrlin // Abwehr
Paul Hahn // Abwehr
Edmund Stieber // Abwehr
Dietmar Klinger // Mittelfeld
Wayne Tomas // Mittelfeld
Rudi Bommer // Stürmer

Norbert Brinkmann im Zweikampf gegen Manni Bockenfeld
Fluggrätsche: Norbert Brinkmann im Zweikampf gegen Manni Bockenfeld

Karriere-Insights von Norbert Brinkmann

Mein bester Trainer: Karl Heinz-Feldkamp

Feldkamp wurde sowohl mit Uerdingen als auch mit Eintracht Frankfurt und dem 1. FC Kaiserslautern DFB-Pokalsieger. Seine Erfolge kamen nicht von ungefähr. Zu seinen größten Stärken zählten seine grandiosen Ansprachen und die Spielvorbereitung. Er hat uns super auf den Gegner eingestimmt, wobei er uns eigentlich gar nicht viel sagen musste, denn wir waren eine eingespielte Truppe, die zu einem Großteil über viele Jahre zusammengespielt hat. Auch wenn wir mit Kalli erfolgreich waren, war er nicht bei allen Spielern beliebt. Ich kam aber super mit ihm zurecht. Wir stammen beide aus dem Kohlenpott, wo man seinem Gegenüber gerade heraus sagt, was man von ihm hält. Nicht jeder konnte gut damit umgehen, doch mir kam seine Art entgegen.

Mein Weg zum Profi

Ich war ein Straßenfußballer, der erst mit zehn Jahren zur Spielvereinigung Sterkrade gekommen ist. Ich musste mich damals zwischen Handball und Fußball entscheiden. Es war die richtige Wahl! Wir hatten eine super Mannschaft, aus unserer A-Jugend sind gleich sechs Leute Profi geworden.

Als ich 22 Jahre alt war, hat Trainer Paul Hufnagel mich nach Krefeld zu Bayer geholt. Dort absolvierte ich zwischen 1974 und 1987 insgesamt 456 Spiele. Auch wenn wir in der Zeit dreimal abgestiegen sind und ich zwischendurch Angebote von Arminia Bielefeld und Fortuna Düsseldorf hatte, bin ich Bayer immer treu geblieben. Ich hatte nie wirklich die Absicht zu wechseln. Selbst wenn ich mal einige Wochen auf der Bank saß, bin ich nicht den einfachen Weg des Vereinswechsels gegangen, sondern habe mich noch mehr reingekniet und den Trainern gezeigt, dass sie nicht auf mich verzichten können.

Mein bester Gegenspieler

Als Abwehrspieler erwischt man auch mal Tage, wo der Stürmer in 90 Minuten genau dreimal an den Ball kommt und daraus drei Tore macht. Das Pech hatte ich mal mit Harry Ellbracht vom VfL Bochum. Meine größte Herausforderung war aber der junge Klaus Allofs, als er zu Beginn seiner Karriere bei Fortuna Düsseldorf spielte. Es war kaum möglich, ihn auszuschalten. Ich erinnere mich an ein Spiel im Hochsommer: Ich war schon weit vor dem Spielende klitschnass geschwitzt und körperlich am Ende, doch Klaus ist immer weiter gelaufen und hat dabei keine Miene verzogen. Und vor dem Tor war er mit seinem linken Fuß auch noch brandgefährlich. Damals habe ich mir schon gedacht, dass er eines Tages mal Nationalspieler wird.

Mein Gehalt als Bundesliga-Profi

Wir haben in den 1970er und 1980ern nur ein Bruchteil von dem erhalten, was die Spieler heute bekommen. Dennoch haben wir im Vergleich zu “normalen” Jobs gutes Geld verdient. Unser Grundgehalt war zwar nicht sonderlich hoch, doch für die Siegprämie eines Bundesligaspiels musste ein normaler Arbeiter etwa vier Monate arbeiten. Das weiß ich genau, weil ich zu Beginn meiner Karriere noch als technischer Zeichner gearbeitet habe.

Die Profis von heute verdienen zwar unverhältnismäßig viel Geld, doch deswegen möchte ich nicht mit ihnen tauschen. Weil wir nicht so im Fokus der Öffentlichkeit standen, es kaum medialen Druck gab und wir keine Sorge haben mussten, immer und überall fotografiert oder gefilmt zu werden, waren wir freier und unbeobachteter. Meine 15 Jahre in Uerdingen waren einfach eine wunderbare Zeit mit tollen Menschen und vielen unvergesslichen Momenten.

Der Werdegang von Norbert Brinkmann

Jahre Verein Spiele (Tore)
1974–1987 Bayer 05 Uerdingen 364 (10)

Foto: imago / Werner Otto

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